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Schwandorf
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Brauchtum

Straffer Zeitplan für die Könige

In Nittenau haben es die Sternsinger eilig. Sie müssen mehrere hundert Haushalte besuchen – und Sturm und Kälte trotzen.
Von Philipp Seitz

Sie trotzen Wind und Kälte (von links): Die engagierten Sternsinger Johannes Heimerl, Dominik Seebauer, Rainer Bösl und Martin Faltermeier Foto: Seitz

Nittenau.Der blaue Umhang von Martin Faltermeier flattert im Wind, der kalte Wind bläst dem 16-jährigen Ministranten ins Gesicht. Mit beiden Händen umklammert er den goldenen Stern. Johannes Heimerl hält mit einer Hand seine Krone fest. Seit mittlerweile mehr als fünf Stunden ist die Sternsingergruppe bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nun schon rund um Nittenau unterwegs. Gerade sind die Sternsinger im Nittenauer Ortsteil Stadl angekommen. Knapp eine halbe Stunde werde die Gruppe für den Ort brauchen, sagt Faltermeier. Er ist beim Sternsingen schon Profi. Zum achten Mal ist er mittlerweile dabei.

Mit flotten Schritten eilen die Sternsinger von Haus zu Haus. Wenn sie über Rasenstücke hasten, spritzt der Schlamm auf. Die vier Jugendlichen scheinen das mittlerweile zu ignorieren. Kaum haben sie das eine Haus besucht, geht es schon wieder zum nächsten. „Man zählt irgendwann nicht mehr mit“, sagt Faltermeier, ehe sich die braune Holztüre öffnet.

Aufkleber löst die Kreide ab

Maria Wankerl bittet die Sternsinger in die Wohnung. Sie hat die Gruppe bereits erwartet und ihre Spende im Flur deponiert. „Meine Tochter hat mir schon geschrieben, dass die Könige unterwegs sind.“ Nachdem die Sternsinger ihren Spruch aufgesagt haben, schreitet Martin Faltermeier zur Tat und schreibt mit weißer Kreide den Spruch an die Türe. Der klassische Kreidespruch sei besonders in den ländlichen Gegenden beliebt, erzählt er. In der Stadt klebt hingegen immer häufiger ein Aufkleber mit dem traditionellen Zeichen. „Da gehen uns manchmal die Aufkleber aus.“

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Der Weihrauch gehört zur Grundausstattung der Sternsinger. Foto: Seitz

Auch wenn die Aufkleber langsam die Kreide ablösen, der Segenswunsch der Sternsinger bleibt gleich: Das Kürzel CMB steht dabei für „Christus mansionem benedicat“. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Christus segne dieses Haus“. Unverzichtbar ist auch der Weihrauch. Schon wenn die Sternsinger aus dem Auto ihrer Chauffeurin steigen, erinnert der Duft an Kirche. Besonders die älteren Nittenauer schätzen es, wenn die Sternsinger mit dem Weihrauchfass in die Wohnung kommen. Ab und an haben sie auch Getränke für die Könige hergerichtet.

Kein König ohne Krone und je schöner das Gewand, desto würdevoller das Gefühl: So werden Kinder und Jugendliche Sternsinger.

Schon seit einigen Jahren ist Martin Faltermeier mit seiner Gruppe in den Nittenauer Ortsteilen unterwegs. „Ich bin noch nie etwas anderes gegangen. Der Großteil kennt uns schon.“ Beinahe ein Neuling ist dagegen der 13-jährige Dominik Seebauer, der sich heuer zum zweiten Mal als Sternsinger engagiert. Er hat sich eine warme Mütze und eine dicke Jacke angezogen. „Letztes Jahr wurde es schon anstrengend“, erzählt er. Seinen Spruch trägt er aber schon wie ein Großer vor. Nach mehreren hundert Häusern ist der Auftritt für den jungen Sternsinger Routine.

Eine kleine Freude bereiten

Leicht ist das Dreikönigssingen aber nicht immer. Bei manchen Häusern und Neubürgern wissen die Sternsinger nicht, wie sie empfangen werden. „Manche werden auch böse, weil sie nicht an Gott glauben“, erzählt Johannes Heimerl. Das sei aber nur selten der Fall. Entsprechend begeistert sind die Sternsinger von ihrem Dienst: „Es ist einfach schön, wenn man den Menschen eine kleine Freude machen kann“, sagt Faltermeier. Besonders ältere Nittenauer hätten ab und an für die Sternsinger sogar eine kleine Stärkung hergerichtet. Für Rainer Bösl ist klar, dass er auch im nächsten Jahr wieder dabei sein möchte: „Es macht einfach Spaß und gibt mir außerdem das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.“

Wir haben die Sternsinger mit der Kamera begleitet:

Video: Seitz

In diesem Jahr widmet sich das Dreikönigssingen unter anderem der Situation der Mädchen und Jungen in Indien. In dem Land wohnen nach Angaben des Kindermissionswerks die meisten arbeitenden Kinder weltweit. Die Sternsinger würden dabei helfen, dass diese Kinder wieder eine Perspektive erhalten, betont Pfarrer Dirk Bingener vom Bundesverband der Deutschen Katholischen Jugend in Düsseldorf. Rund 300 000 Kinder und Jugendliche seien in diesen Tagen wieder als Sternsinger unterwegs, davon 24 in der Stadt Nittenau. „Das ist eine tolle Sache“, sagt Dominik Seebauer. Bis Freitag ist er mit seiner Gruppe noch unterwegs, um Kindern zu helfen.

Diese Bedeutung haben die Namen der Heiligen Drei Könige:

Die Sternsinger sind in der ganzen Welt unterwegs:

Unterwegs in der ganzen Welt

  • Slowenien:

    Nach Neujahr führen die Sternsinger in Slowenien eine Art Krippenspiel auf, das sehr humorvoll ist. Es endet mit Musik und gemeinsamen Tanzen.

  • Finnland:

    Zu einem gespielten Kampf mit Schwertern kommt es in Finnland: Die Sternsinger treten gegen König Herodes an. Das Stück ist eine Mischung aus Schauspiel und Gesang.

  • England:

    Die „Star boys“ tragen in England keinen Stern, sondern eine Laterne. Sie gehen von Pub zu Pub und bekommen Freibier für ihre Unterhaltung. Doch es gibt auch andere Formen des Sternsingens in England.

  • Spanien:

    In Spanien und in Teilen von Mexiko fahren die heiligen drei Könige mit prächtigen Wagen durch die Straßen. Den Kindern werfen ihre Diener Bonbons zu. Am Morgen des 6. Januar finden die Kinder außerdem Geschenke der Könige – falls sie im vergangenen Jahr artig waren.

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