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Mittwoch, 16. August 2017 27° 3

Leichtathletik

1000 Starter und ein Heimspiel für drei

Die Regensburger Gala ist für Maren und Florian Orth die Chance, sich zuhause zu zeigen. Benedikt Huber schielt auf die WM.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Gute Sprinter-Laune garantiert: Im Vorjahr lieferte die Frauen-Staffel im Ziel ein Tänzchen. Foto: Brüssel

Regensburg.Es ist eine Herausforderung und alle Jahre Anfang Juni ein Kraftakt für die Organisatoren. 1000 Starter aus rund 20 Nationen, eine Mixtur aus nationalen Top-Leichtathleten und hoffnungsvollem Nachwuchs auf dem Sprung zu internationalen Meisterschaften, suchen im Universitätsstadion den Vergleich – bei einem Läuferklub wie der LG Telis Finanz Regensburg stets mit einem Schwerpunkt in den Laufdisziplinen.

Für den Verein wird die Sparkassen-Gala trotz all ihrer treuen Sponsoren immer schwerer zu stemmen. In diesem Jahr stand die seit 2006 stets namhaft besetzte Veranstaltung, die mit der Laufnacht am Samstag (ab 18 Uhr) und der Gala am Sonntag (Hauptprogramm ab 14 Uhr) wie seit 2011 zweigeteilt ist, sogar auf der Kippe. Die Meeting-Chefs Kurt Ring und Jochen Schweitzer haben abgespeckt, verzichten zum Beispiel auf einen Livestream und stellen zum Schluss wieder eine Veranstaltung auf die Beine, von der es in Leichtathletik-Deutschland nicht mehr allzuviele gibt.

MZ-Sportreporter Claus Wotruba über den Stellenwert der Sparkassen-Gala.

In den Startlisten ist es in den Tagen davor ein Kommen und Gehen. Ein schneller südafrikanischer Sprinter, der die Regensburger Stadion-Bestleistungen des britischen 200-Meter-Europameisters Adam Gemili von 10,08 Sekunden (2012) oder des deutschen Rekordmannes Julian Reus mit 10,07 Sekunden (2016) vielleicht ins Wanken hätte bringen können, landete am Ende eben doch beim parallel stattfindenden (und lukrativeren) Meeting im niederländischen Hengelo. Dafür meldete der ursprünglich nicht vorgesehene Reus nun doch wieder für Regensburg, wo je nach Windlage von links nach rechts oder von rechts nach links gelaufen wird.

Schnelle Männer bis aus Kuwait

Auch beeindruckend schnelle Frauen aus Uganda über 800 und 5000 Meter sagten ihre Teilnahme dann doch wieder ab genauso wie die verletzte deutsche 400-Meter-Läuferin Sophia Spelmeyer. Dafür stehen auf den Hürdenstrecken über 110 und 400 Meter nach wie vor schnelle Männer aus Kuwait, Saudi-Arabien und Algerien an der Startlinie. Unter dem Strich geht es für einige Läufer auch in Regensburg wieder darum, Richtung Weltmeisterschaft in London (5. bis 13. August) und die nötigen Normen zu schielen.

Lesen Sie hier, welche Regensburger Läufer von der LG Telis Finanz schon bei der Laufnacht im Blickpunkt stehen.

Kurt Ring geht es inzwischen oft viel zu sehr um genau diese Dinge. Seine Zielsetzung für die Sparkassen-Gala ist simpel. „Wir wollen eine flotte, schnelle und wettkampfgerechte Veranstaltung bieten, bei der der Sport im Mittelpunkt steht und nicht irgendwelche Stars und Regeln“, sagt Ring. „Der Zuschauer ist interessiert am Wettkampf. Ich bin überzeugt, dass von 1000 Leuten keiner weiß, wo die Rekorde oder Normen liegen.“ Dabei seien Strecken wie die 800 Meter denkbar einfach: „Die ersten 400 Meter schnell laufen und die zweiten 400 Meter spurten.“

Alles im Blick hat Regensburgs Leichtathletik-Chef Kurt Ring. Foto: Brüssel

Kurt Ring setzt auf die Dynamik der Leichtathletik und einen anderen Reiz als nur Rekorde, Bestleistungen und Normen: „Es sollte um die Plätze eins, zwei und drei gehen – so, wie das ja auch bei den Meisterschaften ist.“

Die Topstarter in den Gala-Disziplinen

  • Sparkassen-Gala am Sonntag:

    Hochsprung (13.30 Frauen, 11.15 Männer): Prominente Starter: Mateusz Przybylko (Bestleistung 2,29 Meter), Tobias Potye (2,20); Jossie Graumann (1,92), Laura Gröll (1,88)

  • 110 Meter Hürden Männer (12.30):

    Abdulaziz Al Mandeel (13,39), Yaqoub Al Youha (13,48, beide Kuwait), Ahmen Al-Moualed (13,68 Saudi-Arabien), Sebastian Barth (13,77)

  • 100 Meter Hürden (14.00):

    Ricarda Lobe (13,01), Franziska Hofmann (13,02)

  • 100 Meter (14.15 Frauen, 14.30 Männer):

    Anna-Lena Freese (11,30), Josefina Elsler (11,33), Nadine Gonska (11,36); Julian Reus (10,01), Aleixo Platini Menga (10,15), Lucas Jakubczyk (10,17)

  • Weitsprung (14.45 M, 16.50 Frauen):

    Maximilian Entholzner (7,92 m), Ivona Dadic (6,49 m)

  • 400 Meter (14.45 F, 15.05 Männer):

  • 800 Meter (15.30 M, 15.45 Frauen):

