Reise & Freizeit 12.08.2012, 12:44 Uhr

Auf Dr. Dolittles Dschungel-Veranda

Urlaub im Baumhaus von Victor Dey im südindischen Kerala – Auge in Auge mit Makaken, Papageien und Elefanten.

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In Jackfrucht- und Gummibäumen verankert und durch Stahlträger zusätzlich abgesichert: Ferienhaus in den Baumwipfeln in den südindischen Wayanad-Bergen Fotos: Sobik

In Jackfrucht- und Gummibäumen verankert und durch Stahlträger zusätzlich abgesichert: Ferienhaus in den Baumwipfeln in den südindischen Wayanad-Bergen Fotos: Sobik

Von Helge Sobik

Manchmal sitzen die Überraschungsgäste mit angezogenen Knien auf der Brüstung des Balkons, als würde es ihnen nichts ausmachen, dass es direkt neben ihnen zwanzig Meter in die Tiefe geht und dort unten nichts als Urwald ist. Sie halten sich nicht mal fest, kratzen sich stattdessen beidhändig hinter den Ohren oder bohren mit dem Finger in der Nase. Ein anderes Mal sitzen sie auf der Rattan-Lehne des Balkon-Stuhls und scheinen durch die Blätter der Baumkrone ganz entspannt Richtung Sonne zu blinzeln, so lange sie sich ungesehen fühlen. Am liebsten stibitzen sie reife Mangos aus dem Obstkorb auf dem Tisch. Und wenn man nicht aufpasst, flitzen sie durch die Tür nach drinnen ins möblierte Baumhaus-Zimmer mit dem breiten Bett und interessieren sich für alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Makaken zählen zu den regelmäßigen Besuchern ganz oben in den Wipfeln der Jackfrucht- und Gummibäume auf dem Gelände der Kuppamundi-Kaffeeplantage im südindischen Bundesstaat Kerala. In ihrer Lieblings-Freizeitbeschäftigung unterscheiden sie sich wenig von den Mietern der Quartiere in luftiger Höhe: einander beobachten. Mit dem Unterschied, dass die kleinen Affen dabei keine Tee-Tasse in der rechten Hand halten. Und dass sie keinerlei Höhenangst haben, während die Menschen ihre ersten Schritte auf den Planken der in den Baum montierten Veranda so hoch über all den Farnen und Sträuchern am Urwaldboden sehr überlegt und bedächtig setzen.

Ferienhaus in den Baumkronen

Wenn sie sich gegenseitig so anstarren, fehlt eigentlich nur noch, dass sie sich miteinander zu unterhalten beginnen wie im mehrfach verfilmten Kinderbuch Doktor Dolittle. Dort hat der Arzt von einem Papagei die Sprache der Tiere beigebracht bekommen – und sich an den guten Gesprächen erfreut.

Die Makaken-Familien unterdessen sind ebenso friedlich wie neugierig. Sie passen zum Ambiente. Sie waren zuerst da. Ihnen gehören die Wipfel der Bäume hier in den Wayanad-Bergen auf 600 Höhenmetern, gut 130 Straßenkilometer von der Küste des Indischen Ozeans und etwa drei Autostunden von der Großstadt Kozhikode entfernt. Sie teilen sie sich mit fast hundert Vogelarten, darunter Papageien ebenso wie Falken und Bussarde, mit ein paar Käfern, mit Honigbienen und Schmetterlingen. Und mit einer Eule, die manchmal nachts in ihrer Sprache nach Dr. Dolittle ruft.

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