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Sonntag, 24. Mai 2015 19° 3

Weltmeisterschaft

Nationalelf: Jetzt geht der Blick nach vorn

Trotz der Halbfinal-Niederlage gegen Spanien bekommt die junge deutsche Elf Lob von allen Seiten. Und sie hofft auf die WM 2014.

Kapitän Philipp Lahm nach der Niederlage gegen Spanien. Die deutsche Elf bekam trotzdem viel Lob für ihre Leistung.

Durban. „Ober-Fan“ Angela Merkel lobte Deutschlands Elite-Kicker telefonisch für ihren tollen WM-Einsatz, der höchste Sport-Funktionär Thomas Bach gratulierte begeistert, das Staatsoberhaupt geriet sogar ins Schwärmen. „Ich sehe gute Chancen, dass diese Mannschaft in Brasilien 2014 Weltmeister wird“, sagte Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstag in Brüssel bei seinem Antrittsbesuch in der EU-Kommission über das Team von Bundestrainer Joachim Löw. Er gab am Tag nach dem Halbfinal-0:1 gegen Spanien den jungen DFB-Akteuren, die Außenminister Guido Westerwelle „tolle Botschafter für unser Land in der ganzen Welt“ nannte, folgende Empfehlung mit auf den Weg: „Ich habe immer aus Niederlagen mehr gelernt als aus Siegen.“

„Kein Grund, traurig zu sein“

Der frühere Mannschafts-Weltmeister und Olympiasieger im Florett-Fechten und heutige DOSB-Präsident Bach sieht es ähnlich. „Für die deutsche Mannschaft gibt es keinen Grund, traurig zu sein. Sie hat eine sehr starke WM mit teilweise begeisterndem Fußball gespielt. Von daher kann man mit dieser jungen Mannschaft voller Vertrauen in die Zukunft und auf die EM 2012 blicken.“ Kanzlerin Angela Merkel, die den begeisternden 4:0-Viertelfinaltriumph über Argentinien am Samstag im Stadion beklatscht hatte, ließ Teammanager Oliver Bierhoff am Telefon wissen, die DFB-Kicker hätten „ein gutes Bild abgegeben“.

Hoffen auf das Spiel um Platz 3

„Natürlich sind wir heute alle ein wenig traurig, aber unsere Nationalmannschaft kann – egal, wie das Spiel am Samstag ausgeht – erhobenen Hauptes von dieser WM in Südafrika zurückkehren“, sagte Innenminister Thomas de Maizière. Grünen-Chefin Claudia Roth hofft auf einen erfolgreichen Abschluss gegen Uruguay: „Im Match um Platz drei kann sie noch einmal einen Galaauftritt vor der ganzen Fußball-Welt hinlegen.“ Auch Formel-1-Ass Michael Schumacher attestierte Lahm & Co., Deutschland „super sympathisch“ am Kap vertreten zu haben: „Ich glaube aber, der Ausgang des Spiels war so gerechtfertigt.“

„Das war zu viel Spanien für Deutschland“

Auch die Weltpresse war voll des Lobes für EM-Champion Spanien, der eine Nummer zu groß war für die zuvor begeisternde DFB-Elf. „Del Bosques Männer waren einfach zu clever und einfallsreich für Deutschlands aufstrebende Generation“, fasste Englands „The Mirror“ das Geschehen trefflich zusammen. „Das war zu viel Spanien für Deutschland. Die Beatles des Fußballs hören nicht auf zu spielen“, urteilte im Noch-Weltmeisterland Italien „La Repubblica“. Und Schwedens „Aftonbladet“ bemerkte: „Das schöne, junge Deutschland benötigte zwei Jahre, um die eigene Variante des spektakulären spanischen Fußballs einzustudieren. Spanien benötigte 90 Minuten, um zu zeigen, dass die Deutschen noch nicht ganz am Ziel sind.“

„Kluft hat sich verkleinert, aber nicht geschlossen“

So sehen es auch die Medienvertreter im Land der Finalisten. „Löw wollte gern glauben, dass die Hackordnung von 2008 bei der WM 2010 nicht mehr gilt. Doch zwei Jahre nach dem Kniefall vor Spanien im EM-Finale mussten die Deutschen feststellen, dass sie die Kluft zwischen sich und dem Europameister verkleinert, aber nicht geschlossen haben“, schrieb „de Volkskrant“ aus den Niederlanden. Und „As“ merkte an: „So wie Spanien gespielt hat, wird wohl im Paradies gespielt. Gegen das beste Deutschland der vergangenen Jahre hat die spanische Nationalelf einen entzückenden und hypnotischen Fußball entfaltet.“

Spanien oder die Niederlande?

Vor dem Endspiel am Sonntag sehen die Blätter jeweils ihre nationalen Helden in der Rolle des Favoriten. „Komm nur, Spanien! Oranje muss auf Kosten Spaniens Weltmeister werden“, forderte „De Telegraf“ von ihrer seit 25 Länderspielen unbesiegten „Elftal“. Allerdings vergeblich, wie zumindest „Marca“ sicher zu wissen glaubt: „Wir sind die Besten der Welt (und am Sonntag Weltmeister).“

Zum Helden des Tages erklärten die Journalisten aus aller Herren Länder Carles Puyol, der per Kopf in der 73. Minute zum Sieg traf. „König Carles! Puyol feuert Spanien ins erste WM-Finale“, schrieb „The Daily Mail“ über „das kompromisslose Biest aus dem Herzen der Abwehr“, das Spanien ins Finale beförderte. „Puyol, diese Mischung aus Tarzan und Jesus, flog durch die Luft wie Superman“, feierte „Ekstra Bladet“ (Dänemark) den Routinier vom FC Barcelona. Und „Expressen“ (Schweden) urteilte: „Der alte, faltige, langhaarige Puyol entschied das Duell gegen die Jugend. Spanien bereitet sich jetzt auf das Finale vor, Deutschland auf eine strahlende Zukunft.“

Kritik an Löws Taktik

Kommentatoren in Polen und den USA machten wegen seiner angeblich falschen Taktik Löw für das Verpassen des Finales verantwortlich. „Dieses Spiel hat Joachim Löw verloren. Er galt bisher als der König der Taktik, hatte aber diesmal Angst, auf die neue deutsche Spielart zu setzen“, kritisierte „Przeglad Sportowy“. Und die „Los Angeles Times“ bemängelte: „Deutschland spielte zu vorsichtig gegen Spanien. Löw hat sie im Stich gelassen. Er schickte ein Team ins Stadion mit der Absicht zu verteidigen, anstatt selbst Toreschießen zu wollen.“

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