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Fussball

Beim Video-Schiri ist noch der Wurm drin

Am Freitag funktionierte die neue Technik noch beim Bundesligastart. Am Samstag hatte sie dann „massive technische Probleme“.
Von Klaus Bergmann, dpa

Am Samstag stand der Videobeweis bei mehreren Bundesligapartien nicht zur Verfügung. Foto: afp

München.Tobias Stieler verließ die Münchner Fußball-Arena am Freitag kurz vor Mitternacht rundum glücklich. Das Pilotprojekt Videobeweis hatte gleich beim allerersten Einsatz in der Fußball-Bundesliga aus seiner Sicht optimal funktioniert. „Wir Schiris sind nicht perfekt, wir machen Fehler. Und wenn sie dann so korrigiert werden - wunderbar“, lautete das Fazit des 36 Jahre alten Unparteiischen aus Hamburg nach dem 3:1 des FC Bayern gegen Bayer 04 Leverkusen.

Auch der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga bewerteten die Bundesliga-Premiere des Videoassistenten positiv. „Wir sind mit dem Ablauf des Eröffnungsspiels zufrieden“, sagte Hellmut Krug, DFB-Schiedsrichter-Manager und Projektleiter Videoassistent. „Wir kamen bei der Bewertung der relevanten Szenen zu einer schnellen und präzisen Entscheidung“, meinte Krug laut Mitteilung des DFB und der DFL am Samstag. Die intensive Vorbereitung habe sich ausgezahlt.

Hawkeye hatte „massive technische Probleme“

Allerdings: Am Samstag stand der Videobeweis bei den Spielen Hoffenheim - Bremen, Hamburg - Augsburg und Hertha - Stuttgart nicht zur Verfügung. Die DFL gab als Grund massive technische Probleme des Dienstleisters Hawkeye an. Bei Wolfsburg - Dortmund und Mainz - Hannover könne „bei Abseits-Entscheidungen keine kalibrierte Linie erstellt werden“, hieß es in der Mitteilung weiter. Das war schon beim Supercup-Spiel Dortmund - Bayern vor zwei Wochen in der ersten Halbzeit der Fall gewesen.

In der Bundesliga klappte am Freitagabend kurz nach der Pause beim ersten Ernstfall noch alles. Stieler hatte auf dem Spielfeld eine strafbare Handlung des Leverkuseners Charles Aranguiz an Robert Lewandowski nicht eindeutig wahrgenommen. „Ich bin auf dem Ball geblieben und habe mir die Flanke angeschaut. In meinem Rücken wird Lewandowski gehalten“, schilderte Stieler seine Sicht auf die Aktion im Strafraum. „Vom Gefühl her war da was, war es nicht ganz sauber. Aber ein Elfmeter muss für mich hundertprozentig sein.“

Der Kontakt funktioniert über ein Headset

Stieler nahm über sein Headset sofort Kontakt zu Videoassistent Jochen Drees auf, der am Bildschirm in Köln die Szene automatisch überprüfen musste, weil es sich um einen Vorfall im Strafraum handelte. „Wir kamen dann rasend schnell zu der richtigen Erkenntnis, dass ein Haltevergehen vorlag und es Strafstoß für Bayern München geben muss“, berichtete Stieler. Laut DFB dauerte der komplette Vorgang vom Foul bis zum Elfmeterpfiff 36 Sekunden.

„Es war richtig, was der Schiedsrichter gemacht hat“

Hasan Salihamidzic, Sportdirektor des FC Bayern

Die Leverkusener Spieler protestierten kaum, von Bayern-Seite gab es Lob. „Es war richtig, was der Schiedsrichter gemacht hat“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Sein Vorgänger Matthias Sammer äußerte sich in seiner neuen Funktion als Experte beim neuen Bundesligasender Eurosport dagegen skeptisch: „Es war vertretbar. Mein Bauch und mein Fußballerherz sagen mir aber, dass es viele Standardsituationen geben wird, bei denen wir diskutieren werden.“

Hier können Sie nochmals unseren Spielbericht zum ersten Saisonspiel des FC Bayern lesen.

Stieler hat die Technik, die anders als noch beim Supercup perfekt funktionierte, geholfen. Und das neue Teamwork habe funktioniert. „Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat. Wie wäre es denn gewesen ohne Videoassistenten?“ Ihm wäre die Szene während der restlichen Spielzeit nicht aus dem Kopf gegangen, wie er offen zugab. „Und dann wäre ich in die Kabine gekommen und hätte gesagt, ich habe einen klaren Elfmeter übersehen. Das ist genau die Situation, wo der Videoassistent helfen kann, den Fußball gerechter zu machen.“

Überprüfung der Tore verlief unbemerkt ab

Der Helfer am TV-Schirm kann dem Schiedsrichter dessen schwierigen Job etwas erleichtern. Nicht nur die Überprüfung der vier korrekten Tore verlief am Freitagabend schnell und praktisch unbemerkt ab. „Wir wurden sehr gut vorbereitet, wir haben ein Jahr trainiert. Es war schon nahe an der Perfektion, würde ich sagen“, erklärte Stieler: „Es ist eine super Sache für den Fußball und uns Schiedsrichter.“

Lesen Sie außerdem: Nach 344 Bundesliga-Spielen ist für Schiri Stark am Platz Schluss. Er wird Video-Assistent.

Der Unparteiische rechnet auch mit Effekten auf das Verhalten der Spieler. „Ich glaube, dass Schwalben im Strafraum nicht mehr so oft vorkommen werden. Denn klare Schwalben ohne Körperkontakt werden identifiziert“, sagte Stieler. Auch die Reklamationen rund um eine solche Entscheidung könnten abnehmen: „Wenn der Mann im Ohr etwas sagt, kann ich nicht auch noch mit den Spielern sprechen.“

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