Im Mittelpunkt von Hillesheim: das Kriminalhaus mit dem Krimi-Archiv. Autor Ralf Kramp hat sich damit seinen Lebenstraum erfüllt. Foto: Nelissen
Von Nicole Nelissen
Der Kaffee heißt Schwarzer Tod, über den Betten hängen die Tränensack-Imitate von „Derrick“ Horst Tappert und Harrys Autoschlüssel, die Gardinenhalter bestehen aus Handschellen. Kichernd suchen Hobby-Detektive bei inszenierten Mörderjagden und auf Wanderungen nach Beweisen oder lauschen in Gewölben Mordgeschichten: Autor Jacques Berndorf hat 1989 mit seinem ersten Krimi „Eifel-Blues“ die beschauliche Gegend um Hillesheim zum Schauplatz seiner literarischen Verbrechen gemacht und damit die Karriere des Regionalkrimis in Deutschland begründet.
Seitdem gibt es in dem Eifeldörfchen mit seinen 3000 Einwohnern Krimi-Wochenenden mit fiktiver Spurensuche, britischer Five-o’clock-Teatime im Clubraum und Krimi-Dinner bei Kerzenschein. Ein Krimi-Festival zieht alle zwei Jahre tausende Besucher an und hat sich als Branchentreff für die Krimi-Szene etabliert – als Schnittstelle zwischen Fernsehproduzenten, Drehbuchautoren und Sendern. Sogar Götz George und Senta Berger kamen schon in die Vulkaneifel.
Krimis als Reiseführer
Die exakte Beschreibung der Landschaft und Orte machte die Eifelkrimis zudem zu regelrechten Reiseführern, auch über den Krimi-Wanderweg. Dabei bringen die beiden Ermittlerinnen Clara Fall und Hella Blick Besuchern die Schauplätze der Eifelkrimis in und rund um Hillesheim näher, wie den Wasserfall Dreimühlen oder die und Lokale, die die regionaltypische Erbsensuppe kredenzen. Dass sich der Krimi-Hype längst zum Wirtschaftsfaktor entwickelt hat, zeigt das Interesse der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft: Zum 125.Geburtstag ihres Detektivhelden lädt sie Ende August zur Sherlocon-Messe nach Hillesheim – mit viktorianischem Picknick, Casino-Abend im Stil der zwanziger Jahre, Verlagsmesse, der Hörtheatrale Marburg und dem Krimi-Dinner „Das Erbe der Baskervilles.“
Wo sich die Schauplätze der inszenierten Verbrechen häufen, nächtigt man im angeblich ersten Krimi-Hotel Deutschlands. Der morbide Charme des ehemaligen Hotels Fasen aus dem Jahr 1902 mit seinen gelben Klinkern, Türmchen und Erkern habe ja regelrecht nach einem Krimi-Hotel geschrien, meint Hoteldirektor Christoph Böhnke. Für die 20 Themenzimmer haben er und Krimiautor Ralf Kramp auf sämtlichen Trödelmärkten nach passenden Filmaccessoires wie Uhren, Vasen, Bildern gesucht und dort auch den Schlangenkorb für das „Mord im Orient Express“-Zimmer ergattert. In Wohnungsauflösungsläden fanden sie alte Lampen und Kronleuchter, bei eBay kauften sie Kinoplakate wie „Der Hexer“ oder „Das Hotel der toten Gäste“.
„Als in Hillesheim Sperrmüll war, wurden wir auch angerufen. Dabei haben wir das Eichenbett aus den 1950er Jahren für unser „Arsen und Spitzenhäubchen-Zimmer“ bekommen“, grinst Böhnke. In England bestellte er einen Sattelschlepper voll alter Hoteleinrichtungen. „Elf komplette Hotelzimmer haben wir da gekauft, mit Betten, Chesterfieldmöbeln, Kommoden und Tischen.“ Die Zimmer im Charme der Sechziger- und Siebziger Jahre orientieren sich an weltberühmten Filmen wie dem Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“, James Bonds „Goldfinger“ oder Agatha Christies „Tod auf dem Nil“ und haben jeweils eine kleine, themenbezogene Bibliothek. Sogar der Trödelking aus dem WDR-Fernsehen drehte im Krimi-Hotel, wie er Böhnke einen Schachbretttisch verkaufte.
Krimi-Archiv mit 30000 Büchern
Nebenan gibt es bereits seit fünf Jahren das Kriminalhaus mit dem Krimi-Archiv, vollgestopft bis unters Dach mit etwa 30000 Schmökern der Großen und Kleinen der Krimi-Weltliteratur, der Krimi-Buchhandlung „Lesezeichen“ mit Krimi-Kabinett und dem Café Sherlock, Deutschlands erstem Krimi-Café. Sein Lebenstraum, sagt Ralf Kramp. Sein nächstes Projekt: Ein begehbarer Tatort. Dabei wirkt Kramp gar nicht so wie ein Experte in Sachen Mord und Totschlag. Der 49-Jährige ist ein zurückhaltender Mann.
Doch sobald er pointiert erzählt und dabei verschmitzt lächelt, spürt man, wie gerne er in der Eifel ermittelt. Lachend erzählt er von „Pleiten, Pech und Pannen“ der ersten Krimi-Wochenenden. Kramp hätte übrigens nie selbst einen Krimi geschrieben, wenn Berndorf ihn nicht ausdrücklich dazu ermutigt hätte, ein halbfertiges Manuskript endlich zu beenden. Seither kennt der gelernte Maler und Lackierer nur noch den Krimi. „Seit ich denken kann, sind mir Geschichten eingefallen. Seltsam ist nur, dass dabei immer etwas Kriminelles herauskommt.“
Was man wissen muss
Anreise-Tipp: Am besten erkundet man die Eifel mit dem Auto. Es gibt zwar Busse, die fahren aber nicht regelmäßig. Anfahrt: Mit dem Pkw auf der A1 Richtung Euskirchen bis Autobahnende, weiter auf der B 421; oder A 48 bis Autobahndreieck Vulkaneifel, dann die A1 bis Abfahrt Daun/Gerolstein. Alternativ: Mit dem Zug bis Oberbettingen oder Gerolstein, ab Bahnhof mit dem Bus oder Taxi bis Hillesheim.
Hotel-Tipp: Krimihotel Hillesheim, Am Markt 14, 54576 Hillesheim, Tel. (06593) 98089600, Internet: www.krimihotel.de, Übernachtung für zwei Personen inkl. Frühstück ab 79 Euro.
Restaurant-Tipp: Im Hotel Augustiner Kloster, Augustiner Straße 2, 54576 Hillesheim, Tel. (06593) 980890, Internet: www.hotel-augustinuer-kloster.de, gibt es Eifeler Küche mit mediterranem Touch. Café Sherlock, Augustinerstraße 4, 54576 Hillesheim, tgl. 11.30-18h, Tel. (06596) 809435, Internet: www.kriminalhaus.de.
Pauschal-Tipp: Mörderjagd-Wochenenden sind buchbar über das Krimihotel in Hillesheim oder die Agentur Blutspur, Tel. (0221) 94194 79, Internet: www.blutspur.de.
Termin-Tipp: Die Sherlock-Holmes-Messe in Hillesheim findet vom 24. bis 26. August statt, Tagestickets 15 Euro, Internet: www.sherlocon.info.
Info-Tipp: Touristenbüro Hillesheim, Graf-Mirbach-Straße 2, Tel. (06593) 809200, Internet: www.hillesheim.de, www.eifelkrimi-wanderweg.de