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Schwandorf
Montag, 25. September 2017 17° 5

Kanditatinnen

Grün will mit Sachthemen punkten

Tina Winklmann von Bündnis 90/Die Grünen hofft, mit der Kraft der Argumente auf zehn Prozent der Zweitstimmen zu kommen.
Von Reinhold Willfurth

Tina WinklmannFoto: Willfurth

Schwandorf.Sie setzt darauf, dass sich Sachthemen (und sachlich diskutierte Themen) beim Wähler durchsetzen – auch bei den 40 Prozent, die sich angeblich immer noch nicht entschieden haben. Insofern ist es Wahlkreiskandidatin Tina Winklmann nicht bange um das Wahlergebnis ihrer Partei, der Grünen, der derzeit mauen Umfrageergebnisse zum Trotz. Mindestens zehn Prozent der Zweitstimmen lautet das ehrgeizige Ziel für ihren Wahlkreis. Das wären rund sechs Prozent mehr als 2013.

Unermüdlich ist Winklmann in der Region unterwegs und wirbt beredt für Klimaschutz und Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, für mehr Polizisten und weniger Kohlekraftwerke. „Ich gehe offen auf die Leute zu und warte nicht, bis sie mich ansprechen“, beschreibt sie ihren Stil. An den Infoständen, beim Beantworten von E-Mail-Anfragen und bei den öffentlichen Veranstaltungen registriert sie „interessierte Bürger“. Den Dauereinsatz im Wahlkampf merkt man ihrer Stimme beim Redaktionsgespräch mit unserem Medienhaus in Schwandorf denn auch an. Hinterher wartet schon wieder ein Einsatz in Bad Kötzting – beim Wahlkampf in zwei Flächenlandkreisen darf frau die Kilometer nicht zählen und die Stimmbänder nicht schonen.

Videos der Direktkandidaten sehen Sie in unserer interaktiven Grafik:

Ermüdungserscheinungen sind bei Winklmann nicht zu beobachten, obwohl sie ihren Wahlkampf auch noch irgendwie in ihren Arbeitsalltag integrieren muss. Und der bedeutet täglich pendeln vom Wohnort Wackersdorf zu Siemens in Amberg, wo sie im Dreischichtenbetrieb als Kunststofftechnikerin arbeitet – mangels geeigneter Verbindungen pendle sie per Auto, wie Winklmann bedauert. Ihre Forderung nach verbesserten Angeboten bei Bus und Bahn kann sie also auch aus persönlicher Betroffenheit heraus schöpfen. Den geplanten Ausbau der Hauptschienenstränge in der Oberpfalz – „eine Gemeinschaftsaufgabe aller Parteien“ – begrüßt sie natürlich, und die von Minister Dobrindt versprochene Lärmvorsorge ist für sie beschlossene Sache, auch wenn es nach der Wahl keinen Verkehrsminister dieses Namens mehr geben sollte. „Vielleicht gibt es ja einen grünen Verkehrsminister“, orakelt Winklmann.

„Innere Sicherheit ist ein Thema“

Die Schwandorfer Kreisvorsitzende schätzt auch deshalb den direkten Kontakt mit dem Bürger, weil man dabei die gängigen Vorurteile gegenüber ihrer Partei ausräumen könne. Zum Beispiel das von der angeblichen Sorglosigkeit bei der inneren Sicherheit. „Wir sind es doch, die seit Jahren mehr Polizisten fordern. Die CSU lehnt regelmäßig ab, um das Thema im Wahlkampf dann wieder hervorzuholen“, ärgert sich Winklmann. Terrorgefahr will sie mit mehr Personal und besserer Zusammenarbeit der Länderpolizeien in den Griff bekommen. Fußfesseln für Gefährder und flächendeckende Überwachungskameras funktionierten nicht.

„Wir sind es doch, die seit Jahren mehr Polizisten fordern. Die CSU lehnt regelmäßig ab, um das Thema im Wahlkampf dann wieder hervorzuholen.“

Tina Winklmann

Wie hält sie es mit einem möglichen „schwarzen“ Koalitionspartner in Berlin – inklusive der CSU, die den Grünen im Bayerischen Landtag das Leben schwer macht? Winklmann will sich auf keine Farbe festlegen. Eine Obergrenze für Flüchtlinge, wie sie CSU-Chef Seehofer fordert, wäre mit den Grünen aber ebenso wenig zu machen wie immer mehr Überwachungsmaßnahmen. Das Ende des Verbrennungsmotors, für Seehofer noch nicht ausgemacht, ist für die Grüne ein absolutes Muss. „Die ganze Welt stellt um, wir sind sogar spät dran“, sagt Winklmann mit Blick auf die Grünen-Forderung, 2030 müsse Schluss sein mit Verbrennern („bei Neuwagen, wohlgemerkt“). Gerade weil ihr die Arbeitsplätze in der Autoindustrie wichtig seien, zum Beispiel die in ihrem Wohnort Wackersdorf, müsse sich diese Industrie endlich bewegen.

