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Dienstag, 22. August 2017 22° 3

Motorsport

Für Folger geht’s ums Feeling

Der Oberbayer startet in der Motorrad-Königsklasse durch. Mit MZ-Autor Daniel Geradtz spricht der Rookie über seine Ziele.

Will Schritt für Schritt vorankommen und hat den Titel „Rookie of the Year“ im Visier: Jonas Folger Foto: dpa

Regensburg.Wie schätzen Sie nach den Testfahrten das Kräfteverhältnis in der MotoGP ein?

Die Tests verliefen für mich sehr gut. Ich war der schnellste Rookie-Fahrer. Wir hoffen, dass wir das auch am Rennwochenende beibehalten können. Valentino Rossi war der einzige Topfahrer, der bei den Tests unauffällig war. Aber ich bin mir sicher, dass er am Rennwochenende wieder vorne mit dabei ist.

Hat er sich unter Wert verkauft oder welche Erklärung haben Sie?

Das weiß man nie so genau, ob er blufft oder wirklich Schwierigkeiten hat. Aber er hat selber gesagt, dass er Probleme hatte und sich nicht richtig wohlgefühlt hatte. Im Endeffekt wissen wir das erst am Rennwochenende selber.

Was stand während der Testfahrten bei Ihnen auf dem Programm?

Wir haben einige Setups ausprobiert. Wir hatten ein straffes Testprogramm vor uns. Das haben wir durchgezogen. Wir haben eine klare Richtung für das bevorstehende Rennwochenende gefunden. Genau das war unser Ziel.

Sie steigen aus der Moto2 auf. Wo liegt der Unterschied zur MotoGP? Auf welche Komponenten mussten Sie sich im Winter umstellen?

Da gibt es so einige Dinge. Zuerst ist da das Motorrad, das mehr Leistung hat. Aber es gibt auch unglaublich viele Einstellungsmöglichkeiten beim MotoGP-Motorrad. Diese erfordern Einiges an Arbeit. Natürlich hat man jetzt statt vier Leuten eine Mannschaft von zwölf Personen um sich herum, die man immer mit Informationen füttern muss, um schließlich nach vorne zu kommen.

Ist es für Sie leichter, wenn mehr Personen um Sie herum sind? Oder ist es schwieriger, weil Sie nun noch mehr auf das Fahrgefühl achten müssen, um jedem sein Informationshäppchen geben zu können, das er braucht?

Mir kommt es entgegen. Die Schwierigkeit in der Moto2 war häufig, dass wir keine Lösungen gefunden haben, weil es so viele Komponenten zum Einstellen und Abstimmen gab. Jetzt kann mir das Team um mich herum in jeder Situation weiterhelfen, wenn ich mir klar und deutlich äußere.

Worauf freuen sie sich in der bevorstehenden Saison? Gibt es besondere Herausforderungen, denen Sie entgegenblicken?

Ich freue mich speziell auf das erste Rennen, weil es der Startschuss ist. Denn Testen ist doch nochmal etwas anderes. Eigentlich ist jede Strecke Neuland für mich auf der Yamaha. Deswegen wird das ganze Jahr sehr spannend. Wir werden dabei sicherlich auf einige Probleme stoßen. Aber ich glaube, so wie wir uns jetzt eingestellt haben, sollten wir das alles lösen können.

Haben Sie eine Lieblingsstrecke?

Ich fahre gerne in Australien und in Malaysia. Es geht dabei nicht nur um die Strecke, sondern um das ganze Feeling. Ich finde, dass Australien unheimlich entspannt ist, weil die Strecke eher auf dem Land ist. Es ist eine ruhigere Surfer-Gegend. Dort gibt es nur wenige Hotels. Wir wohnen mit dem Team zusammen in Häusern, kochen und essen gemeinsam. Das macht das Ganze für mich sehr, sehr ruhig und entspannt. Aber mir macht das Fahren eigentlich überall Spaß.

