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Samstag, 23. September 2017 21° 3

Eishockey-WM

Ehrenvolles Aus, trügerisches Ergebnis

Zu Kanada fehlte viel mehr, als es das 1:2 sagt. Wer jetzt Weltmeister wird? DEB-Präsident Franz Reindl glaubt: die Russen.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

48 von 50 Schüssen hielt Philipp Grubauer: Der deutsche Torwart lieferte gegen Kanada eine perfekte Bewerbung für einen Nummer-eins-Job in der NHL ab. Foto: dpa

Regensburg.Philipp Grubauer musste durchschnaufen. Durfte er auch: Wer 48 von 50 Schüssen pariert, der ist ein Torwart, der Paraden im Akkord geliefert hat. Aber diese Frage, puuuh: „Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.“ Der Unterschied zu Kanada, dem Weltmeister, Olympiasieger und Weltranglistenersten ist aber auch nicht leicht zu erklären: „Die eigene Zone, das Offensivprogramm“, sagt Grubauer. „Da kannst du halt auch nicht gegen Kanada gewinnen, wenn du von der roten oder blauen Linie schießt.“

Es klang fast schon so, als hätte es eine Abfuhr gegeben. Gar nicht: Doch das von den Fans gefeierte 1:2 (0:1, 0:1, 1:0) mit einem sogar gewonnenen Schlussdrittel war ein trügerisches, fast verlogenes Ergebnis. Kanada fühlte sich nach dem 2:0 von Jeff Skinner (39.) fast zu sicher und hatte übrigens 20:1-Schüsse im zweiten Abschnitt – die Zahl war eher aussagekräftig. „Zu viel und zu lange“ hatte Bundestrainer Marco Sturm Respekt gesehen. „Aus solchen Niederlagen lernen wir.“

Deutschland kann nicht Eishockey-Weltmeister werden: Aber auch so kann eine WM ein Erfolg sein, sagt unser WM-Beobachter Claus Wotruba.

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Kanadas Druck reichte nicht für das dritte Tor, vielleicht fehlte aber auch die allerletzte Entschlossenheit respektive Einsicht, dass diese notwendig ist. Das hätte sich rächen können, wenn mehr als das deutsche Unterzahltor von Yannic Seidenberg zum Anschluss (54.) herausgekommen wäre. Weil es aber beim Konjunktiv blieb, kehrte Kanadas Teammanager Jon Cooper flott im nordamerikanischen rosaroten Denkstil das Positive heraus: „Wir haben das Spiel wirklich kontrolliert. Das zeigt, wie wir als Team gewachsen sind.“

Gefühltes Endspiel im Halbfinale

Sein Team wird noch mal wachsen müssen. Denn im gefühlten Endspiel im Halbfinale ist Russland am Samstagabend (19.15 Uhr, davor spielen um 15.15 Uhr im Skandinavier-Duell die Schweden gegen die Finnen) eine ganz andere Hausnummer. Cooper weiß: „Man muss nur auf die Geschichte schauen, dann weiß man, dass dieses Duell eine große Sache ist.“

DEB-Präsident Franz Reindl hält den Rekordweltmeister für den Favoriten: „Wenn die Russen noch ein bisschen effektiver werden vor dem Tor, dann werden sie Weltmeister. Das ist ein Sturmlauf, der ist gewaltig.“ Bundestrainer Marco Sturm hält sich bedeckter: „Unter den vier, die noch dabei sind, kann man losen“, sagt er und ergänzt mit Blick auf die Ticket- und Stimmungskönige von Köln: „Vielleicht hat Russland jetzt ein bisschen den Heimvorteil.“

Die Geschichte aller WM-Turniere auf deutschem Boden seit 1930 finden Sie hier.

Und was passiert mit Deutschland? Philipp Grubauer (bisher Washington) denkt nach seinem perfekten Bewerbungsspiel als künftige Nummer eins eines NHL-Klubs entsprechend ambitioniert. „Nächstes Jahr wäre es mal schön, wenn mehr drin wäre.“ Marco Sturm, der noch einen Vertrag bis 2018 hat („Ich bin für alles offen, aber das ist viel zu weit weg“) findet erst einmal das nächste Jahr mit Olympia und Weltmeisterschaft interessant genug. „Ich freue mich darauf.“

Zwei Säulen brechen bald weg

Marco Sturm weiß aber auch, dass so manche Säule wegbricht – vor allem in der Abwehr. „Wenn man sieht, was ein Seidenberg und Ehrhoff spielen, dann ist das enorm“, sagt er über den 35- bzw. 34-Jährigen. „Die hatten 20, 25 Minuten und sind immer besser geworden. Da kann sich der eine oder andere was abschauen.“ Das wird dauern. Bis zur nächsten Heim-WM ist noch Zeit. Wann die sein könnte? 2026, passend zum DEB-Programm „Powerplay 2026“? „Wäre eine Idee“, sagt Präsident Reindl. „Aber diesmal wird das eher länger dauern. Elf, zwölf Jahre.“

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