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Sonntag, 23. Juli 2017 30° 2

Marathon

Ein Mix aus Atmosphäre und Ambiente

Beim 26. Regensburg-Marathon werden Tausende auf den Beinen sein. Das Ereignis erfordert Ausdauer – und Improvisationstalent.
Von Heinz Gläser, MZ

Im Ziel und am Ziel der Träume – der Glücksmoment beim Marathon Foto: Brüssel

Regensburg.Es ist stets aufs Neue ein organisatorischer Drahtseilakt, der das Nervenkostüm in Mitleidenschaft zieht. Im vergangenen Jubiläumsjahr wurden die Medaillen für den Minimarathon am Samstag nicht wie bestellt geliefert. Nun war Improvisationstalent gefragt, und das 24 Stunden vor dem Lauf. Hektisch orderten die Veranstalter in Nordrhein-Westfalen Ersatz und schafften rund 2000 Blanko-Plaketten heran. Sie druckten Aufkleber aus und pappten diese in mühevoller Handarbeit auf die Medaillen.

Im Vorfeld des diesjährigen Regensburg-Marathons kam von einem Lieferanten bereits die Kunde, dass energiereiche Müsliriegel nicht nur ausgepumpten Marathonläufern, sondern auch Nagetieren ganz hervorragend munden. Für den auf Paletten gelagerten Bestand muss nun ebenfalls Ersatz her. Wenigstens mit mehr Vorlaufzeit.

Pannen wie diese gehören praktisch zur DNA einer solchen Großveranstaltung. Gut, wenn man alles Mögliche – und auch das eigentlich Undenkbare – einkalkuliert. Sylvia Gingele, die Vorsitzende des Veranstalters LLC Marathon, treiben diese Malheurs und der Stress regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. „Wir waren komplett platt. Im vergangenen Jahr war ich am Sonntagabend zum Rücktritt entschlossen“, bekennt sie freimütig und fügt lächelnd hinzu; „Aber wenn dann all die positive Resonanz und das Lob der Läufer kommen, dann überlegt man es sich doch wieder anders.“

LLC-Vorsitzende Sylvia Gingele (l.) und Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch Foto: altrofoto.de/Archiv

Drei Tage, rekapituliert Sylvia Gingele, habe dieser Umdenkprozess im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. „Wenn du jedes Jahr so viel erlebst, bist du irgendwann gestählt“, ergänzt Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch: „Außerdem nehmen wir das Chaos ja eher intern wahr. Nach außen hin fällt vieles gar nicht so auf.“

Vieles ist in Bewegung

Nun heißt es: Auf ein Neues! Am 27. und 28. Mai geht der 26. Regensburg-Marathon über die Bühne. Tausende werden aus diesem Anlass auf den Beinen ein, auf und entlang der bewährten Strecke in der Welterbe-Stadt.

Das 25. Jubiläum 2016 hallt noch nach, es wurde mit Aktionen wie einer Ausstellung im Donau-Einkaufszentrum zur Historie des Marathons seit der Premiere 1990 garniert. 1994 und 2012 legte das Ausdauer-Event eine Verschnaufpause ein.

Beim Marathon ist vieles in Bewegung, auch im übertragenen Sinne. Was 1990 noch die fixe Idee eines kleinen Kreises von Lauf-Enthusiasten war, startete bis zum Beginn des Jahrtausends mit atemberaubender Geschwindigkeit durch zu einem Top-Ereignis in der Region. Das Tempo überforderte indes viele im LLC, nach kontroversen Debatten und vereinsinternen Konflikten fiel die Richtungsentscheidung, lieber einen Gang zurückzuschalten, statt in einen Wettlauf mit den großen Stadtmarathons wie Berlin oder Hamburg einzutreten.

Dieser Weg war nach Ansicht von Gingele und Fritsch der einzig gangbare. „Unsere Pluspunkte sind die familiäre Atmosphäre und das historische Ambiente“, skizziert Gingele die Regensburger Gegebenheiten. Das Konzept lockt auch heuer Sportlerinnen und Sportler weit über Ostbayern hinaus an. Stand 11. Mai verzeichnete „Deutschlands größter Laufverein“, so der LLC in seiner Eigenwerbung, 552 Anmeldungen für den Klassiker am Sonntag über 42,195 Kilometer, 142 für den Dreiviertelmarathon, 2131 für den weiter boomenden Halbmarathon und 719 für den Viertelmarathon.

Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch im MZ-Gespräch:

Es ist angerichtet für den Regensburg Marathon

Kinderlauf ist der Renner

Hinzu kommen die Wettbewerbe am Samstag, der Frühstückslauf der Mittelbayerischen Zeitung und der Minimarathon, der sich im Laufe der Jahre im wahrsten Sinne des Wortes zum Renner entwickelt hat. 1297 Anmeldungen von Kindern lagen dem LLC bereits vor. Und erfahrungsgemäß steigen die Zahlen nochmals stark an, je näher der Marathon rückt – auch wenn die Jubiläumsveranstaltung im Vorjahr schwer zu toppen sein dürfte.

Nach dem Abschluss der Renovierung der Steinernen Brücke soll die Strecke 2018 modifiziert werden. In diesem Jahr wird noch die bewährte Schleife gelaufen, baustellenbedingt ist damit zu rechnen, dass das Kolpinghaus wieder ein Nadelöhr darstellt. Organisatorisch bleibt fast alles beim Alten, mit der Marathon-Messe auf dem Infineon-Parkplatz, der Nudelparty oder dem Marathon-Konzert im Rahmenprogramm.

Sportlich dienen die Zeiten aus dem Vorjahr zur Orientierung. Jubiläumssiegerin Monika „Mikki“ Heiß von LG Telis Finanz Regensburg überquerte 2016 nach 2:47:37 Stunden strahlend den Zielstrich. Schnellster Mann war in 2:37:25 Stunden Thomas Mittag vom TSV Jetzendorf (Kreis Pfaffenhofen an der Ilm). Die Regensburger Streckenrekorde stammen noch aus einer Zeit, als mit finanziellen Anreizen Spitzenläufer an die Donau gelockt wurden. Der Russe Dmitri Kapitonow benötigte 2001 2:12:19 Stunden, bei den Damen hält Kathrin Weßel die Bestmarke (2:30:38 Stunden, 2002).

Spät am Abend des 28. Mai werden Gingele und Fritsch Bilanz ziehen. „Die Kunst ist es, die ganzen Details an einem Wochenende zusammenzubringen“, sagt Fritsch. Das glückt nicht immer, „Schreckensmomente“ (Fritsch) werden auch heuer unvermeidbar sein. Im Vorjahr erreichte Fritsch ein Anruf der Band, die das Marathon-Konzert bestreiten sollte. „Wir sind auf dem Domplatz“, hieß es. – „Ja, schön“, antwortete Claudia Fritsch.

„Sicher. Aber hier steht leider keine Bühne...“

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