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Donnerstag, 29. Juni 2017 27° 4

Sparkassen-Gala

„Eine Seele für die Leichtathletik“


Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Vor einem Jahr hätte Kurt Ring fast seine Sachen gepackt. „Wenn der unter zehn Sekunden läuft, gehe ich nach Hause und schaue mir die Gala im Livestream an“, sagte der Meeting-Direktor. Der britische Shooting-Star Adam Gemili brauchte 10,08 Sekunden für die 100 Meter – und natürlich blieb Ring, der die Gala zusammen mit Jochen Schweitzer und einer Schar freiwilliger Helfer organisiert. Der 64-Jährige packt an, wo immer es geht und kann eins gar nicht leiden – Verzögerungen im Zeitplan. „Ich bin gefürchtet bei den Startrichtern“, sagt er. „2012 hat’s geklappt. Es gab keinen Fehlstart.“

2006 traute sich keiner

Bekanntlich begann der Aufstieg der Sparkassen-Gala unter die weltweit besten 50 Meetings 2006, als sich während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland niemand sonst so einen Qualifikations-Wettbewerb zutraute. Kurt Ring und Co. schon. „Wir schwimmen immer wieder gegen den Strom“, sagt Ring. „Das haben wir beim Cross auch so gemacht, als wir sagten, der muss raus aus den Wäldern und rein ins Stadion.“

Knowhow ist für die Organisatoren der LG Telis Finanz das Zauberwort, nicht Geld, auch wenn der Etat inzwischen fast sechsstellig ist. Aber wie auch in der Vereinsarbeit, wo die Regensburger mit Infrastruktur wie dem begehrten Athletenhaus am Ziegetsberg glänzen, versucht Kurt Ring mit Livestream, Videowall und flottem Ergebnisservice in anderen Maßstäben zu denken als die Konkurrenz. „Wir wollen ein modernes Meeting sein“, sagt Ring, „und nicht wie anderswo Holztafeln verwenden und dafür sorgen, dass man bis Mitternacht auf die Ergebnisse warten muss.“

Deswegen ist Regensburg auch kein Pflaster, das bekannte Namen mit Gagen lockt. „Wir müssen auf die großen Stars öfter verzichten“, sagt Ring. „Aber einige kommen auch freiwillig und ohne Gagen.“ Eine Verena Sailer oder Carolin Nytra, die im Unistadion auch schon sprinteten, sind diesmal nicht da. Dafür aber steht mit Martina Strutz die Vize-Weltmeisterin von 2011 in der Startliste im Stabhochsprung, der in Regensburg schon oft starke Leistungen sah.

Oft genug war die Sparkassen-Gala auch der Ort, um den Regensburgern ihre lokalen Helden live zu zeigen. 2013 klappt dieses Unterfangen jedoch nur bedingt: Mit Philipp Pflieger läuft ein Aushängeschild, das auch das aktuelle Veranstaltungsplakat ziert, beim Europacup in Bulgarien. Maren Kock tourt auch international in Hengelo. Blieben noch Mittelstreckenmann Florian Orth, der das Unistadion in guter Erinnerung hat und diesmal über 800 statt auf seiner Paradestrecke 1500 Meter startet, und Corinna Harrer, die aus Rom von der Diamond League kommt. „Regensburg ist für mich immer ein Highlight“, sagt die Olympia-Halbfinalistin über 1500 Meter, die in Regensburg ebenfalls die 800 Meter absolviert und bislang jeden ihrer Gala-Auftritte auch gewann.

Neue Ideen sind gefordert

„Wir wollen der Leichtathletik in Regensburg eine Seele einhauchen“, sagt Ring, der längst Verbandsinitiativen für neue Ideen fordert, „zum Beispiel ein Ligensystem“. In Regensburg gelingt die Symbiose von Breiten- und Spitzensport noch. Den Veranstalter bringt es an den Rand der Kapazitätsgrenze – vielleicht sogar manchmal ein Stück darüber bei 280 Sprintern, 250 800-Meter-, 160 1500-Meter- und über 100 5000-Meter-Läufern.

Bis Kurt Ring seine Sachen zusammenpackt, wird es am Samstag also wieder dauern – 13 Stunden und mehr, viel länger als ein durchschnittlicher Arbeitstag. Einer der Telis-Motoren trägt es mit Humor. „Um zehn Uhr bin ich noch frisch, um sechs Uhr abends noch ansprechbar und ab 20 Uhr renne ich dann mit starrem Blick durch die Gegend“, sagt Ring. Seine Bilanz: „Man überlebt es jedes Jahr.“

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