mz_logo

Sport
Samstag, 25. November 2017 13° 3

Sicherheit

Das Ziel: Die Löwen im Zaum halten

Seligenporten gegen 1860: Für den Dorfverein bedeutet das Hochsicherheitsspiel einen Riesenaufwand mit einem gewissen Risiko.
Von Bernhard Neumayer, MZ

In Memmingen blieb alles friedlich im Gästekäfig. 1860 gewann das Spiel souverän. Foto: Eibner

Seligenporten.Der Abgang aus der 2. Liga war erschreckend. Ein paar wenige Chaoten warfen während des Spiels gegen Jahn Regensburg die grauen Sitze der Allianz Arena auf das Spielfeld. Diese Bilder haben nicht nur Fans des TSV 1860 München im Kopf, wenn sie an den 30. Mai denken. Abstieg, Chaos, Neuanfang – und der ist in der Regionalliga Bayern mehr als geglückt. Die Fans sind friedlich, das Team von Trainer Daniel Bierofka erfolgreich. Doch für kleine Dorfvereine bedeutet das Spiel gegen den Tabellenführer einen enormen Aufwand.

Am Samstag empfängt das 1400-Einwohner-Dorf Seligenporten die Münchner. Für den Sportverein aus dem Landkreis Neumarkt ein erheblicher Aufwand.

Das gesamte Sportgelände musste eingezäunt werden. Foto: Weller

„Wir haben für dieses Spiel Mehrkosten zwischen 10 000 und 15 000 Euro“, sagt der geschäftsführende erste Vorstand des SV Seligenporten, Markus Turinsky. Das gesamte Sportgelände müsse mit insgesamt etwa 1000 Meter Bauzaun umzäunt werden. 50 professionelle Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, 200 Polizeikräfte und 40 Ordner seien beim Hochsicherheitsspiel im Einsatz. Zudem regle die Feuerwehr den Verkehr. „Normalerweise haben wir bei einem Regionalliga-Spiel acht statt 40 Ordner“, verdeutlicht Turinsky die Dimensionen.

Polizei hat Respekt vor Löwen-Fans

Auch das Polizeiaufgebot ist „erheblich höher“ als bei normalen Heimspielen des SVS, wie Bernhard Kölbl auf Nachfrage unseres Medienhauses sagt. Der Sachbearbeiter Einsatz bei der Polizeiinspektion Neumarkt ist in die Planung des Spiels involviert gewesen. Er weiß, wie gefährlich manche Löwen-Fans sein können: „Der Verein 1860 hat den Ruf, dass er Ultras mitbringt, die problematisch sind.“ Bei den bisherigen Auswärtsspielen der Münchner in Memmingen, Buchbach und Schalding-Heining habe aber alles gut funktioniert. Um die Sicherheit auch in Seligenporten sicherzustellen, gebe es Einlasskontrollen an allen drei Stadioneingängen und eine polizeiliche Begleitung für die 1860-Ultras vom Parkplatz zur MARena.

„Vom BFV kommt aber null Unterstützung. Er schreibt nur vor, was alles zu erfüllen ist.“

Markus Turinsky

Im Stadion werden rund 300 Münchner im Block C, dem eingezäunten Gästebereich, stehen. „Insgesamt hatten wir ein Kontingent von 3400 Karten“, sagt Turinsky. Alle sind weg. Das Hochsicherheitsspiel ist restlos ausverkauft. „Ohne Karte zum Gelände zu kommen, macht keinen Sinn.“ Um die Mehrkosten finanziell aufzufangen, hat der Verein die Eintrittspreise für das 1860-Spiel erhöht. Ein Sitzplatz kostet 20 Euro, ein Stehplatz 13. Der Besuch eines normalen Regionalligaspiels kostet den Vollzahler zehn Euro – egal ob Sitz- oder Stehplatz.

Hier werden die 1860-Ultras stehen. Foto: Weller

„Ich habe aber noch keine einzige kritische Fanstimme gehört“, betont Turinsky im Hinblick auf die erhöhten Preise. Irgendwie müssen Sicherheit, Verpflegung und Personal ja bezahlt werden. 47 700 Euro nimmt der SVS allein durch den Kartenverkauf ein.

Turinsky freut sich auf das Spektakel. Angst vor Ausschreitungen hat er nicht. Dass die Löwen-Fans auch ganz zahm sein können, haben sie bei den bisherigen Auswärtsauftritten in der Regionalliga gezeigt.

