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Donnerstag, 18. Januar 2018 7

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Helfen, wieder in die Spur zu finden

Waltraud Brettner und Rita Sebald vom Betreuungsverein für den Landkreis Schwandorf helfen Menschen, die überfordert sind.
Von Ingrid Hirsch

Seit 25 Jahren steht Dr. Wolfgang Gorek an der Spitze des Betreuungsvereins mit aktuell 96 Mitgliedern. Foto: xih

Schwandorf.Die „Lebenshilfe“ und der Sozialverband VdK riefen am 16. Mai 1990 den „Betreuungsverein für den Landkreis Schwandorf e.V.“ ins Leben. Diplom-Sozialpädagogin Rita Sebald war damals die Gründungsvorsitzende und ließ sich zwei Jahre später als hauptamtliche Betreuerin anstellen. Seit dieser Zeit steht Dr. Wolfgang Gorek an der Spitze des Vereins mit aktuell 96 Mitgliedern.

Das erste Büro war im Haus des Guten Hirten untergebracht. Später folgte der Umzug in das Wohnheim der „Lebenshilfe“ in der Ohmstraße. Vor eineinhalb Jahren bezogen Rita Sebald und Waltraud Brettner neue Räume in der Haydnstraße 2. Die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen übernehmen die Betreuung von Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, stehen den ehrenamtlichen Betreuern zur Seite und organisieren Informationsveranstaltungen. Rita Sebald nennt das „Querschnittsaufgaben“.

Verein ist aus Spenden und Beiträge angewiesen

Weil die Fallpauschalen gering sind, ist der Verein auf Bußgelder, Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Doch auch diese Beträge haben zuletzt nicht ausgereicht, um das Defizit zu decken. Die finanzielle Situation hat sich so verschärft, dass der Vorstand zu Beginn des Jahres 2017 reagieren musste. Betroffen waren die beiden hauptamtlich beschäftigten Mitarbeiterinnen Rita Sebald und Waltraud Brettner, die für zwei Jahre nur noch reduzierte Bezüge erhalten.

Waltraud Brettner (links) und Rita Sebald (rechts) arbeiten als hauptamtliche Betreuer. Ihr Büro ist in der Haydnstraße 2. Foto: xih

Der Verein habe es versäumt, sich eine Lobby zu verschaffen. Dessen ist sich Vorsitzender Dr. Wolfgang Gorek bewusst. Deshalb will er in der Öffentlichkeit mit dem Gerücht aufräumen, der Betreuungsverein hänge am Tropf der „Lebenshilfe“. Das sei nicht der Fall. „Wir sind auf Spendengelder angewiesen“, so der Vorsitzende. Er will deshalb verstärkt die Werbetrommel rühren. Rita Sebald und Waltraud Brettner betreuen aktuell 73 Personen im Alter zwischen 24 und 87 Jahren und unterstützen sie beim Wohnungswechsel, bei Behördenangelegenheiten, bei der Geldeinteilung und bei Privatinsolvenzen.

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Die hauptamtliche Führung von Betreuungen sei eine wesentliche Grundlage zur Finanzierung der Vereinsarbeit, so Rita Sebald. Vermögende Betreute müssen selbst für die Kosten aufkommen, bei Mittellosigkeit zahle die Staatskasse. Für die Querschnittsaufgaben, die Gewinnung und Beratung ehrenamtlicher Mitarbeiter sowie die Information über Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung, gewähren der Landkreis und der Freistaat eine finanzielle Unterstützung.

Honorarkraft Werner Chwatal unterstützt die hauptamtlichen Mitarbeiter bei den Querschnittsaufgaben, Anita Kraus hilft in der Verwaltung mit.

Die Betreuungen

  • Betreut werden

    nur volljährige Personen, keine Kinder. Das Gericht stellt die Bedürftigkeit fest und bestimmt einen Betreuer. Die Kosten für die Betreuung trägt der Betroffene selbst. Wenn er mittellos ist, springt der Staat ein. Rita Sebald und Waltraud Brettner betreuen aktuell 73 Personen im Alter zwischen 24 und 87 Jahren.

  • Von den 96 Mitgliedern

    übernehmen 41 eine ehrenamtliche Betreuung und erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von 399 Euro im Jahr. 2390 Betreuungsfälle sind im Landkreis Schwandorf derzeit registriert. Der Großteil wird von den Angehörigen abgedeckt, den Rest, insgesamt 126, übernehmen die haupt- und ehrenamtlichen Betreuer.

„Wir hatten in diesem Jahr mit schweren körperlichen Erkrankungen und psychischen Krisen der Betreuten zu kämpfen“, sagt Rita Sebald. Auch die schrittweise Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes sei eine Herausforderung gewesen. Zu den weiteren Aktivitäten gehören Vorträge zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung und die Teilnahme an den Veranstaltungen der Netzwerkpartner. Rita Sebald appelliert an die Menschen, sich frühzeitig eine Vertrauensperson zu suchen, die im Ernstfall die Betreuung übernehmen könne.

Alle Teile unserer Serie „Mein Verein“ finden Sie hier.

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