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Sport
Samstag, 18. November 2017 5

Interview

Röhrl – der Jugend (k)ein Vorbild

Seine ersten Versuche im Auto machte Walter Röhrl mit neun. Noch heute hat die StVO für ihn mehr Empfehlungscharakter.
Von Katharina Eichinger, Philipp Froschhammer und Julia Weidner, MZ

Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl achtet auf die Umwelt. Wenn er mit dem Auto unterwegs ist, hat er aber kein schlechtes Gewissen. Foto: obs/dpa

Herr Röhrl, erinnern Sie sich an Ihre erste Fahrstunde?

Das war 1964 in der Fahrschule Grashuber. Der Herr Grashuber, war damals eine Autorität in dem Bereich. Als wir in einem VW Käfer losgefahren sind, meinte er nach 500 Metern: „Aha, wieder ein Schwarzfahrer...“

Schwarzfahrer?

Weil ich davor natürlich schon Auto gefahren war. Das erste Mal mit neun Jahren. Mein Vater und ich sind damals zu einem Steinbruch gefahren. Er hat 500 Meter entfernt geparkt. Plötzlich kam sein Wagen – scheinbar ohne Fahrer – angerollt. Ich konnte ja kaum übers Armaturenbrett schauen. Ohne Abwürgen habe ich das damals geschafft. Von dem Moment an durfte ich immer auf unserem Hof fahren.

Fahren ohne Führerschein!

Christian Geistdörfer und Walter Röhrl (v.l.n.r)wurden 1982 Rallye-Weltmeister. Foto: obs/Adam Opel AG

Ich mache noch heute manchmal meine eigenen Gesetze. Da kann 80 stehen und ich fahre 60, da kann aber auch 80 stehen und ich fahre 140. Weil ich sag: Ich bin derjenige, der weiß, wie es geht. Warum soll ich die Umwelt belasten und von 140 runterbremsen, wenn es nicht sein muss? Das nehme ich mir schon raus.

Im Video sehen sie Walter Röhrl in unserem Medienhaus beim Interview:

Drei Fragen an Rallye-Legende Walter Röhrl

Und Ihre Vorbildfunktion?

Ich darf halt nichts machen, wobei ich erwischt werde.

Das heißt, sobald keiner hinsieht, ist es okay?

Ich fahr nur schnell, wenn ich mir ganz sicher bin: kein Mensch und kein Auto weit und breit. Das hat gut funktioniert bis jetzt.

Rallye-Legende Walter Röhrl

  • Reputation:

    Walter Röhrl gehört zu den herausragenden Rallye-Fahrern der Motorsportgeschichte. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda nannte ihn einst „Genie auf Rädern“. In Italien wurde er zum „Rallye-Fahrer des Jahrhunderts“ gewählt, eine Jury aus 100 Motorsport-Experten aus der ganzen Welt kürte ihn einst zum „besten Rallye- Fahrer aller Zeiten“. In Frankreich erkoren ihn seine Kollegen zum „Rallye-Fahrer des Millenniums“.

  • Erfolge:

    Walter Röhrl ist zweifacher Rallye-Weltmeister (1980, 1982) und feierte insgesamt 14 Siege bei WM-Läufen. Er gewann viermal die Rallye in Monte Carlo. Röhrl war auch bei Rundstreckenrennen erfolgreich und hätte durchaus eine Formel1-Karriere einschlagen können. Der Regensburger lehnte ab und blieb in erster Linie der Rallye-Klasse treu. Röhrl erhielt neben zahlreichen anderen Auszeichnungen 2011 den Bayerischen Sportpreis für sein Lebenswerk.

  • Teams und Wegbegleiter:

    Röhrl war für viele Teams im Einsatz. Der Regensburger fuhr für Opel, Fiat, Porsche, Lancia und Audi. Sein Regensburger Freund Herbert Marecek gilt als sein Entdecker und großer Förderer. Er war auch Röhrls erster Beifahrer. Die Rennsportlegende arbeitete daraufhin mit mehreren Co-Piloten zusammen. Seine erfolgreichsten Jahre hatte Röhrl mit Christian Geistdörfer. Mit ihm feierte er unter anderem seine zwei Weltmeisterschaften. (sb/jh)

Unser Kollege ist mal bei Ihnen mitgefahren. Der hat ganz schön Angst bekommen.

1980 in der MZ-Redaktion nach dem ersten Sieg von Walter Röhrl in Monte Carlo. Foto: MZ-Archiv

Wenn ich mit normalen Menschen vorschriftsmäßig fahre, sagen sie: „Der Röhrl ist wirklich schon alt, der fährt wie meine Großmutter.“ Wenn ich aber so fahre, dass es aus meiner Sicht absolut sicher ist, wird es halt ein bisschen schneller. Für einen normalen Menschen ist es unverständlich, was mit einem Auto geht.

Ich fahre nur schnell, wenn ich mir ganz sicher bin.

Hat die Straßenverkehrsordnung also keinen Sinn?

Doch. Aber Gesetze müssen für die Dümmsten gemacht werden. Der Gesetzgeber muss die Dummköpfe schützen. Ich fahre immer mit Bedacht und Voraussicht. Nur wenn man so eine Einstellung hat, kann man 50 Jahre unfallfrei überstehen. Dass ich keinen Punkt in Flensburg habe, zeigt, dass ich mich im Großen und Ganzen benehme.

Kein Punkt oder noch nie ein Punkt?

Ich habe in meinem ganzen Leben nur einen Punkt gehabt.

Was ist da passiert?