Wie verändert sich der Wochenendablauf in der MotoGP für Sie? Gibt es mehr Autogrammstunden und PR-Auftritte?

Ich habe einen genauen Zeitplan für das Wochenende. Da kommen schon mehr Sachen auf mich zu. Wir haben alles durchorganisiert und deswegen ist es kein zusätzlicher Stress für mich. Es gehört einfach dazu und man macht es ja auch gerne.

Wie lauten Ihre Ziele für die erste Saisonhälfte?

Ich habe mir jetzt kein Ziel gesetzt in der Form, dass ich ein bestimmtes Ergebnis erreichen will. Es geht in erster Linie darum, mich in jedem Rennen zu steigern und zu verbessern. Ich will dazu lernen, denn Tests und Rennen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich bin gespannt, wie es beim Rennwochenende zugeht.

Gibt es auf die Saison gesehen ein Ziel? Zum Beispiel bester Rookie zu werden?

Ja, natürlich. Der Titel Rookie of the Year ist das realistischste Ziel. Aber man muss auch schauen, wie sich Johann Zarco schlägt (Folgers Teamkollege bei Monster Yamaha Tech 3, Anm. d. Redaktion). Der wird extrem stark sein. Álex Rins sitzt auf einer Werks-Suzuki, der steigert sich sicherlich bei jedem Training. Es wird nicht einfach bei den starken Gegnern.

Kurz vor dem Saisonbeginn hatten Sie einen Magen-Darm-Infekt. Wie weit hat Sie das zurückgeworfen?

Ich habe schon kurz Bedenken gibt, dass mich das beeinträchtigen würde. Gott sei Dank war es aber schnell wieder vorüber und ich war wieder erholt. Deswegen bin ich jetzt topfit und bereit.

Mussten Sie verlorene Zeit wieder aufholen?

Du musst es nehmen, wie es kommt. Wenn man die Zeit nicht mehr hat, muss man ruhig bleiben. Man weiß, wie man sich vorbereitet hat. Es ist ja nicht so, dass es einen Monate weit zurückwirft.

Gibt es bei der MotoGP andere körperliche Anforderungen als bei der Moto2?

Ich habe vor der Saison ein bisschen mehr Wert auf das Krafttraining gelegt. Ansonsten war das Training ziemlich identisch. Ich habe viel Zeit in Deutschland verbracht, weil mir wichtig ist, dass ich zu Hause bin, um mich mental zu stärken.

Sie sind der einzige deutsche Fahrer in der MotoGP, nachdem der Augsburger Stefan Bradl in die Superbike WM gewechselt ist. Hätten Sie sich gerne mit ihm duelliert?

Natürlich wäre ich gerne gegen Stefan gefahren. Aber vielleicht schafft er es auch wieder in die MotoGP zurück. Er ist ein talentierter Fahrer und hat einige gute Rennen zeigen können.

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Jonas Folger im Kurzporträt

  • Herkunft:

    Jonas Folger wurde am 13. August 1993 in Mühldorf am Inn geboren. Schon mit drei Jahren saß er zum ersten Mal auf einem Motorrad.

  • Karriere:

    Im Alter von 15 Jahren stieg er in die Motorrad-Weltmeisterschaft ein. In der damaligen 125-ccm-Klasse gab er sein Debüt.

  • Moto3:

    Der Serie blieb er bis 2011 treu. Auch als die Klasse 2012 in Moto3 umbenannt wurde, ging er dort an den Start.

  • Aufstieg:

    2013 stieg er in die Moto2, die zweite Liga der Weltmeisterschaft auf. Dort gewann er bis 2016 drei Rennen.

  • MotoGP:

    In diesem Jahr greift Folger in der Königsklasse des Motorradsports an. Im Team Monster Tech 3 sitzt er auf einer Maschine von Yamaha.

  • Ziel:

    Die Saison will Folger als „Rookie of the Year“ abschließen. Die Wertung gewinnt der Neuling, der im Laufe des Jahres die meisten Punkte einfährt.

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