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Mittwoch, 16. August 2017 27° 3

Leichtathletik

Ein alter Hase und zwei junge Laufhelden

Philipp Pflieger macht Tempo. Miriam Dattke will einen Makel tilgen. Simon Boch ist Regensburgs Aufsteiger der Saison.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Flutlicht-Atmosphäre im Unistadion: Wenn die Läufer an einem lauen Sommerabend über 5000 Meter ihre Runden drehen, rundet das das Flair einer Laufnacht ab. Foto: Brüssel

Regensburg.Bevor es losging, schritt Philipp Pflieger noch einmal die Startlinie ab und schärfte allen ein, weswegen er denn nun in diesem Rennen mitmischt. „Wir machen das Tempo schon so, dass es passt.“ Pflieger ist ein Läufer, den man eben kennt – und gerne einmal besiegt. Der jetzt bald 30-Jährige reagierte nur auf seine Erfahrungen. „Im Jahr davor wurde ich übelst geract.“ Soll heißen: Die Mitläufer im Rennen hatten nicht so recht mitbekommen, dass der schon bei Europameisterschaften und 2016 bei Olympia international aktive Pflieger Gutes für seine Konkurrenten ausschließlich Gutes im Sinn hatte – nämlich das Tempo zu machen.

Noch ein „Blauer“, der gerne vorausläuft: „Hase“ Felix Plinke Foto: Kiefner

Auf dem Weg zu seinem nächsten Großziel, dem Berlin-Marathon, wird Philipp Pflieger das auch diesmal am Samstagabend bei der Laufnacht wieder tun, die der großen, seit 2006 so dauerhaft namhaft besetzten Sparkassen-Gala am Sonntag vorgeschaltet ist. Einer der treuesten Trainingsgefährten von Pflieger spielt genauso traditionell diese Rolle: Kurt Ring, dem Macher beim Veranstalter LG Telis Finanz Regensburg, nennt Kompagnon Felix Plinke den „Mister Zeitgefühl“.

MZ-Sportmann Claus Wotruba erklärt an der Ziellinie im Unistadion den Stellenwert der Sparkassen-Gala.

MZ-Sportreporter Claus Wotruba zur Leichtathletik-

Das ist wichtig, wenn ab 18 Uhr auf den Strecken von 800 Meter aufwärts für den U-20-Nachwuchs zum Beispiel die allerletzte Chance besteht, sich für die Europameisterschaften von 20. bis 23. Juli im italienischen Grosseto zu empfehlen. Auf den kürzere Strecken rührt sich ab 14 Uhr etwas. Über 400 Meter etwa gilt mit Corinna Schwab vom TV Amberg eine Oberpfälzerin an der Schwelle zu ihrem ersten Lauf unter 54 Sekunden als sichere Grosseto-Anwärterin.

Maßgeschneidertes für Youngster

Doch zurück Philipp Pflieger und den Tempomacher-Diensten: „Ich will mich hier einbringen, weil es eine schöne Idee ist, maßgeschneiderte Rennen zu organisieren“, sagt Pflieger und weiß aus eigener Erfahrung seiner inzwischen gezählten Bahntage: „Zwischen 20 und 23 Jahren kriegst du in Deutschland nirgends mehr Rennen. Und acht Stunden nach Belgien zu fahren, wofür fast nix gezahlt wird, ist auch aufwendig – wobei ich natürlich weiß, dass es für einen Hamburger nach Regensburg auch weit ist.“

Zeitplan Laufnacht und Sparkassen-Gala

  • Laufnacht am Samstag:

    800 Meter (18.00/Frauen, 18.20 Männer), 1500 Meter (19.25/Frauen, 19.45 Männer); 3000 Meter Hindernis (19.00/Frauen, 20.15 Männer); 3000 Meter (20.30/Frauen, 20.45 Männer), 5000 Meter (21.20/Frauen, 21.00/21.45 A- und B-Lauf Männer).

  • Zwischen 14.30 und 17.30

    finden diverse Wettkämpfe für Frauen, Männer, U 16, U 18 und U 20 (200, 400 Meter, 400 Meter Hürden, 1500/2000 Meter Hindernis, Hoch/Weitsprung) statt.

  • Sparkassen-Gala am Sonntag:

    Hochsprung (13.30 Frauen, 11.15 Männer); 110 Meter Hürden Männer (12.30); 100 Meter Frauen (14.00); 100 Meter (14.15 Frauen, 14.30 Männer); Weitsprung (14.45 Männer, 16.50 Frauen); 400 Meter (14.45 Frauen, 15.05 Männer), 800 Meter (15.30 Männer, 15.45 Frauen); 1500 Meter (16.00 Frauen, 16.15 Männer); 4 x 100 Meter (16.30 Frauen, 16.40 Männer), 400 Meter Hürden (16.50 Männer, 17.15 Frauen); 200 Meter (17.30 Frauen, 17.45 Männer)

Belgien – das ist so etwas wie das gelobte Läuferland. Dort gehören Abendmeetings so dazu wie die berühmten Pralinen. „Die ganzen Laufteams mit all den Afrikanern sind da zuhause. An dieses Potenzial wie in Belgien oder auch in Holland kommen wir nicht ran“, hat sich Ring abgeschminkt ein Pendant schaffen zu können. „Bei Serien wie dem Flanders-Cup steht auch die Bevölkerung in einer ganz anderen Art und Weise dahinter.“ Für Ring sind es Gänsehautmomente, wenn abends bei der Laufnacht das Flutlichtlicht bei besten Temperaturen angeht.

