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Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

SSV Jahn

Jahn erhält Tretzel-Anteile zurück

BTT tritt vom Vertrag mit Global Sports Invest zurück und überträgt 62 Prozent der Anteile an der Jahn KGaA an den Verein.

Das Immobilienunternehmen von Volker Tretzel hat seine Anteile zurück an den Regensburger Verein übertragen. Foto: mz

Regensburg.Für die Jahn-Fans ist die Nachricht wie eine Erlösung: Einen Tag vor der Mitgliederversammlung gab das Bauteam Tretzel (BTT) bekannt, dass man von einem vertraglich vorgesehenen Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag mit der Global Sports Invest AG Gebrauch gemacht habe. Damit wird der Münchner Investor Philipp Schober nicht Mehrheitseigner an der GmbH & Co. KGaA. Das Bauunternehmen wird 62 Prozent der Aktien an den Mutterverein SSV Jahn Regensburg e.V. veräußern, rund 28 Prozent der Aktien verbleiben bei der Global Sports Invest AG.

Im Zuge der Regensburger Korruptionsaffäre hatten sich der langjährige Jahn-Gönner Volker Tretzel und dessen Bauteam Tretzel GmbH (BTT), die rund 90 Prozent der Aktien der KGaA hielten, Anfang Juni von ihren Anteilen getrennt. Der Verein scheiterte beim Versuch, diese Anteile selbst zu erwerben. Stattdessen kamen Schober und dessen Firma Global Sports Invest AG zum Zug, offenbar wegen des höheren Angebots.

Nun macht BTT von einem vertraglich vereinbarten Rücktrittsrecht Gebrauch. Gründe für den Rücktritt von dem Kaufvertrag nannte der Bauträger nicht. Möglicherweise leistete Global Sports Invest AG bisher nur eine Anzahlung und blieb die restliche Kaufsumme bis nach Verstreichen einer Frist schuldig. Immer wieder war an die Öffentlichkeit gedrungen, dass die Übertragung der Anteile an Investor Schober noch nicht vollzogen sei.

„Formalia noch zu klären“


In den vergangenen Tagen hatte es Gespräche zwischen BTT und dem SSV Jahn Regensburg e.V. gegeben, in denen man sich darauf verständigt habe, dass die zurückgefallenen 62 Prozent der Aktien auf den Mutterverein übergehen sollen. Über die genauen Inhalte der nun getroffenen Vereinbarung haben BTT und die Jahn-Verantwortlichen Stillschweigen vereinbart. Ganz in trockenen Tüchern ist der Deal allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht: „Um die Übertragung der Aktien rechtlich abzuschließen, sind noch Formalia im Verhältnis von BTT zur Global Sports Invest AG zu klären, welche, sofern erforderlich, auch gerichtlich zur Durchsetzung gelangen werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Weitere Informationen will der Club auf seiner Mitgliederversammlung heute Abend mitteilen.

Die Abwehrfront gegen den Investor Schober war zuletzt beträchtlich gewachsen. „Diesen Mann gilt es zu bekämpfen“, so lautet der Kernsatz einer Stellungnahme, die von den Jahn-Ultras unter dem Titel „Stop! Finger weg von unserem SSV Jahn!“ im Internet veröffentlicht wurde. Auch beim 2:1-Sieg am Samstag gegen Braunschweig hatten die Fans des Zweitligisten einmal mehr Stimmung gegen den ungeliebten Investor gemacht. „Montag = Wahltag; Nein zu Schober“, prangte auf einem Transparent.

Verhärtete Fronten


Deutliche Worte zum Einstieg Schobers als Mehrheitseigener der Jahn-Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) hatte es von Beginn an seitens der Regensburger Vereinsspitze gegeben. Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer und Geschäftsführer Christian Keller hatten sich im Interview unseres Medienhauses („Der Jahn ist kein Laufsteg der Eitelkeiten“/MZ vom 30. Juni) unmissverständlich von Schober abgegrenzt und deutliche Kritik am 31-Jährigen geübt.

Keller betont deshalb die große Dankbarkeit des SSV Jahn gegenüber Volker Tretzel, dem Inhaber von BTT: „Für alle, die den Jahn im Herzen tragen, hat diese Entscheidung von Volker Tretzel eine große Bedeutung. Er ermöglicht dem Jahn damit eine positive Zukunftsentwicklung und untermauert sein inzwischen zwölf Jahre andauerndes, vorbildliches Engagement für den Profifußball-Standort Regensburg“, wird Keller in der Pressemitteilung zitiert. Hans Rothammer spricht von einem „Meilenstein in der Geschichte des SSV Jahn, dessen Bedeutung nicht hoch genug eingestuft werden kann.“

Auch in den Jahn-Foren gab es gestern Nachmittag dankende Worte an den ehemaligen Mehrheitseigner: „Super Herr Tretzel, das ist sehr nobel. Wir Fans und der Jahn wissen das nicht hoch genug zu hängen. Danke sehr“, jubelten die Fans.

Hier finden Sie mehr zum Thema:

Philipp Schobers Einstieg bei Jahn Regensburg – eine Chronologie:

Schober: Unterlassungsantrag gescheitert: Das Landgericht Regensburg sieht keine Gründe, Teile der MZ-Berichterstattung über den Jahn-Investor zu verbieten.

Jahn-Fans machen Front gegen Schober: 13 Fanclubs stellen sich hinter den Aufruf „Stop – Finger weg von unserem Jahn“. Die Initiative kündigt weitere Proteste an.

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