„Ich gehe offen auf die Leute zu und warte nicht, bis sie mich ansprechen.“

Tina Winklmann

Mit wem auch immer die Grünen eine Regierung bilden werden – die Ökopartei will dem jeweils größeren Partner Beine machen beim Klimaschutz. „Der ist in der Großen Koalition eingeschlafen“, kritisiert Winkl-mann. Es sei höchste Zeit, etwas zu tun. „Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel mitkriegt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann“, sagt die Politikerin aus Wackersdorf. Und so ist für sie auch keine Koalition mit einer SPD denkbar, die bisher an der Kohle festhalte. Und die FDP, möglicher Partner bei einer Jamaica-Koalition? Winklmann fehlen für ein paar Zehntelsekunden die Worte: „Kein Wort im Wahlprogramm über den Klimawandel! Und nichts über Landwirtschaft! Die müssten ihr Wahlprogramm komplett umschreiben – aber da haben sie ja auch Übung drin“.

„Es müssen nicht lauter Biohöfe sein“

Eine moderne bäuerliche Landwirtschaft liegt Tina Winklmann, die im Dörfchen Damelsdorf bei Wernberg aufgewachsen ist, am Herzen. Und, um ein weiteres Vorurteil zu beerdigen: „Es müssen nicht lauter Biohöfe sein“. Sogar der Bayerische Bauernverband lade neuerdings die Grünen ein, wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft gehe.

„Kein Wort im Wahlprogramm über den Klimawandel! Und nichts über Landwirtschaft! Die müssten ihr Wahlprogramm komplett umschreiben – aber da haben sie ja auch Übung drin“.

Tina Winklmann über die FDP

Auch wenn es um die Flüchtlinge in Deutschland geht, die so viele Menschen in Unruhe versetzt hat, setzt Tina Winklmann im Einklang mit ihrer Partei auf eine Lösung durch das Parlament: Ein Einwanderungsgesetz, das sich an den Erfordernissen des deutschen Arbeitsmarkts orientiere, soll künftig regeln, wer ins Land kann – parallel zum Asylrecht für Menschen, die vor Gewalt und Willkür in ihrer Heimat fliehen mussten und nach wie vor den Schutz des deutschen Grundgesetzes genießen dürften.

Alle Infos zur Bundestagswahl und den Direktkandidaten im Wahlkreis Cham/Schwandorf lesen Sie hier!

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Noch unschlüssig, wen Sie wählen wollen? Dann versuchen Sie es doch mal mit dem „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung, für den unser Medienhaus Medienpartner ist! .

Tina Winklmann (Bündnis 90/Grüne)

  • Biografisches:

    Geboren am 26. Februar 1980 in Weiden, aufgewachsen im Dörfchen Damelsdorf bei Saltendorf in der Gemeinde Wernberg. Nach dem Schulabschluss in Wernberg Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin für Kunststoff und Kautschuk bei Wilden in Pfreimd, seit 2001 bei Siemens in Amberg. Wohnhaft in Wackersdorf, verheiratet.

  • Politik:

    Gründung des Natur-Arbeitskreises „Der grüne Baum“ mit elf Jahren (Umweltpreis des Landkreises Schwandorf), u. a. Unterschriften sammeln für Wale, mit 16 Jahren Eintritt bei Bündnis 90 / Die Grünen. Beisitzerin und Schriftführerin im Vorstand des Grünen-Kreisverbands Schwandorf. Seit 2015 zusammen mit Elisabeth Bauer Kreisvorsitzende

  • Wahlkampf:

    Unterstützung erhielt Winklmann bei Veranstaltungen im Wahlkreis u. a. von MdB Dieter Janecek (Digitalisierung und E-Mobilität), dem Landesvorsitzendem Eike Hallitzky (Flächenfraß in Bayern), und MdB Beate Walter-Rosenheimer. Angekündigt hat sich Landesvorsitzende Sigi Hagl zur Diskussion über den Dokfilm „Code of Survival“ am 19. September in Nittenau.

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