Eingebettet in Felsen: der Privatpool einer der Ninh Van Bay-Villen Fotos: Ziegler
Von Wolfgang Ziegler, MZ
Mein Butler heißt An. Neben vielen außergewöhnlichen Fähigkeiten zeichnet den jungen Vietnamesen eine Gabe ganz besonders aus. An kann lesen. Von den Augen seiner Gäste. Kaum habe ich begonnen zu überlegen, wie die Kaffeemaschine – was für ein profaner Begriff für das High-Tech-Gerät aus italienischer Produktion – in meiner 176 Quadratmeter großen Luxusvilla wohl funktionieren könnte, steht An schon da, legt mit der Lässigkeit des Könners ein Pad ein und serviert den wohl perfektesten Cappuccino Indochinas. Noch habe ich die Minibar – auch sie verdient diese Verniedlichungsform in keinster Weise – noch nicht einmal ansatzweise inspiziert, bringt An Eis – einen so großen Beutel, dass ich damit an meinem Privatpool jederzeit eine Party geben könnte. Als ich mich schließlich dazu entschlossen habe, das an einer traumhaften Bucht gelegene Resort zu erkunden, fährt An ungerufen, aber willkommen mit dem Golf-Cart vor. Zu Fuß wäre es zu weit bei der Hitze, bedeutet er mir in akzentfreiem Englisch. Dass er für mich Termine im Spa vereinbart, mich zur morgendlichen Yoga-Stunde geleitet und abends zum Dinner bringt, ist für An selbstverständlich – ganz im Gegensatz zu mir.
Nur Drogen gibt es nicht
An ist Butler mit Leib und Seele. Seit nunmehr fünf Jahren macht er diesen Job im Fünf-Sterne-Resort Six Senses Ninh Van Bay auf einer Halbinsel gegenüber dem vietnamesischen Seebad Nha Trang. Gleich nach seinem Hotelmanagement-Studium in Saigon hat der heute 29-Jährige damit begonnen – und mit seinen Gästen inzwischen jede Menge erlebt. „Manche möchten einen speziellen vietnamesischen Wein probieren, andere wollen Schlange essen, wieder andere haben Kondome vergessen“, zählt er im Gespräch auf. Für An ist das alles kein Problem. Die Aufgabe der Butler im Six Senses Ninh Van Bay ist es, die Gäste zufriedenzustellen – koste es, was es wolle. Was es im Resort nicht gebe, werde umgehend in der City besorgt, sagt er.
Badezimmer mit Open-Air-Dusche
Mit einer Ausnahme: „Ab und zu kommt es vor, dass die Touristen einen Joint rauchen wollen und Marihuana ordern. Aufgrund der vietnamesischen Gesetze, die den Erwerb wie den Besitz von Rauschgift unter strenge Strafen stellen, kann ich Wünsche dieser Art aber leider nicht erfüllen“, sagt An. Alles andere macht er gerne – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Manchmal betätigt sich An, der seine Rolle selbst als „Brücke zwischen den Gästen und den verschiedenen Abteilungen des Resorts“ sieht, auch als Fremdenführer. Vor allem Osteuropäer heuern ihren Butler gerne als Guide an, wenn sie einen Ausflug nach Nha Trang unternehmen wollen.
Die A-Promis, die sich in der Anlage die Klinke in die Hand geben, seien da ganz anders. Schauspieler Til Schweiger, Rennfahrer Michael Schumacher, die Hollywood-Stars Brad Pitt und Angelina Jolie, Prinzessin Caroline von Monaco – sie alle waren bereits Gäste im Six Senses Ninh Van Bay – zögen sich eher in die Privatsphäre ihrer Villen zurück und würden es genießen, in dem nur per Boot zu erreichenden Resort einmal nicht im Rampenlicht zu stehen, weiß An aus Erfahrung.
In den zwischen 154 und 271 Quadratmeter großen, offen und luftig gestalteten, aber dennoch vor fremden Blicken geschützten Luxusvillen fällt dies nicht schwer. Großzügige Wohn- und Schlafräume, außergewöhnliche Badezimmer mit Freiluftduschen, puristisches, aber exquisites Interieur, modernste technische Ausstattung, private Zehn-Meter-Pools, Roomservice rund um die Uhr – dem extravaganten Leben sind keine Grenzen gesetzt. Dies gilt in dem Hideaway auch für die nette Cocktaillounge, das feine Restaurant und das idyllische Spa – einer der Schlüssel zu der Six-Senses-Anlage, wo professionelle Hände Wellness-Anwendungen zur Verjüngung und Schönheitsbehandlungen ebenso anbieten wie entspannende Massagen.
Die Gäste in Ninh Van Bay kommen in erster Linie aus dem Land des „Reiseweltmeisters“. Deutsche, Österreicher und Schweizer – meist aus der Altersgruppe der Honeymooner (End-Zwanziger bis Mitt-Dreißiger) und Best Ager (Fünfzig- bis Sechzigjährige) – stellten allein rund 30 Prozent der auf Luxus bedachten Klientel, sagt General Manager Gary Henden im Interview. Dahinter rangierten Briten und Australier. Und neuerdings ist nach seinen Worten auch der osteuropäische Markt stark im Kommen.
