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Mittwoch, 22. November 2017 7

Tennis

Beckers Rückkehr ins Rampenlicht

Der Wimbledonsieger wird beim DTB „Head of Tennis“ – obwohl er den Verband einst im Streit verlassen hatte.
Von Robert Semmler und Wolfgang Müller, dpa

Boris Becker wird am Mittwoch als neuer Chef für den gesamten Herren-Bereich vorgestellt. Foto: dpa

Berlin.Wimbledonsieger, Davis-Cup-Triumphator und Privatmann mit vielen Schlagzeilen – das Rampenlicht wird vor allem Boris Becker gehören, wenn der Deutsche Tennis Bund (DTB) den 49-Jährigen am Mittwoch in Frankfurt als neuen Chef für den gesamten Herren-Bereich vorstellen wird. Kaum war der Termin mit einem medialen Rahmen wie zu den ganz großen Tennis-Zeiten bekannt, sickerte durch, was im Römer verkündet werden soll. Becker soll ebenso wie die bisherige Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner für die Damen die neue übergeordnete Position des „Head of Tennis“ übernehmen – und das 18 Jahre nach einem mit Querelen begleiteten Abschied vom DTB.

„Er kann viel bewirken“

„Ich glaube schon, dass er vieles bewirken kann“, sagt der ehemalige DTB-Präsident Georg von Waldenfels. Der Bayer übernahm das Amt kurz vor Weihnachten 1999, nur wenige Tage später war Becker nach nur gut zwei Jahren nicht mehr Teamchef des Davis-Cup-Teams. Vorangegangen waren Streitigkeiten mit Topspieler Nicolas Kiefer und Dirk Hordorff. Der damalige Sportwart ist nun Vizepräsident für Leistungssport und wird wie Verbandschef Ulrich Klaus und Sportdirektor Klaus Eberhard an Beckers Seite sitzen. Der künftige Fed-Cup-Chef Jens Gerlach soll erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden. „Ich glaube, dass sich das damals ziemlich schnell beruhigt hat. Hordorff ist jemand, der Becker sehr schätzt. Beide achten sich“, sagt Waldenfels. Am Rande der verlorenen Davis-Cup-Erstrundenpartie gegen Belgien Anfang Februar unterstrich Hordorff: „Der Deutsche Tennis Bund ist grundsätzlich immer an der Expertise von Boris Becker interessiert.“

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Zweiter Aufschlag

Interessant ist der Zeitpunkt. Boris Beckers Engagement kommt – je nach Blickwinkel – zu spät oder zu früh. Zu spät, als dass der Glanz seiner Ära noch...

Der jetzige Teamchef Michael Kohlmann, dem Becker schon beim Relegationsspiel in Portugal Mitte September übergeordnet sein dürfte, erklärte: „Wenn er seine Hilfe anbietet, wäre der DTB schlecht beraten, ihn nicht irgendwie mit einzubeziehen.“ Waldenfels war bei der Davis-Cup-Partie in Frankfurt anfangs Beckers Nachbar und erinnerte sich: „Es hat nicht lange gedauert, da saß er in der Spielerbox.“ An der unerwarteten Niederlage der Mannschaft mit Top-Talent Alexander Zverev und dessen älterem Bruder Mischa änderte das nichts. Der jüngere Zverev war gerade ein halbes Jahr auf der Welt, als Becker gemeinsam mit Carl-Uwe Steeb Kapitän Niki Pilic als Davis-Cup-Verantwortlichen ablöste. Der schwer getroffene Pilic – immerhin verantwortlich bei den drei deutschen Cup-Triumphen 1988, 1989 und 1993 – warf Becker später vor, als Teamchef gescheitert zu sein und von oben auf die anderen geguckt zu haben.

Die Sache mit den Finanzen

Mit zwei Jahrzehnten mehr Lebenserfahrung und seinem Trainer-Engagement bei Novak Djokovic als Empfehlung kehrt Becker nun zurück. „Er hat sämtliche Stationen im Verband durchlaufen und kann in jedem Bereich seine Erfahrung einbringen“, sagte Steeb am Dienstag. Waldenfels hob die dreijährige Tätigkeit für Djokovic hervor: „Er hat das optimal gemacht und eine Leistung erbracht, um eine Kontinuität und eine Steigerung reinzubringen.“ Davon kann auch der 20-jährige Zverev profitieren. „Sascha ist ein Rohdiamant. Aber einer, der noch geschliffen werden muss“, sagte Becker, der zuletzt wegen seiner Finanzen viel Aufmerksamkeit bekam. Für seine neue Tätigkeit soll Becker, dem Vernehmen nach, nur die Reisekosten ersetzt bekommen.

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