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Leichtathletik

Orth freut sich über Doppel-Silber

Der Regensburger Läufer könnte seine siebte EM-Teilnahme in Folge hinlegen. Wegen „verstörender Signale“ überlegt er noch.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ und Ralf Jarkowski, dpa

  • Nein, das ist kein Siegerspurt: Aber Florian Orth (M.) freute sich in Leipzig auch riesig über das gewonnene Duell um Silber gegen Timo Benitz (r.). Foto: Kiefner
  • Weltklasseleistungen im Hürdensprint lieferten Pamela Dutkiewicz (l.) und Cindy Roleder ab. Foto: dpa

Leipzig.30 bis 35 deutsche Leichtathleten werden es wohl sein, die Deutschland Anfang März in Belgrad bei der Europameisterschaft vertreten. Ein Regensburger könnte nach der deutschen Hallenmeisterschaft in Leipzig auch wieder dabei sein. Mit zwei mutigen Rennen – erst über 3000, dann über 1500 Meter – rannte Florian Orth an beiden Tagen aufs Treppchen, obwohl er mit seinem Team der LG Telis Finanz Regensburg direkt aus dem dreiwöchigen Höhentrainingslager in Südafrika angereist war. „Auch wenn wir diesmal titellos geblieben sind, bin ich absolut zufrieden“, resümierte Telis-Teamchef Kurt Ring. „Das waren stabile Rennen – und unlösbare Aufgaben für Flo und Maren Kock.“

Orths Freundin lief über 3000 Meter auf Rang vier. „Sie war angeschlagen, hatte seit Montag nicht trainiert und die 9:12,81 sind richtig gut“, lobte Ring auch Kock, die Florian Orth am 25. März heiraten wird. Davor stünde für Orth von 3. bis 5. März eigentlich die siebte EM-Teilnahme (bisher dreimal Freiluft, dreimal Halle) an. Doch der 27-Jährige überlegt, ob er das will. „Die Voraussetzungen habe ich zwar erfüllt, ich bin soweit durch. Es wäre mal neu, wenn ein Athlet Nein sagt zu einem Verband, der mir nicht vertraut, und einem Land, das mich nicht fördert“, sagt Orth. „Die Signale waren etwas verstörend und zeigten den fehlenden Respekt.“

Trotz der imponierenden 3000 Meter am Samstag wurde mehrfach ein Leistungsnachweis über 1500 Meter gefordert, den Orth in 3:44,48 Minuten lieferte und die geforderte Zeit um zwei Hundertstel unterbot. „Ich werde das zusammen mit meinem Heimtrainer Klaus Bornmann über die EM entscheiden, weil das eine relativ hohe Belastung in dieser Zeit würde. Eine Woche nach der Hallen-EM ist schließlich die Cross-DM, und die ist für unseren Verein wichtig. Außerdem ist Belgrad nicht unbedingt ein Traumziel.“

Dass Florian Orth die 1500 Meter so flott anging, war jedoch nicht den Forderungen geschuldet, sondern den taktischen Überlegungen des stets überlegt agierenden Regensburgers. „Ich habe versucht, Marius Probst unter Druck zu setzen, weil er öfter mal eine Schwächeperiode zwischen 800 und 1300 Meter hat. Letzlich war ich aber nur ein perfekter Tempomacher“, sagte Orth, der seinem Kontrahenten und Nachfolger als Titelträger (3:41,40) sogar zur Norm für die Hallen-EM zog.

Der Bruder behandelt die Wade

Trotzdem freute ihn die doppelte Silber-Ausbeute („Wie vor zwei Jahren“) – und besonders der Auftritt am Samstagabend über 3000 Meter. Erst am Nachmittag hatte sich Florian Orth doch wieder für einen Doppelstart entschieden – trotz der hochrangigen Konkurrenz eines Richard Ringer oder Timo Benitz. „Einen kann er schlagen, beide nicht“, hatte Kurt Ring schon vor der Meisterschaft gesagt. „Ich bin einfach nur mitgelaufen und habe die Renngestaltung in der Hand von Richard gelassen. Dass es dann reicht, um Timo zu schlagen, ist top“, sagte Orth, dessen Sportphysiotherapeuten-Bruder ihm obendrein half, „leichte Wadenprobleme“ in den Griff zu bekommen.

Auch Maren Kock ging das Rennen mutig an und war Teil eines Spitzen-Quintetts. „Dass auch eine Gesa-Felicitas Krause läuft, war überraschend“, analysierte Kurt Ring. „Und was eine Alina Reh als Titelträgerin abgeliefert hat, muss man einfach anerkennen.“ Zufrieden war der LG-Teamchef auch mit seinem jugendlichen Neuzugang Miriam Dattke, die in 9:30,09 Rang neun belegte. „Sie hat damit den bayerischen Jugendrekord einer Susi Lutz von vor rund zehn Jahren verbessert“, freute sich Ring über die Dritte im Bunde in seinem Team.

Auch bei den Olympischen Spielen in Rio im Sommer 2016 hatte Florian Orth schon Respekt eingefordert. Lesen Sie hier.

Das Regensburger Aufgebot hatte sich nämlich noch reduziert. Mares-Elaine Strempler gab ob ihrer Prüfungen doch einem Start bei der bayerischen Cross-Meisterschaft den Vorzug und 800-Meter-Mann Benedikt Huber reiste zwar an, bekam aber in der Nacht von Freitag auf Samstag Fieber und musste tags darauf unverrichteter Dinge wieder heimfahren. „Er hätte eine gute Chance auf eine Medaille gehabt“, sagte Ring.

Und was lief sonst in Leipzig? Die jungen Sprintladys um Gina Lückenkemper, die Weltklasse-Hürdenläuferinnen Cindy Roleder und Pamela Dutkiewicz sowie Mittelstrecken-Talent Konstanze Klosterhalfen überzeugten besonders. Zusammen mit Kugelstoß-Dauerbrenner David Storl fahren sie als heiße Medaillenkandidaten nach Belgrad. Auch mit Stabhochsprung-Routinier Raphael Holzdeppe ist zu rechnen. „Die Sprinterinnen haben mich glücklich gemacht, vor allem, weil diese Disziplin in der Vergangenheit viel Kritik einstecken musste“, sagte Idriss Gonschinska, der Leitende Direktor Sport beim DLV.

Superschnelle Klosterhalfen

Klosterhalfen rannte am Sonntag vor 3500 Zuschauern in der erneut ausverkauften Arena über 1500 Meter in 4:04,91 Minuten zur zweitschnellsten jemals in der Halle gelaufenen Zeit. „Das zeigt schon, dass außergewöhnliche Talente auch international den Anschluss erreichen können“, betonte Gonschinska. David Storl (20,98 Meter), seit zwei Wochen glücklicher Papa von Söhnchen Jaro, und Kugelstoß-Kollegin Christina Schwanitz (18,50 Meter) hatten ihr Soll schon am Samstag erfüllt. Auch Schwanitz erwartet Nachwuchs: Die 31-Jährige wird im Juli erstmals Mutter. „Ich bin schwanger“, verriet die Kugelstoß-Welt- und Europameisterin am Samstag.

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