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Samstag, 18. November 2017 5

Neuheit

Mit Tränen in den Augen ins Ziel

Die Strecken aufzuteilen, scheint das ideale Pärchen-Format. Bei Tom Stecher und Sonja Tajsich war es etwas ganz Besonderes.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Eine ganz besondere Umarmung nach einem ganz besonderen Rennen: Sonja Tajsich und Tom Stecher, der Lebensgefährte der tödlich verunglückten Challenge-Vorjahressiegerin Julia Viellehner. Foto: Brüssel

Regensburg.Es war eine Premiere und ein Abschied zugleich. Dass sich drei Leute einen Langdistanz-Triathlon teilen, war bislang nur so möglich, dass jeder in einer Staffel eine der drei Teil-Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen übernahm. Als eine Sportlerin im Vorjahr die Anregung machte, man könnte doch auch jede der drei Disziplinen auf zwei Teilnehmer aufteilen, nahmen die Organisatoren Sonja und Tom Tajsich den Ball prompt auf – und kreierten ein neues Format, das sogar näher als die Staffel am Triathlon-Gedanken liegt und die Bewältigung machbarer macht.

Dass die neue Idee schon bei der ersten Austragung solch einen Anklang fand und organisatorisch trotz einiger Fragezeichen (wie der Übermittlung des Starts bei der Aufteilung der drei Radrunden in zwei Teile) so reibungslos über die Bühne ging, freute Sonja Tajsich ungemein. Zwar musste beim Schwimmwechsel so manches Duo sanft zum gemeinsamen Besuch der Zeitmatte geschoben werden und der eine oder die andere suchte sich ein paar Sekunden („Franzi, wo bist du?“), aber ansonsten erntete Sonja Tajsich nur Zustimmung. „Alle waren begeistert und empfanden es als Megaspaß. Es waren einige dabei, die meinten, dass sie das nächstes Jahr mit ihrer Frau gemeinsam machen wollen.“

Persönlicher Dank an alle Helfer

Die 41-Jährige, die ganz nebenbei ja hintrainiert auf die Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii, war wieder einmal mittendrin. Sie verwirklichte nicht nur ihren Plan, auf der Strecke als teilnehmende Organisatorin nach dem Rechten zu schauen und sich bei den Helfern zu bedanken, sondern das neue Format passte zudem wie eine Fügung für ein ganz spezielles Vorhaben wie die Faust aufs Auge.

Weil Tajsichs südafrikanische Freundin als Partnerin ausgefallen war, kristallisierte sich heraus, dass es eine perfekt passende Art des Gedenkens für die im Frühjahr in Italien bei einem Radunfall tödlich verunglückte Julia Viellehner sein könnte – zumal Tom Stecher, Viellehners Lebensgefährte, den Gedanken für gut befand und die Challenge-Vorjahressiegerin in einem Interview 2016 gesagt hatte, gerne einmal mit ihrem Vorbild Tajsich an der Startlinie stehen zu wollen.

Gedenken mit Sieg in Superzeit

Es entwickelte sich ein Rennen, das Viellehner auch vor den Augen ihrer Mutter über 8:42:22 in Gedanken über die Strecke schweben ließ. „Das Duo hat eine superschnelle Zeit hingelegt und für Julia noch einmal gewonnen. Genauso wollen wir Julia Viellehner in Erinnerung behalten...“, kommentierte der Challenge-Liveticker einemotionales Rennen, das jede Menge Zuschauer auf einer vollen Tribüne im Zielbereich am Domplatz würdigten. „Als ich gesehen habe, wie schnell Tom war, musste ich natürlich Gas geben“, strengte sich Sonja Tajsich mehr als ursprünglich geplant an, um nach zwischenzeitlich verlorenen Führung in der Mixed-Wertung der „Challenge for two“ Platz eins zu sichern.

„Als ich Tom vor dem Start getroffen habe, habe ich ihm schon gesagt, wie sehr ich ihn bewundere. Er hat zu mir gesagt, dass er das braucht“, sagte Sonja Tajsich schon da zu Tränen gerührt, blieb während des Rennens aber gewohnt fröhlich. Und für den gemeinsamen Zieleinlauf am Dom „haben wir uns beide an den Tränen in den Augen erkannt“, berichtet Tajsich. „Irgendwann will ich ja wieder ganz normal auf Rennen fahren“, sagte Tom Stecher kurz – und kam mit der besonderen Art der Abschiednahme in Regensburg der Normalität vielleicht wieder einen Schritt näher.

„Nur um eines hat er mich gebeten“, sagte Sonja Tajsich. „Ich möge ihm verzeihen, dass er bei der Siegerehrung nicht anwesend sein wird. Aber das übernehme ich gerne alleine.“ Irgendwo werden also heute irgendwann nach 11 Uhr in der RT-Halle Julia Viellehner und Sonja Tajsich gemeinsam geehrt.

Was beim Challenge über den Tag passiert ist, lesen Sie hier nach:

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