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Leichtathletik

Berlin-Marathon: Pflieger muss aufgeben

Olympiasieger Eliud Kipchoge gewinnt erneut. Der Regensburger Pflieger schafft es nach Schwächeanfällen nicht ins Ziel.
Von Ralf Jarkowski und Remo Zellmer, dpa

  • Erneut Sieger des Berlin-Marathons: Eliud Kipchoge. Foto: Bernd von Jutrczenka
  • Die Kenianerin Gladys Cherono aus Kenia freut sich nach ihrem Sieg in Berlin. Foto: Soeren Stache

Berlin.Berlin war so oft zuvor ein gutes Pflaster für Philipp Pflieger gewesen. Bis zu diesem Sonntag. „Bis Kilometer 25 lief es relativ relaxed.“ Dann aber passierte dem 30-jährigen Regensburger Marathonmann von der LG Telis Finanz genau das, was ihm beim Debüt auf der längsten Laufstrecke passiert war. „Der Energiespeicher war leer. Das ist, wie wenn beim Auto das Benzin aus ist“, berichtete Trainer Kurt Ring, der das Drama aus dem Begleitfahrzeug für den besten Deutschen erlebte. „Es war genau an den gleichen Stellen wie damals 2014 in Frankfurt. Und es ging wahnsinnig schnell, innerhalb von zwei Kilometern bei Kilometer 34, als Philipp 20 Sekunden verlor.“ Endgültig Schluss war erst kurz vor Kilometer 40: Bei Nach 2:09:30 Stunden tauschten Ring und Pflieger die Plätze im Begleitfahrezug, nach dem dritten Schwächeanfall war nichts mehr zu machen.

Bis zu seinen Problemen lag Pflieger auf dem gewünschten Kurs. „Er ist ganz toll unterwegs, grandios“, berichtete Olympiasieger Dieter Baumann am ARD-Mikrofon von einer Zielzeit von 2:11:40 Stunden. „Ich wünsche mir, dass er die schwierigen Kilometer durchrutscht.“ Genau das gelang nicht. „Mir wurde schnell kalt. Es war, als hätte mir einer den Stecker gezogen“, analysierte Pflieger in die ARD-Kamera. „Ich habe drei, vier Monate wahnsinnig hart dafür gearbeitet. Und wenn ich nicht sicher gewesen wäre, dass ich eine 11:30 drauf habe, hätte ich das ja nicht gemacht“, verteidigte er auch sein Tempo. „Er war fassungslos und fertig. Das war pures Entsetzen“, sagte Ring. „Aber er hat nichts falsch gemacht. Ich hatte selten so eine ruhige Marathon-Vorbereitung erlebt.“

Lesen Sie hier, was sich Philipp Pflieger vor dem Berlin-Marathon zum Ziel gesetzt hatte.

An der Spitze wurde aus der Jagd nach dem Weltrekord auch nichts. Olympiasieger Eliud Kipchoge (32) aus Kenia musste einen frechen Angriff von Guye Adola kontern und gewann zum zweiten Mal nach 2015. Auf regennassem Asphalt und bei hoher Luftfeuchtigkeit verfehlte er die Bestmarke, den sein Landsmann Dennis Kimetto 2014 in Berlin aufgestellt hatte, um 35 Sekunden. „Das war der schwerste Marathon meines Lebens“, sagte Kipchoge – genau 151 Tage nach seinem Sololauf in 2:00:25 Stunden unter Laborbedingungen in Monza. Zweiter nach 42,195 Kilometern wurde überraschend der Äthiopier Adola in 2:03:46 Stunden vor seinem Landsmann Mosinet Geremew (2:06:09). Noch nie war ein Debütant auf einer rekordkonformen Strecke schneller.

„Ich bin glücklich, dass ich bei diesen schwierigen Bedingungen gewonnen habe. Auch als Adola mir davonlief, war ich noch zuversichtlich“, sagte Kipchoge. „Ich glaube immer noch, dass ich den Weltrekord brechen kann.“ Für den Sieg kassiert er eine Prämie von 40 000 Euro, dazu einen Zeit-Bonus von 30 000 Euro.

Die Spitze passierte die Halbmarathon-Marke bei 61:29 Minuten -–44 Sekunden langsamer, als von Kipchoge „angesagt“. Da war der Weltrekord noch in Sicht. Wenig später konnte Mitfavorit Kenenisa Bekele aus Äthiopien dem hohen Tempo aber nicht mehr folgen. Der hoch gehandelte Wilson Kipsang war bereits bei Kilometer 30 ausgestiegen: 2013 hatte der Kenianer in Berlin noch mit Weltrekord gewonnen. Bekele gab bei Kilometer 36 auf. „So ist der Sport“, kommentierte Kipchoge.

Auf den letzten zwölf Kilometern lieferten sich Kipchoge und der sechs Jahre jüngere Adola ein taktisches Kopf-an-Kopf-Rennen und belauerten sich. Kurz vor Kilometer 37 konnte sich Adola absetzen – doch aus der Sensation wurde nichts. Denn Kipchoge gab nie auf, blieb dran und startete kurz vor Kilometer 41 den entscheidenden Angriff.

Für Anna Hahner lief es bei den Frauen deutlich besser als für Pflieger. Bei ihrem ersten Marathon seit Olympia in Rio kam sie als Fünfte in 2:28:32 Stunden ins Ziel. Damit knackte die 27-Jährige die Norm für die Leichtathletik-EM 2018 in Berlin. Oben drauf gab es 10 000 Euro. „Es war ein Vergnügen heute, ich habe jeden Kilometer genossen. Ich bin total happy“, sagte Anna Hahner. Ihre Zwillingsschwester Lisa war beim Kapstadt-Marathon vor einer Woche ausgestiegen. Als Siegerin in sehr guten 2:20:23 Stunden kassierte auch die Kenianerin Gladys Cherono einen Scheck über 40 000 Euro.

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