So schlug sich der SVS in der bisherigen Regionalliga-Saison. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie:

Der SV Seligenporten in der Regionalliga 2017/18

Dennoch waren zwei Besprechungen in Seligenporten nötig, um alles perfekt zu organisieren und für Sicherheit zu sorgen. Polizei, Sicherheitsdienst, Vertreter der Gemeinde, der Verein und Ansprechpartner des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) waren im Juli und August im Klosterdorf. „Vom BFV kommt aber null Unterstützung. Er schreibt nur vor, was alles zu erfüllen ist“, schimpft Turinsky. Auf Nachfrage unseres Medienhauses zählt ein Sprecher der BFV-Pressestelle auf, wie der Verband die Vereine unterstützen will: „Es gibt vor jedem Auswärtsspiel der Münchner einen Vororttermin, einen Spiel- und Medienbeauftragten sowie eine Sicherheitsaufsicht im Stadion.“

SV Seligenporten

  • Ort:

    Seligenporten ist ein Ortsteil des Marktes Pyrbaum im Landkreis Neumarkt. Das Dorf hat rund 1000 Einwohner.

  • Verein:

    Das Aushängeschild des Sportvereins Seligenporten ist die Fußballabteilung.

  • Pokal:

    Vor zehn Jahren verloren die Klosterer in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Arminia Bielefeld 0:2.

  • Aufstieg:

    2012 stieg der SVS in die Regionalliga Bayern auf.

  • Test:

    Höhepunkt war in diesem Jahr das Vorbereitungsspiel des FC Bayern München im Klosterdorf.

  • Abstieg:

    2015 stieg Seligenporten in die Bayernliga ab, um im kommenden Jahr sofort wieder aufzusteigen. (bn)

Für den Markt Pyrbaum, zu dem Seligenporten zählt, ist das Spiel der Saison kein großer Aufwand, wie Gottfried Meier sagt. Der Leiter des Ordnungsamtes des Markts Pyrbaum war bei beiden Sicherheitsgesprächen vor Ort. Der Bauhof stellt Straßenschilder auf. Die Gemeinde muss als Ordnungsbehörde einen Genehmigungsbescheid erlassen, weil über 1000 Personen an der Veranstaltung teilnehmen werden. „Darin stehen die besprochenen Auflagen, an die sich der Verein halten muss“, erklärt Meier. Beispielsweise ist festgeschrieben, wie viele Personen in die Blöcke dürfen und welche Eingänge benutzt werden sollen.

Erfahrung mit großen Events

Während des Spiels ist Richard Forster, der Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit im Markt Pyrbaum, als Sicherheitsbeauftragter im Einsatz. „Wenn etwas passieren sollte, berät ein Krisenstab, was zu tun ist“, sagt Meier. Forster vertritt die Gemeinde im Krisenstab, zudem sind Verantwortliche des SVS, der Polizei, des Sicherheitsdienstes und des BFV in der Gruppe.

Ein Highlight des SVS: Das Testspiel gegen den FC Bayern München Foto: Schlittenbauer

Meier wirkt sehr entspannt, als er am Telefon über das anstehende Hochsicherheitsspiel spricht. „Das große Plus des SV Seligenporten ist die Erfahrung mit solchen Events“, sagt er. Im Oktober 2014 fand im Kloster das U 16-Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich statt. In der Saison 2007/08 spielte der SVS im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld. In der Sommervorbereitung 2012 kam sogar der große FC Bayern im beschaulichen Seligenporten vorbei.

Doch ein Teil der Sechzig-Fans sei ein anderes Kaliber, findet Meier. Auch er erinnert sich noch an das Relegationsrückspiel der Sechziger gegen den Jahn. Die Bilder der grauen Sitzschalen auf dem Spielfeld hat er noch im Kopf. „Man weiß ja nicht, ob das Spiel für die Löwen bei uns gut ausgeht und wie die Ultras dann reagieren“, sagt er – und hofft trotzdem auf eine echte Sensation der Klosterer gegen die großen Münchner.

Lesen Sie hier: Weil 1860 München abstieg, ergab sich für den SVS vergangene Saison noch die Gelegenheit, die Regionalliga zu halten.

Hier lesen Sie sich, wie sich der SVS am Mittwoch im Pokal schlug.

Mehr Sport lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht