Reise & Freizeit 25.07.2012, 16:01 Uhr

Verliebt in Camagüey

Die drittgrößte Stadt in Fidel Castros Reich ist ein Juwel – der Kirchen, der „Tinajones“, der Legenden und der schönen Frauen wegen

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Camagüey ist die Stadt Cubas mit den meisten Kirchen. Foto: Ziegler

Camagüey ist die Stadt Cubas mit den meisten Kirchen. Foto: Ziegler

Von Wolfgang Ziegler, MZ

Die Plaza del Carmen von Camagüey ist eine touristenfreie Zone an diesem Tag. Obwohl Temperaturen um die 25 Grad förmlich einladen zu einem Bummel durch die drittgrößte Stadt Cubas sind die Straßen wie leer gefegt. Ein paar Einheimische palavern vor ihren Häusern, Kinder streifen die Plaza auf dem Weg in die Schule, Hunde streunen durch die Gassen auf der Suche nach Essbarem. Urlauber – in diesem Teil Zentral-Cubas zumeist Globetrotter und Backpacker – sind nicht zu sehen.

Geraldo Garcia-Prada sitzt dennoch geduldig an eine Hauswand gelehnt auf einem hölzernen Hocker, betrachtet still die Bronzefigur vor ihm, die seine Züge trägt und die er schon x-mal gemustert hat. Er wartet – auf Freunde, um mit ihnen Backgammon zu spielen, auf Bekannte, um den neuesten Klatsch zu erfahren, auf Fremde, um ihnen ein bisschen von seiner Stadt zu erzählen. „Buenos“ flüstert er und schenkt sich wie so viele Cubaner das „días“. Und mit dem Finger auf das Standbild deutend, fügt er hinzu: „Soy yo“ – „das bin ich“. Tatsächlich stand der heute 92-jährige Mann Modell für die Skulptur auf der Plaza del Carmen, wo Plastiken Szenen aus dem Alltag Camagüeys wiedergeben. Mit einem Karren voller „Tinajones“ ist er dargestellt, weil die 300 000 Einwohner zählende Universitätsstadt im Herzen Cubas gerade für die bauchigen Tongefäße inselweit bekannt ist. Etwa 18 000 soll es einer jüngsten Zählung nach geben. „Doch Camagüey ist nicht nur die Stadt der Tinajones, sondern auch die Stadt, in der das reinste Spanisch gesprochen wird, die Stadt mit den meisten Kirchen Cubas, die Stadt mit den schönsten Frauen und die Stadt der Legenden“, zählt er voller Stolz auf.

Die Legende von den „Tinajones“

Eine davon rankt sich natürlich um seine „Tinajones“, und die hat der alte Mann vermutlich schon Tausenden von Touristen erzählt: „Jeder Fremde, der Wasser aus den Tongefäßen trinkt, wird sich in Camagüey verlieben und immer wieder zurückkehren.“ Ursprünglich erfüllten die handgearbeiteten, teilweise mannshohen Krüge allerdings einen profanen Zweck. Da die Zentralebene Cubas mit ihren spröden Kalkböden an notorischem Wassermangel litt, begann man im 16. Jahrhundert damit, „Tinajones“ herzustellen und fing darin das Regenwasser auf. Nicht zuletzt deshalb wurde der Reichtum einer Familie damals auch an der Zahl ihrer „Tinajones“ gemessen. Viele der bis heute erhaltenen Exemplare stammen allerdings aus dem 19. Jahrhundert und jene, die auf Plätzen oder in Gärten als Foto-Motive dienen, sind fast allesamt Nachbildungen. Einzig einer der Tonkrüge im Klostergarten der Iglesia de la Soledad, der ältesten und gleichzeitig schönsten Kirche Camagüeys, ist noch ein Original aus dem Jahre 1760.

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