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Sonntag, 20. August 2017 20° 2

Astronomie

Wenn Steine vom Himmel fallen

Derzeit gibt es noch keine technische Möglichkeit, einen Asteroiden mit zehn bis 100 Kilometern Durchmesser aufzuhalten.
Von Ralf Gohlke

Die Sternenfreunde hatten ihre Teleskope aufgebaut und mit Sonnenfiltern versehen, um Beobachtungen zu ermöglichen. Fotos: Gohlke

Dieterskirchen.Die gute Nachricht des Abends lautete: „Keine Panik, der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf“. Zumindest die nächsten 100 Jahre wird kein erdnaher Himmelskörper auf Kollisionskurs mit unserem Erdball gehen. Zudem arbeitet die Wissenschaft mit Hochdruck daran, Möglichkeiten und Wege zu finden, dessen Flugbahn so zu verändern, dass er sein „Ziel“ verfehlen würde. Aus Anlass des internationalen Asteroid Day sprach am Freitag der Astronom Dr. Gero Rupprecht von der Südsternwarte ESO in Garching zu dem Thema „Asteroiden – klein aber gemein“. Zu dem informativen Abend hatten die Sternenfreunde in die Volkssternwarte eingeladen. Das Echo war erneut sehr groß.

Blick in den Himmel

Zunächst hatten die Sternenfreunde ihre Teleskope aufgebaut und mit Sonnenfiltern versehen, um einige Beobachtungen zu ermöglichen. In der Kuppel der Volkssternwarte konnten indes Animationen von Asteroiden und deren Bahn, aber auch reale Aufnahmen von ihnen, die von Teleskopen oder Sonden in ihrer unmittelbaren Nähe aufgenommen worden waren, betrachtet werden. Gerald Horn lieferte zu den eindrucksvollen Bildern die nötigen Erklärungen.

Aufgrund des bereits erwarteten Andrangs hatte der Trägerverein den Hauptteil des Abends, den Vortrag von Dr. Gero Rupprecht, in die Schulturnhalle verlegt. Die Dieterskirchener „Schnupfer“ übernahmen die Bewirtung der Gäste. Die namentliche Begrüßung übernahm der Vorsitzende der Sternenfreunde Hans Köppl. Er ließ noch einmal kurz die Entstehungsgeschichte des Vereins und der Sternwarte Revue passieren. Zu den insgesamt 9600 Besuchern seit der Eröffnung 2014 zählten auch 47 Schulklassen.

„Wir sind stolz auf diese Sternwarte“, sagte stellvertretender Landrat Joachim Hanisch in seinem Grußwort. An den Besucherzahlen sei abzulesen, wie viele Menschen das Thema interessieren würde. Bürgermeister Hans Graßl sprach mit Stolz vom „Leuchtturm Sternwarte“ für die Gemeinde und für den gesamten Landkreis.

Dr. Gero Rupprecht eröffnete seinen Vortrag mit der Erinnerung an das sogenannte Tunguska-Ereignis am 30. Juni 1908 im sibirischen Gouvernement Jenisseis. Dort war in mehreren Kilometern Höhe ein Asteroid explodiert, mit einer Stärke, die mehreren Millionen Tonnen des Armeesprengstoffs TNT entsprochen habe. Übrig geblieben seien dabei rund 2000 Quadratkilometer verbrannte Erde. Dass es kein „Einschlag“ gewesen sei, habe eine Expedition dorthin etwa 30 Jahre später ergeben. Alle Bäume seien von einem Zentrum aus nach außen geknickt gewesen. Die Wissenschaftler seien derzeit zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich um einen eher kleinen Asteroiden mit einem Durchmesser von 30 bis 80 Metern gehandelt habe. Ein wichtiger Punkt sei dabei der Zeitpunkt gewesen. Wäre er nur um Minuten später explodiert, hätte es durch die Drehung der Erde durchaus eine Großstadt wie Moskau oder London treffen können. „Die Auswirkungen einer solchen Druckwelle sind mit den Bildern von Hiroshima durchaus vergleichbar“, stellte der Referent fest. Obwohl es noch viele solcher „Kaliber“ gebe, seien Einschläge nur „alle paar 10 000 Jahre“ wahrscheinlich.

Suche geht weiter

Ziel der Wissenschaft und auch der über 100 Astronauten, Wissenschaftler, Ingenieure und Künstler, die den internationalen Asteroid Day ins Leben gerufen haben, sei es, sich auf eine mögliche Gefahr vorzubereiten. Ausführlich ging Dr. Rupprecht auf die ersten Entdeckungen der erdnahen Himmelskörper ein. Mittlerweile stünden über eine dreiviertel Million von ihnen unter Beobachtung, und die Suche gehe mit modernsten und hoch technisierten Programmen ständig weiter. Dabei sei der mögliche Schutz gegen einen Einschlag nur eines von mehreren Motiven. Inzwischen spiele auch die Suche nach Rohstoffen eine nicht unwesentliche Rolle. Namhafte Institute und Firmen beschäftigten sich bereits mit möglicher Schürftechnik. „Sich einen Riesenklumpen Gold einzufangen, würde allerdings keinen Reichtum bedeuten, sondern eher einen Werteverfall des auf der Erde seltenen Edelmetalls“, merkte der Experte an.

Ein wesentlicher Punkt für den Schutz der Erde sei das rechtzeitige Erkennen eines möglichen Kollisionskurses. Allerdings gebe es derzeit noch keine technische Möglichkeit, einen Riesen mit zehn bis 100 Kilometern Durchmesser aufzuhalten. Ihn „einfach“ zu sprengen, würde die Gefahr bergen, von noch viel mehr Stücken getroffen zu werden. Was Sinn machen würde, wäre der Versuch, seine Flugbahn so zu verändern, dass er an der Erde vorbeifliegen würde.

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Stimmen

  • Johann Maunz, Schmidgaden:

    Ich war zum ersten Mal hier, als alles noch im Rohbau war. Inzwischen komme ich öfter her, weil mich das Weltall schon immer fasziniert hat. Schon als Kind habe ich die Taschenbücher dazu geradezu verschlungen. Die Aktion zum Asteroiden Day fand sich super. Ich denke aber nicht, dass bald was passiert.

  • Angelika Nirschl, Oberviechtach:

    Ich bin erst das zweite Mal hier in der Sternwarte, das erste Mal war ein Ausflug mit dem Gartenbauverein. Dass heute der Asteroid Day ist, war eher ein Zufall. Was wir über die Asteroiden gehört haben, beunruhigt mich eher weniger. Trotzdem ist es sehr interessant, weil es wenig im Bewusstsein ist.

  • Julia Ferstl, Oberviechtach:

    Wie das hier so auf der Sternwarte abläuft, hat mich ganz allgemein interessiert. Der Asteroid Day war dafür ein passender Anlass. Aber trotz allem, was ich jetzt erfahren habe, habe ich keine Angst vor der Zukunft. Da gibt es schon im täglichen Leben genug Gelegenheiten, wo etwas passieren kann.

  • Johann Kurz, Schwarzenfeld:

    Ich bin jetzt schon zwei Jahre Mitglied im Verein der Dieterskirchener Sternenfreunde, weil mich das gesamte Feld der Astronomie brennend interessiert. Was mich heute beeindruckt hat war, dass es so viele Asteroiden gibt und noch ständig neue entdeckt werden. Andererseits denke ich nicht, dass es uns trifft.

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