Die gleichen Erfahrungen macht auch sein Kollege Nicolas Peth, der General Manager des Schwester-Resorts Evason Ana Mandara auf der Festlandseite direkt in Nha Trang. Auch bei ihm stehen die deutschen Gäste hoch im Kurs – „weil sie am längsten bleiben und immer wieder kommen“, wie er sagt. Bis zu dreiwöchige Aufenthalte seien keine Seltenheit. Um aus diesem Grund neben dem Angebot der beiden hoteleigenen Restaurants noch mehr kulinarische Abwechslung bieten zu können, hat er eine bislang einzigartige Idee in die Tat umgesetzt: Er hat die traditionellen vietnamesischen Suppenküchen in seine Anlage geholt.
Es muss nicht immer Kaviar sein
„Der Anstoß dazu kam eigentlich von den Gästen“, erzählt Peth. Immer wieder sei er gefragt worden, ob vietnamesisches Streetfood bedenkenlos gegessen werden könnte und ob er es empfehlen würde. Er konnte es nicht, „weil bei Speisen außerhalb der Hotels immer ein gewisses Restrisiko besteht“. Da er seinen Gästen die klassische Kost des Landes aber nicht vorenthalten wollte, engagierte er kurzerhand ein gutes Dutzend der Straßenverkäuferinnen für sein Haus. Seitdem kochen die Frauen im Wechsel dreimal pro Woche traditionelle nord-, zentral- und südvietnamesische Gerichte – unter Aufsicht und Qualitätskontrolle der Ana Mandara-Küchenchefs.
An den übrigen Tagen findet man sie draußen in den Straßen von Nha Trang. Und mit etwas Glück begegnet man an ihren mobilen Verkaufsständen auch An, dem Butler von Ninh Van Bay. Nach zehn Tagen Rund-um-die-Uhr-Einsatz hat der nämlich immer sechs Tage frei – „und die verbringe ich natürlich bei meiner Freundin in der Stadt“, sagt er. Dass sich beide dann an den Suppenküchen verköstigen und am liebsten Pho Bo, die traditionelle vietnamesische Nudelsuppe mit Hühner- oder Rindfleisch, essen, steht außer Frage. „Die ist bei uns ebenso beliebt wie in Deutschland die Curry-Wurst“, gibt An den Kenner, grinst und sagt: „Außerdem muss es ja nicht immer Kaviar sein.“
Was man wissen muss
Anreise-Tipp: Vietnam Airlines ist derzeit die einzige Fluggesellschaft, die täglich von Frankfurt nonstop nach Vietnam startet. Fünfmal pro Woche geht es direkt nach Hanoi, dreimal nach Saigon – ab 779 Euro. Zudem sind bei Vietnam Airlines bei Buchung eines Langstreckenfluges zu bestimmten Zeiten zwei kostenlose Inlandsflüge in Vietnam inklusive. Besonders günstig fliegt die Airline auch nach Bangkok, Singapur oder Hongkong. In der Economy Class bezahlt man für diese Ziele ab 539 Euro. Weitere Informationen im Internet auf www.vietnamairlines.com.
Hotel-Info: Bei der TUI-Luxustochter airtours zahlt man für eine Übernachtung in dem Fünf-Sterne-Haus Six Senses Ninh Van Bay inkl. Frühstück ab 189 Euro in einer Hill Top Villa. Eine Woche kostet inkl. Frühstück ab 1134 Euro. Ab einem Aufenthalt von fünf zusammenhängenden Nächten ist für airtours-Gäste Vollpension zum Preis von Halbpension zubuchbar. Ab sieben Nächten gibt es außerdem ein kostenloses Dinner und eine Sunset Cruise. In dem Fünf-Sterne-Hotel Evason Ana Mandara Nha Trang bezahlt man ebenfalls bei airtours für eine Übernachtung inkl. Frühstück ab 66 Euro in einer Garden View Villa. Eine Woche kostet inkl.Frühstück ab 330 Euro. Weitere Informationen im Internet auf www.airtours.de.
Literatur-Tipp: Die „Vietnam Bibel“ kommt aus dem Hause Stefan Loose. Der Reiseführer von A. und M. Markand bietet auf 724 Seiten geballte Informationen. Preis 24,95 Euro. Ganz neu in der 1. Auflage auf dem Markt ist „Unbekanntes Vietnam“ von Barbara Hölz-Fernbach, das bei interconnections in Freiburg erschienen ist. Die Autorin gibt darin ihre Eindrücke von einer Pauschalreise wieder und weiß viel zu erzählen – informativ, amüsant, nett zu lesen. Preis 16,90 Euro.
Info-Tipp: Indochina Services, Steinerstrasse 15A, 81369 München, Tel. (089) 2190986-60, eMail: info@is-eu.com.