    Benedikt Huber (1:46,57), Hugo Santacruz (Schweiz, 1:46,68), Nikolaus Franzmair (Österreich, 1:46,78), Patrick Zwicker (1:46,90), Christoph Kessler (1:47,02); Sarah Schmidt (2:01,80)

  • 1500 Meter (16.00 F, 16.15 Männer):

    Elmar Engholm (3:42,10), Tim Hoenig (3:42,16), Stefan Hettich (3:42,27); Maren Orth (4:09,33), Thea Heim (4:10,00), Line Schulz (4:14,66), Julia Kick (4:15,16)

  • 4 x 100 Meter (16.30 F, 16.40 M)400 Meter Hürden

    (16.50 Männer, 17.15 Frauen): Miloud Rahmani (Algerien, 49,64), Saber Boukemouche (Algerien, 50,01), Georg Fleischhauer (50,40), Felix Franz (50,42), Jackie Baumann (56,19)

  • 200 Meter

    (17.30 F, 17.45 Männer): Gonska (22,79), Bianca Williams (22,83); Menga (20,27), Robin Erewa (20,39), Reus (20,39)

  • Laufnacht am Samstag:

    Vorprogramm von 14.30 bis 17.30 Uhr; ab 18 bis circa 22 Uhr 800, 1500, 3000 Hindernis, 3000 und 5000 Meter

Benedikt Huber hat die WM in London im Visier. Foto: Brüssel

Vor allem aber ist die Sparkassen-Gala jedes Jahr wieder auch eine gute Chance, die Protagonisten der LG Telis Finanz ins rechte Licht zu rücken. Vor allem der 800-Meter-Lauf von Benedikt Huber am Sonntag um 15.30 Uhr rückt in das Zentrum des Interesses. Der 28-jährige Oberbayer tingelte schon am Donnerstag per Wohnmobil mit seinem Vater am Steuer ins knapp 600 Kilometer entfernte französische Montbeliard, um sich an der WM-Norm für London zu versuchen. „Das wäre mein Hauptziel und noch eine Nummer größer als die EM“, sagt Huber, der es als Spätberufener 2016 zur kontinentalen Meisterschaft nach Amsterdam geschafft hatte und mehr im Blick hat. „Meinen 26-Stunden-Job habe ich bis zur EM in Berlin im nächsten Jahr verlängert. Und wenn es gut läuft, überlege ich, ob ich noch zwei Jahre weitermache“, sagt Huber, den Olympia 2020 locken würde.

Auch die Team-EM lockt

In Regensburg war Benedikt Huber schon oft am Start. „Beim ersten Mal war der Deal mit Kurt Ring, dass ich, wenn ich Tempomacher spiele, im nächsten Jahr im Hauptprogramm laufen darf“, erzählt Huber. Seit er das blaue Trikot der LG Telis Finanz trägt ist es erst recht „ein besonderes Rennen“, in dem es diesmal auch darum geht, sich für die Team-Europameisterschaften am 24./25. Juni in Frankreich zu empfehlen. „Auch das ist ein Ziel.“

In dieser Saison wartet Huber nach ein „bisserl Problemen“ noch auf die Topzeit. „Passt scho“, kommentiert er die bisherige Topzeit von 1:48,06, muss aber noch deutlich schneller werden für London, wo 1:45,9 gefordert wären. „Rennen und Form waren noch nicht da. Aber ab jetzt kann ich mir das vorstellen“, sagt Huber und hat im Unistadion am Sonntag mit dem bisherigen deutschen Jahresschnellsten Christoph Kessler (1:46,71) einen direkten Konkurrenten zum direkten Duell im Feld. „Mein Heimrennen würde ich gerne gewinnen.“

Florian Orth sucht nach einem Infekt wieder den Anschluss. Foto: Brüssel

Unter anderen Voraussetzungen reisen Florian Orth und seine Frau Maren, ehemals Kock, erstmals als Ehepaar zur Gala an. Florian Orth ist seit dem USA-Gastspiel in Kalifornien vor vier Wochen außer Tritt: Ein Infekt legte ihn lahm. „Wenn ein Leistungssportkörper nach zwei Stockwerken Treppensteigen außer Puste ist, dann ist etwas nicht in Ordnung.“ Die Krankheit ist wohl überstanden, doch wozu es in Regensburg reicht, wird erst vor Ort entschieden. „Vielleicht spiele ich den Tempomacher, vielleicht auch schon bei der Laufnacht am Samstag. Aber auch das mache ich nur, wenn ich auch wirklich helfen kann. Aber ich bin nicht in der Form, in der ich gerne wäre.“

Eine Konkurrentin legt mächtig vor

Maren Orth kommt zu einem „Trainings-Wettkampf-Wochenende ohne Zwang“ zur Sparkassen-Gala. Foto: Brüssel

Auf jeden Fall stehen bei Florian Orth erst einmal die 5000 Meter im Fokus und die deutschen Meisterschaften in Erfurt (8./9. Juli). Auf der Strecke von Maren Orth ließ eine Konkurrentin mehr als aufhorchen: Konstanze Klosterhalfen durchbrach in der Diamond League in Rom in 3:59,30 Minuten über 1500 Meter nicht nur die Vier-Minuten-Schallmauer, sondern lief auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste. „Regensburg wird auch für mich so ein Trainingswettkampf-Wochenende ohne Zwang werden“, sagt sie und erwägt eventuell sogar einen Doppelstart über 800 und 1500 Meter. Florian Orth ergänzt: „Mit gemachten Rennen hat das bei der Gala auch bisher nicht so hingehauen.“

Dennoch gilt auch für die Orths: „Es stand außer Frage, dass wir kommen, uns zeigen und hallo sagen.“

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