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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Fussball

Italiens Fußballer stehen am Abgrund

Das Unmögliche scheint möglich: Der viermalige Fußball-Weltmeister könnte zum ersten Mal seit 60 Jahren eine WM verpassen.
Von Annette Reuther, dpa

Die Schweden haben die Squadra Azzurra alt aussehen lassen: Italiens Torhüter Gianluigi Buffon hat Glück, dass bei der Aktion von Emil Forsberg (l) kein Tor fällt. Foto: Frank Augstein

Rom.„Hässliches Italien“, „Halbe Apokalypse“, „am Abgrund“ oder einfach nur „azurblaue Scham“: Italien droht eine der größten Blamagen in seiner Fußballgeschichte.

Das verlorene Spiel gegen Schweden in den Playoffs zeigt die Schwächen der Azzurri. Nach dem ernüchternden 0:1 (0:0) in Schweden in den Playoffs zur Qualifikation für die WM 2018 in Russland blickt die Nation in den Abgrund. Kann die Squadra Azzurra im Rückspiel am Montag in Mailand den Rückstand nicht aufholen, ist der viermalige Weltmeister das erste Mal seit 60 Jahren nicht bei einer WM-Endrunde dabei.

„Jetzt müssen wir einfach gewinnen, wir müssen das Ergebnis in Mailand umdrehen.“

Gian Piero Ventura

Trainer Gian Piero Ventura weiß, dass es jetzt um alles geht. „Jetzt müssen wir einfach gewinnen, wir müssen das Ergebnis in Mailand umdrehen“, sagte er nach der wenig glanzvollen Partie in Stockholm. Gleichzeitig versuchte er die Niederlage zu rechtfertigen, Italien sei vom Schiedsrichter unfair behandelt worden, deutete er an. Doch die Schweden um den starken Mittelfeldspieler Emil Forsberg von RB Leipzig waren überlegen, was nicht nur das Siegtor von Jakob Johansson in der 61. Minute zeigte.

„Eine Gemeinschaft von Spielern, die nicht wissen, was sie machen.“

„Corriere della Sera“

Von einer Schiedsrichterdiskussion wollte in der Heimat niemand etwas wissen. „Genug Entschuldigungen!“, schrieb die Sportzeitung „Tuttosport“. Auch sonst regnete es viel Kritik. „Es ist ein farbloses Team ohne Persönlichkeit“, schrieb die Zeitung „La Repubblica“. „Eine Gemeinschaft von Spielern, die nicht wissen, was sie machen“, urteilte der „Corriere della Sera“.

Auch Ex-Nationalspieler Andrea Pirlo zeigte wenig Verständnis. „Man braucht Qualität, um solche Spiele zu gewinnen“, sagte der kürzlich zurückgetretene Fußballstar. „Dies sind Spiele, in denen du siehst, was richtige Spieler sind.“

Italien hat an 18 Weltmeisterschaften teilgenommen und – wie Deutschland – vier Mal den Titel geholt. 1958 waren die Italiener bislang zum letzten Mal nicht dabei – damals fand die WM ironischerweise in Schweden statt. Die Qualifikationsrunde für Russland war bislang eine einzige Zitterpartie. Im September verlor „La Nazionale“ 0:3 gegen Spanien und verpasste den Gruppensieg, der das direkte Ticket zur WM bedeutet hätte. Gegen Israel und Albanien schafften die Azzurri gerade mal ein 1:0 und gegen Mazedonien reichte es nur zum 1:1.

„Wir können über unsere Fehler reden, aber es hilft überhaupt nichts. Wir brauchen für die Aufholjagd erhobene Köpfe.“

Gianluigi Buffon

Das Team ist nicht nur moralisch angeschlagen. Ventura muss am Montag im San-Siro-Stadion auf Spielemacher Marco Verratti verzichten, der eine Gelbsperre verbüßt. Auch Leonardo Bonucci fehlt, der Verteidiger brach sich gegen die Schweden in einem harten Zweikampf die Nase.

Man dürfe sich jetzt nicht beschweren, sagte Torwart-Legende Gianluigi Buffon, für den es im kommenden Sommer seine sechste WM im Alter von 40 Jahren wäre. „Wir können über unsere Fehler reden, aber es hilft überhaupt nichts. Wir brauchen für die Aufholjagd erhobene Köpfe.“ 

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