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Sonntag, 22. Oktober 2017 12° 7

Tennis

Das besondere Gefühl in Hainsacker

2016 stellte der so manchem unbekannte Ort das beste Herrenteam Bayerns. Am Sonntag beginnt die zweite Zweitliga-Saison.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Tennisspieler, Co-Manager und Koch bei der SpVgg Hainsacker: Claudio Grassi Foto: Brüssel

Hainsacker.In den Sommertagen wird alles anders bei Familie Geldhäuser. Und das seit Jahren. In der Wohnung ist der Platz dann knapp, weil die Personenzahl steigt und Claudio kocht. „Es gibt jeden Tag Spaghetti“, sagt Hans Geldhäuser. „Er hat mir das gelernt. Sie müssen hart sein, weil sie auf dem Teller noch nachziehen.“ Claudio Grassi – das ist einer der Tennisspieler, die bei den Geldhäusers zu Gast sind, wenn die Tennissaison für die erste Herrenmannschaft der SpVgg Hainsacker beginnt und „mein Co-Manager“. Schon dieses Szenario gibt Einblick, wie es läuft in diesen Tagen bei den Geldhäusers.

Ein anderes aus dem „Hotel Geldhäuser“ noch mehr: Die Tochter räumt ihr Zimmer, die Nachbarin stellt eines zur Verfügung, Hans Geldhäuser selbst stellt sein Büro zur Verfügung. Die Regensburger Welt kennt ihn als Kinokneipen-Mann und Mitbetreiber des Ostentor-Kinos. Im Tennis hat Hans Geldhäuser einen Ort auf die Landkarte gebracht, bei dem sich schon jeder Oberpfälzer mit der Zuordnung schwertut: Hainsacker vor den Toren Regensburgs und Teil des Marktes Lappersdorf. Kein bayerisches Herrenteam war 2016 besser als die Geldhäuser-Truppe. Einen Matchpunkt vor Großhesselohe belegte die SpVgg Hainsacker Rang drei – in der 2. Bundesliga Süd! Am Sonntag beginnt beim TSV 1860 Rosenheim Teil zwei der verwunderlichen Erfolgsgeschichte mit acht Spielen meist im Freitag/Sonntag-Rhythmus bis zum 14. August.

Zweite Saison ist die schwerste

„Die zweite Saison ist immer die schwerste“ ist sportartenübergreifend eine alte Weisheit. Hans Geldhäuser weiß das – und auch, dass ein Effekt bestimmt verpufft ist. „Ob wir wieder so schön durchkommen, ist die Frage. Der Status der belächelten Underdog-Mannschaft ist jedenfalls weg. Unterschätzt werden wir nimmer.“ So recht wussten auch die Hainsackerer selbst nicht, auf welche Resonanz ihr Dorfverein stoßen würde in der großen Tenniswelt mit seinen alteingesessenen Teams wie denen aus Reutlingen oder Pforzheim, „die seit 25 Jahren zwischen der ersten und zweiten Liga hin- und hergependelt sind, aber sich inzwischen in der zweiten Liga wohler fühlen“, wie Geldhäuser aus Gesprächen weiß. Von der Ligentagung in Frankfurt brachte er jedoch erstaunliche Erkenntnisse mit. „Wir wurden durchweg als für unsere Möglichkeiten total gute Gastgeber gelobt.“

Der Tenor: Hainsacker sei „mal etwas Anderes“. Ein Center Court? Fehlanzeige am Harreshof. „Aber die Tennisplätze sind gleich groß“, charakterisiert Hans Geldhäuser die fünf Plätze am Harreshof, und man sieht den Teammanager fast durch den Telefonhörer grinsen: „Der Auslauf ist halt ein bisschen kürzer. Da muss man nicht so viel laufen.“ Dafür rennt Geldhäuser umso mehr: Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Ob Hainsacker tatsächlich dauerhaft Zweitligist sein könne? „Schwere Frage“, findet Geldhäuser. „Das ist schon für mich sehr anstrengend. Seit zwei Monaten verbringe ich die Vormittage stundenlang damit. Für jemanden mit einem normalen Beruf, der nicht erst am späten Nachmittag beginnt wie ich, wäre das schwierig.“

Eine Frage der Finanzen ist die zweite Liga indes nicht. „Der Etat ist ziemlich ähnlich zur Regionalliga“, sagt Geldhäuser. Die SpVgg Hainsacker gönnt sich wenig Aufwändiges und freut sich über Fortschritte wie heuer. „Mit Katharina Tausch haben wir das erste Mal eine Masseurin. Und ich habe einen Sponsor für Essen und Getränke gefunden“, berichtet Geldhäuser. Ansonsten lebt das Team seit Jahren von einem speziellen Ambiente. „Die sind alle am Boden geblieben und in einer späteren Phase ihrer Karriere“, sagt Geldhäuser. „Ich schaffe es auch, sie aus dem Turnierzirkus rauszuhalten. Wir versuchen jeden Tag zu trainieren und am Wochenende wird dann gespielt. Vielleicht ist das einer unserer Vorteile.“

Der Unterschied zur Regionalliga ist nach einem Jahr zweite Liga durchaus offensichtlich geworden. „In der Regionalliga sind die Nummern eins bis drei super, in der zweiten Liga geht das runter bis zur Nummer sechs. Auch die Leute auf den hinteren Positionen könnten in der Regionalliga an eins und zwei spielen“, erklärt Geldhäuser seine Sicht. „Wir fahren jetzt auch immer zu siebt. Das haben wir in der Regionalliga nicht gemacht.“

Ein Zucken vor dem Fernseher

Dennoch: Mit Blick auf die Konkurrenz ist und bleibt die kleine SpVgg Hainsacker der große Außenseiter. „Bei dem, was anderswo rumläuft, müssten wir Letzter werden.“ Einer wie Florian Mayer in Großhesselohe etwa, das heuer aufsteigen will, wie Geldhäuser erfahren hat. Dort spielt sein Team übrigens am letzten Spieltag. Und in Wimbledon zuckte Hans Geldhäuser zusammen, als der Sky-Reporter bei der Liveübertragung von Sebastian Ofners Drittrunden-Match gegen Alex Zverev die Frage aufwarf, ob der Österreicher nun wohl gegen die SpVgg Hainsacker spielen werde. Hintergrund: Ofner ist an der zweiten Position beim ersten SpVgg-Gegner Rosenheim gemeldet.

Dennoch: Die Aufregung vor Jahr zwei ist in Hainsacker nicht mehr so groß wie vor dem Debüt. „Wir hatten letztens ein Briefing mit allen Helfern“, erzählt Geldhäuser vom Treffen mit der so wichtigen Crew. „Vor einem Jahr haben noch alle gefragt: Ooh, was müssen wir machen? Dieses Mal waren alle gelassen und sagten: Ach, das wissen wir schon.“ Auch sein Team mit den Neuzugängen Ivan Endara (Ecuador) und den Italienern Alessandro Petrone und Giorgio Ricca sieht er gut gerüstet. „Wir haben uns an Position zwei, drei verstärkt. Wenn alles normal läuft, will ich mit neun Leuten durchkommen und das Aufgebot so eng wie möglich halten.“

Das stärkt das besondere Teamgefühl in Hainsacker. „Es ist ein Gefüge da und wir suchen Spieler, die sich in der Familie wohlfühlen – und vielleicht deswegen mehr abrufen.“ Dann lohnt sich eben auch, dass alles ein bisschen anders ist in diesen Sommertagen bei Familie Geldhäuser.

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