Walter Röhrl war zu Gast in unserem Medienhaus und gab mehrere Exklusivinterviews. Foto: Schröpf

Ich bin mit 73 km/h geblitzt worden. Als ich mitten in der Nacht heimgefahren bin, stand in einer Ortschaft kurz vor St. Englmar ein Polizist mit einer Radarpistole. Er hat gesagt: „Sie wollte ich schon immer mal kennenlernen.“ Und ich: „Aber ich Sie nicht!“

Haben Sie daraus gelernt?

Ja. Ich bin jetzt noch vorsichtiger – aber mit Widerwillen. Jetzt bremse ich das Auto bei der Ortstafel auf 50 ab. Was natürlich nicht zuträglich ist für den Umweltschutz.

Ein Rallye-Fahrer ist ohne Beifahrer nur die Hälfte wert. Walter Röhrl spricht zu seinem 70. über seine Co-Piloten.

Sie sprechen schon zum zweiten Mal die Umwelt an. Sie fahren doch Oldtimer.

Ich überlege mir grundsätzlich, ob ich Autofahren muss oder nicht. Wenn ich nicht muss, fahre ich mit dem Fahrrad. Wenn ich dienstlich oder mit Oldtimern unterwegs bin, dann genieße ich das Autofahren und habe nicht den geringsten Anflug von schlechtem Gewissen.

Wenn ich dienstlich oder mit Oldtimern unterwegs bin, dann genieße ich das Autofahren und habe nicht den geringsten Anflug von schlechtem Gewissen.

Ist es aus umweltethischer Sicht vertretbar, Rallyes zu fahren?

Auf jeden Fall. Der Rallyesport hat zur beschleunigten Entwicklung der Automobile beigetragen - auch was den Verbrauch betrifft. 1965 habe ich mit meinem Käfer mit 34 PS zehn Liter (Anmerkung der Redaktion: auf 100 Kilometer) gebraucht. Das schaffe ich heute mit einem Auto mit 550 PS. Da sehen Sie, was dieser Sport auch umwelttechnisch bewegt hat. Auch vom Sicherheitsgurt über Gürtelreifen, ABS bis hin zu Scheibenbremsen - all das wurde durch den Fortschritt des Rallyesports kreiert. Durch den Sport müssen die Hersteller Neuerungen regelrecht im Zeitraffer entwickeln.

Automarken, die Sie zum Teil noch heute vertreten, sind in den Abgasskandal verwickelt. Wie haben Sie reagiert, als das publik wurde?

Walter Röhrl (links) im März 2011 im Gespräch mit dem vierfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (rechts). Foto: dpa

Das Dumme ist, dass man nur einen erwischt hat. Die anderen haben genauso betrogen. Überrascht hat es mich aber nicht. Das Gute ist, dass jetzt alle Automarken nicht mehr nur auf den Profit schauen können, sondern auch auf die Umwelt. Durch die neuen Prüfverfahren wird kein Weg mehr daran vorbeiführen, saubere Autos zu bauen.

Haben Sie schon mal ein Elektro-Auto getestet?

Ja.

Im Video gewährt Walter Röhrl einen Einblick in seine Garage:

Rallye-Legende Walter Röhrl wird 70

Wie stehen Sie dazu?

Da krieg ich einen Lachkrampf. Mein Weg zur Arbeit nach Stuttgart sind 400 Kilometer. Wenn ich ein Elektroauto fahren würde, würde ich nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung stehen, weil ich die ganze Zeit rumstehen und das Auto nachladen müsste. Für mich kommt das nicht in Frage, ein E-Auto macht nur Sinn in der Stadt – und da fährt man mit dem Fahrrad.

Die Regensburger Rallye-Legende Walter Röhrl wird heute 70 Jahre alt. Doch als Testfahrer für Porsche gibt er weiter Vollgas. Lesen Sie hier ein weiteres Interview mit Röhrl.

Und wie ist es vom Fahrspaß her?

Christian Geistdörfer (v.l.n.r.) und Walter Röhrl bei der Siegerehrung der Rallye Monte Carlo 1984. Foto: Mc Klein/Gruppe B Film

Das geht von unten raus richtig gut. Die Elektromotoren haben ein viel besseres Drehmoment als normale Autos. Du fährst los und hast sofort volle Leistung. Allerdings gibt es ein Problem, sobald ich schnell fahren möchte, zum Beispiel mit einem Tesla.

Wieso?

Da fahre ich eine Runde schnell und dann sagt mir das Auto: „System überhitzt, halbe Leistung“. Dafür kauf ich mir ein Auto mit 500 PS, das nach fünf Kilometern sagt, dass es auf halber Leistung fährt. Bin begeistert.

500 Pferde trinken einfach mehr als eins.

Wie kommen Sie heute nach Hause?

Mit meinem Porsche Panamera Turbo mit bescheidenen 550 PS. Wenn ich auf der Landstraße so fahre, wie es sich gehört, verbraucht er 9,6 Liter. Wenn ich auf der Rennstrecke Vollgas gebe, sind es 50 Liter. Das ist aber in Ordnung, 500 Pferde trinken einfach mehr als eins.

Wie lange brauchen Sie mit ihrem Porsche bis nach St. Englmar?

Bei dichtem Verkehr brauche ich eine Stunde, heute früh bin ich 42 Minuten gefahren.

Google sagt man braucht 54 Minuten.

Klar, ich war sportlich unterwegs.

Hier sehen Sie Walter Röhrl und Christian Geistdörfer bei der Arbeit:

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