Der 68-Jährige lockt immer wieder neue Talente ins Team nach Regensburg. In dieser Saison sind Miriam Dattke (Jahrgang 1998) und Simon Boch (1994) die Aufsteiger der Saison, die auf sich aufmerksam machten. Für Dattke sind die Laufnacht und die Sparkassen-Gala am Sonntag (Hauptprogramm ab 14 Uhr) so etwas wie der Vorbote des anstehendenden Umzugs nach Regensburg. Die 18-Jährige hat in Berlin gerade ihr Abitur geschrieben („Ich warte noch auf die Ergebnisse“), wird bald Teil des Athletenhauses der LG Telis Finanz werden („Am schönsten ist, dass ich dann nicht mehr alleine auf der Bahn trainieren muss“) und will ab dem Wintersemester in Regensburg Jura studieren. In Regensburg war sie schon dreimal („Einmal 3000, zweimal 800 Meter“) dabei, diesmal ist es ihr erstes Heimrennen.

Bald in Regensburg zuhause ist Miriam Dattke. Foto: Kiefner

Und obwohl sie die Normzeit für die U-20-EM über 5000 Meter im ersten Saisonrennen schaffte, den bayerischen Rekord ihrer Teamkollegin Franzi Reng (die heuer verletzt pausieren muss und davor die Aufsteigerin der Saison war) um über eine halbe Minute auf 16:05,88 Minuten drückte, geht Dattke am Samstagabend um 20.30 Uhr über 3000 Meter neuerlich auf Normenjagd.

Der Lauf gegen eine alte Hürde

Der Hintergrund ist so simpel und persönlich. „In der vergangenen Saison bin ich aus Verletzungsgründen wenig gelaufen, habe mich dreimal an der WM-Norm über 3000 Meter versucht und es hat dreimal nicht geklappt“, erzählt Dattke. Den Makel will sie junge Läuferin mit 3000-Meter-Bestzeit 9:22,66 („Das war aber schon vor zwei Jahren“) nun partout tilgen. „Es liegt mir am Herzen. Es ist wieder eine 9:30, die ich brauche. Das mich 2016 so sehr beschäftigt und deswegen möchte ich es diesmal packen, auch wenn ich bei der EM sicherlich die 5000 Meter laufen werden.“

Miriam Dattke im Gespräch mit larasch.de nach dem Gewinn der deutschen U-20-Meisterschaft über 5000 Meter.

Miriam Dattke, die einst nach einem zweiten Platz bei einem Schul-Crosslauf von ihrem ersten Trainer angesprochen wurde, sieht sich auf Dauer „auf jeden Fall auf der Langstrecke. Das macht mir am meisten Spaß. Später möchte ich auch gerne auf der Straße laufen und einen schnellen Marathon schaffen. Erst einmal aber geht es über 5000 Meter und bald kommt mal der ersten 10 000er.“

Der Aufsteiger der Saison in Regensburg: Simon Boch Foto: Kiefner

Die 10 000 Meter waren eine der Glanzleistungen des Simon Boch in diesem Jahr. Mit ausgebreiteten Armen überquerte er die Ziellinie in Bautzen als deutscher Meister – nach 29:13,60 Minuten in der schnellsten bislang heuer auf deutschem Boden gelaufenen Zeit eines deutschen Läufers und natürlich persönlicher Bestzeit. Dabei war die Karriere des 23-Jährigen beendet. Genervt von stetigen Blessuren wollte Simon Boch aufgeben. Dann kam der Anruf von Kurt Ring. „Er hat gesagt, dass ich Talent habe und das nicht vergeuden soll.“

Rückschlag und im Kopf robuster

Simon Boch nahm einen letzten Anlauf. „Die Zeiten jetzt überraschen mich nicht. Ich wusste, dass ich sie laufen kann – wenn ich gesund bleibe.“ Einen Rückschlag gab es dennoch noch einmal: Stressfraktur im Februar 2016. Weil Boch versuchte seine Achillesferse, die Achillessehne links, zu entlasten, knackte es rechts. „Aber jetzt krieg ich das in den Griff und bin im Kopf robuster. Zeiten sind da eigentlich nebensächlich.“

Na ja, so ganz auch wieder nicht. Seine 3:45,71 von vor ein paar Tagen in Pfungstadt möchte Simon Boch bei der Gala am liebsten „nochmal um zwei, drei Sekunden steigern“. Weil: „Wer international auf den Langstrecken schnell sein will, muss hinten raus schnell sein.“ Erst einmal aber will der Mann aus dem LG-Athletenhaus gesund bleiben und macht bei der Laufnacht Tempo. „Wahrscheinlich auch da über 1500 Meter.“

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