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Montag, 11. Dezember 2017 3

Nationalelf

Joachim Löw steht vor nächstem Rekord

Der Klassiker gegen England ist Auftakt eines Test-Quartetts gegen starke Gegner. Ein Debütant erhält eine Einsatzgarantie.
Von Arne Richter und Jens Mende, dpa

Joachim Löw könnte als erster Bundestrainer den dritten Sieg in Wembley feiern. Foto: dpa

London.Wembley-Experte Joachim Löw peilt beim ersten großen WM-Härtetest gegen England seinen nächsten Rekord als Bundestrainer an. Viel wichtiger als ein dritter Sieg im legendären Fußball-Tempel ist für den Weltmeister-Coach im Länderspiel-Klassiker gegen die Three Lions heute um 21 Uhr aber die Lernkurve seiner Spieler sieben Monate vor der großen Titelmission 2018 in Russland.

„Auf der einen Seite wollen wir ein gutes Spiel machen, das Ergebnis ist ein wichtiges Kriterium. Aber ich will es auch hinten anstellen und gegen so eine Mannschaft experimentieren“, sagte Löw gestern. „Wir wollen Spieler sehen, die sonst nicht so oft bei uns zum Einsatz kommen.“ Der DFB-Chefcoach zeigte sich vor dem Prestigeduell in London als großer Grübler. Nur Leipzigs Marcel Halstenberg bekam als Debütant eine Einsatzgarantie für die linke Defensivrolle in der Startelf. „Halstenberg spielt von Anfang an, auf jeden Fall“, kündigte der DFB-Chefcoach an. Bei den Sachsen habe der 26-Jährige zuletzt auch international überzeugt.

„Halstenberg spielt von Anfang an, auf jeden Fall.“

Joachim Löw

„Das sind gute Fragen“, sagte der Bundestrainer zu seiner sonstigen Wembley-Formation. Im schicken Teamhotel in der Londoner City wollte er mit seinem Stab nach dem kurzen Flug in die britische Hauptstadt weiter beraten. Die Rückkehrer Mario Götze und Ilkay Gündogan können sich offenbar berechtigte Hoffnungen auf ein Comeback genau 360 Tage nach ihrem letzten Länderspiel machen. Für Toni Kroos kommt ein Einsatz nach seinem Magen-Darm-Infekt wohl zu früh. Gestern konnte er beim Training im Berliner Nebel nur die Aufwärmphase mitmachen.

Khedira oder Hummels als Kapitän

„Er ist noch gehandicapt von der Magen-Darm-Geschichte. Wir müssen sehen, wie es sich entwickelt. Da gehe ich kein Risiko ein“, erklärte der Bundestrainer. Offenbar plant Löw mit Kroos eher am Dienstag in Köln gegen Frankreich. In ihren Vereinen hoch belastete Stars wie Sami Khedira, Mats Hummels oder Mesut Özil will der Bundestrainer nicht in beiden Partien über die komplette Spielzeit aufbieten. Jérôme Boateng fällt wegen seiner muskulären Probleme definitiv aus. Die Kapitänsbinde des verletzten Manuel Neuer, bei dem Löw trotz des Fußbruchs keinen Grund für WM-Sorgen sieht, soll Khedira oder Hummels übernehmen. Auch ob eine Dreier- oder Viererkette gegen die wieder erstarkten Engländer das richtige Modell ist, war Löw noch nicht ganz klar. „Wir brauchen Spieler, die im Spielaufbau sicher sind“, sagte Löw. „Brandgefährlich“ seien die Engländer im Umschaltspiel „auf allerhöchstem Niveau“, mahnte der 57-Jährige.

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Beeindruckende Atmosphäre

Heiß auf einen Einsatz sind die Weltmeister jedenfalls. „Für mich ist das etwas Großartiges. Ich freue mich unheimlich auf diese Partie in einem tollen Stadion, gepaart mit einer besonderen Atmosphäre“, sagte Hummels. „Das ist ein Klassiker. Das ist ein sehr interessantes Spiel in einer tollen Atmosphäre. Wir freuen uns darauf“, sagte Khedira, der den letzten DFB-Auftritt beim 1:0 vor vier Jahren wegen seines vier Tage zuvor erlittenen Kreuzbandrisses verpasst hatte.

In der mit 86 000 Zuschauern ausverkauften Kult-Arena rechnet auch Löw mit einer „beeindruckenden Atmosphäre“. Und er muss es wissen. Der Bundestrainer hat allerbeste Erinnerungen an Spiele in der Riesenschüssel im Nordwesten Londons. Löw gewann im englischen Fußball-Tempel mit der DFB-Elf 2007 (2:1) und 2013 (1:0). Drei Siege in Wembley schaffte noch kein Bundestrainer seit dem ersten von bislang 35 Länderspielen gegen das Mutterland des Fußballs im Jahr 1908. Zwei der bislang sieben Siege auf der Insel stehen bisher zudem nur in der Bilanz von Berti Vogts, der 1991 (1:0) und im EM-Halbfinale 1996 (6:5 i.E.) gewinnen konnte.

Die durchaus gute England-Historie, wo die DFB-Elf seit dem 0:2 von Franz Beckenbauer und Co. im Jahr 1975 nicht mehr verlor, spielt für Löw aber keine Rolle. Gerade beim letzten Duell – dem glücklichen 1:0 im März beim Abschied von Lukas Podolski – hat Löw die neuen Stärken der Engländer erkannt. „Da haben sie uns große Probleme bereitet.“ Die Briten haben längst den deutschen Jugendstil kopiert – und wurden in diesem Jahr Weltmeister bei den U20- und U17-Junioren.

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