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Samstag, 16. Dezember 2017 10

Leichtathletik-WM

1500 Meter: Déjà-Vu für Corinna Harrer

2012 schaffte es die Regensburgerin in London bis ins Olympia-Halbfinale. Viel hat sich nicht geändert, findet sie.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

  • Nachdenklich, kritisch und dennoch Teil der Laufszene: Corinna Harrer Foto: Brüssel

Regensburg.London, 1500 Meter – da war doch was? Klar war da was. Fünf Jahre ist es nun her, dass Corinna Harrer an der gleichen Stelle auf der Laufbahn stand, an der am Montagabend die Kenianerin Kipyegon Weltmeisterin wurde und Hanna Klein Platz elf belegte. Jetzt saß die inzwischen 26-Jährige gemütlich zuhause auf der Couch und hatte „ein gefühltes Déjà-Vu“. Sie sah ein Rennen, das ablief wie Corinna Harrer es von ihren Olympia-Auftritten her kennt – „nur mit anderen Protagonisten“.

Zur Erinnerung: 23 Hundertstel hatten der Läuferin der LG Telis Finanz aus Regensburg 2012 gefehlt, um ins olympische Finale einzuziehen. Dass noch mehr fehlte, kam erst später auf. „Mit dem Thema Doping ging es Ende 2014 los, glaube ich“, sagt Harrer. „Von den ersten neun sind jetzt noch drei übrig, vielleicht sogar nur zwei. Shannon Rowbury, die jetzige Zweite, gehört nämlich zu denen, deren Daten gehackt wurden.“ Daten, die Rückschlüsse zulassen. Insofern hatte Hanna Klein, die überraschend statt Überfliegerin Konstanze Klosterhalfen unter den Top 12 stand (und nur vor Weltrekordlerin Genzebe Dibaba lag), einen Vorteil. „Der Unterschied ist, dass sie das Finale gelaufen ist und ich nicht. Ich sehe mich zwar als Finalistin, aber wie stellt man das dar? Vielleicht kriegt sie in zehn Jahren ihre Medaille, ich sicher nicht.“

Lesen Sie hier: Schon die WM vor zwei Jahren in Peking erlebte Corinna Harrer im Ziespalt.

Nein, arg viel hat sich nicht geändert, in den fünf Jahren von Corinna Harrer zu Hanna Klein. „Es ist das Gleiche wie immer. Es wird nicht hinterfragt, nicht durchleuchtet, auch nicht von den Medien. Irgendwie tut keiner was, auch die nicht, die es könnten.“ Auch die 10 000 Meter hat sie gesehen, „einen Alleingang der Äthiopierin Ayana. Ich bin froh, da nicht gelaufen zu sein. Ich seh alles mit Abstand.“ Genug Begeisterung, um Teil der Szene zu bleiben, ist dennoch da. „Ich weiß, das ist ein wenig schizophren. Aber ich trenne das komplett. Das eine ist meine erste, das andere meine zweite Karriere und Zugabe.“

Und die 1500? „Ein bisschen habe ich damit abgeschlossen. Aber hin und wieder hätte ich Bock, mal zu ballern, wie wir es nennen. Ich werde das nächste Saison ein, zwei Mal probieren. Das brauche ich für mich. Ja, mein Herz hängt ein bisschen dran.“

Denn die 1500 Meter und London sind ja nicht ausschließlich mit schlechten Erinnerungen verknüpft, die erst später alles überlagerten: „Wenn ich in London zuschaue, kommt schon einiges zusammen. Ich will nicht sagen, dass ich sentimental werde, aber das Positive lebt auf und das will ich mir auch bewahren. London ist für mich eines der schönsten Stadien, ein Schmuckkästchen.“

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