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Sport
Sonntag, 11. Dezember 2016 2

Hilfsmittel

Der Videobeweis hält Einzug im Fußball

Die Regelhüter geben grünes Licht für eine Testphase in einigen Ligen. Außerdem schwächen sie die Dreifachbestrafung ab.

Ein Schiedsrichter soll sich die Bilder ansehen und strittige Szenen prüfen. Foto: dpa

Cardiff. Wegweisende Entscheidung für den Fußball: Mehrere Fußballligen sollen über zwei Jahre den Videobeweis während des Spiels als Hilfe für Schiedsrichter ausprobieren. Die Praxistests werden spätestens mit der übernächsten Saison beginnen, wie das International Football Association Board (IFAB), die obersten Regelhüter, am Samstag in Cardiff mitteilte.

„Heute haben wir wirklich eine historische Entscheidung für den Fußball getroffen“, sagte der neu gewählte Fifa-Präsident Gianni Infantino. Welche Ligen am Versuch teilnehmen, ist noch nicht entschieden. Die Bundesliga hat sich beworben.

Eine Änderung wird es auch bei der sogenannten Dreifachbestrafung nach Notbremsen im Strafraum geben. Wie Infantino erklärte, soll ein Abwehrspieler oder Torwart künftig nur eine Gelbe Karte bekommen, wenn sein Foul „ehrlich“ der Balleroberung dienen sollte. Einen Strafstoß für die angreifende Mannschaft gibt es weiterhin. In allen anderen Fällen bekommt der Spieler weiterhin eine Rote Karte inklusive Sperre und Elfmeter für die angreifende Mannschaft. Dies soll probeweise bereits von ab Juni an gelten und damit schon für die Europameisterschaft.

Fifa-Boss Gianni Infantino bei der IFAB-Pressekonferenz. Foto: afp

„Das ist ein guter Tag für den Fußball“, sagte Ex-Schiedsrichter Markus Merk dem Sender „Sky“. Nach dem Willen des achtköpfigen Gremiums, das über die Fußballregeln bestimmt, wird der Videobeweis lediglich als Hilfe für den Schiedsrichter dienen, nicht als Eingreifmöglichkeit für Trainer.

Für vier Fälle vorgesehen

Die technische Unterstützung ist für vier Fälle vorgesehen: Tore, Entscheidungen über Strafstöße, direkte Rote Karten und Verwechslung von bestraften Spielern. „Es geht um entscheidende Situationen“, betonte Infantino, der Spielfluss sei sehr wichtig.

Anders als im Januar angedacht, soll es nur eine Art von Experiment geben, bei dem ein Assistenzschiedsrichter sich die Videobilder anschaut und entweder eine Szene auf Bitten des Schiedsrichters prüft oder sich aktiv an diesen wendet, wenn der Unparteiische auf dem Platz etwas übersehen hat.

„Idealerweise würde der Schiedsrichter das Material direkt sehen“, sagte Jonathan Ford vom walisischen Fußballverband. So weit sei die Technologie aber noch nicht.

Der Generalsekretär des schottischen Fußball-Verbandes Stewart Regan, betonte, dass es darum ginge, den Schiedsrichtern bei Entscheidungen zu helfen und nicht, den Trainern Einspruchschancen zu ermöglichen. Dies hatte unter anderem Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angeregt.

36 Kameras

Ein „einschränkender Faktor“ für die praktische Anwendung des Videobeweises werde die Zahl der Kameras im Stadion sein, sagte der Geschäftsführer des englischen Fußballverbands FA, Martin Glenn. „Wir bestehen darauf, dass es 36 sind.“ Die Ergebnisse sollen von einer Universität wissenschaftlich ausgewertet werden, die noch nicht ausgesucht ist. Eingeführt werde der Videobeweis nur, wenn er sich als Hilfe für die Schiedsrichter erweise, betonte Infantino.

Insgesamt zwölf nationale Ligen und eine Konföderation hatten sich beim IFAB bisher als Tester beworben. „Eine Handvoll“ soll schließlich anfangen. Zu den Bewerbern gehört auch die Bundesliga. „Auf DFL-Seite sind wir natürlich sehr zufrieden mit dieser Entscheidung“, teilte DFL-Direktor Ansgar Schwenken mit. Die Liga werde sich mit dem DFB „sehr aktiv“ in die Testphase einbringen.

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