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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Fussball

SSV Jahn: Ganz schön viel unterwegs

Entspannt und ausgeruht für die Spiele ankommen, das ist das Wichtigste – und zu teuer darf es auf Dauer auch nicht sein.
Von Jürgen Scharf

  • Abfahrt des Jahn-Busses: Die Reisegruppe des Regensburger Zweitligisten besteht grundsätzlich aus 18 Spielern, vier Trainern, einem Physiotherapeuten und dem Zeugwart. Foto: altrofoto.de
  • Johannes Frisch bei der Arbeit

Regensburg.Manchmal, da hilft auch die beste Planung nichts. Dann muss einfach improvisiert werden. Der SSV Jahn Regensburg hatte in Hamburg auf St. Pauli gespielt und sich ein Unentschieden erkämpft. Im Zug ging es am frühen Abend auf die Heimreise. Beim letzten Zwischenstopp in Nürnberg musste umgeplant werden. Der etatmäßige Anschluss-ICE war wegen einer Verspätung verpasst worden. Gemeinsam mit hunderten Jahn-Fans pressten sich die Spieler in den letzten Regional-Express, der noch nach Regensburg fuhr. Sitzplätze waren Mangelware, und Unterschiede zwischen Spieler und Fans gab es sowieso nicht mehr. „Es wurde einfach viel geredet, das war nicht Spieler hier, Fan da, sondern eine gemeinsame Gruppe“, erinnert sich Jahn-Kapitän Marco Grüttner.

Beim Jahn denken sie an den überraschenden Verlauf dieser Heimfahrt gerne zurück – weil er Team und Fans zusammenschweißte. Johannes Frisch hatte es aber natürlich dennoch anders geplant. Der 28-Jährige ist beim SSV Jahn für den Bereich „Organisation Profifußball“ zuständig. Hier hat er unter anderem eine ganz wichtige Aufgabe: die Mannschaft von Regensburg zum Spielort und zurück zu bringen.

Wenn Frisch von seiner Arbeit erzählt, merkt man ihm den Spaß, den ihm diese bereitet, an. Früher hat er selbst in der Jugend des Jahn gekickt, später Juniorenmannschaften betreut. Nun ist er vor allem im organisatorischen Bereich tätig und findet es spannend, dass er immer wieder aufs Neue herausgefordert wird. Wer die Reisen von Fußball-Mannschaften plant, muss jeden Trip einzeln und neu durchdenken. Für jede Fahrt werde ihm vom Klub ein individuelles Budget vorgegeben, erzählt er. Innerhalb dieses Rahmens arbeitet er sich vor, vergleicht Hotelpreise und sonstige Kosten. „Meistens gibt es am Ende zwei Optionen, die zur endgültigen Entscheidung mit dem Trainerteam besprochen werden.“ Völlig bei Null muss er bei seinen Planungen zum Glück meistens nicht anfangen. An Spielorten, die der Jahn bereits früher besucht hat, gehe es bei guten Erfahrungen normalerweise wieder in dieselbe Unterkunft. Zudem bekomme er immer auch Tipps von anderen Mitarbeitern des Vereins.

Flüge sind eher die Ausnahme

Bus, Zug oder Flugzeug – es gibt drei Möglichkeiten, mit denen der Jahn zu seinen Spielen kommt. Alle drei hat der Verein in dieser Saison bereits genutzt. Bei einem Klub, der vor zwei Jahren noch in der Regionalliga gespielt hat, seien Flüge zu den Spielen aber eher die Ausnahme, sagt Trainer Achim Beierlorzer: „Dass wir uns in Regensburg auch an finanziellen Möglichkeiten orientieren müssen, versteht sich von selbst.“ Er selbst hat bei den Reiseplanungen eine grundsätzliche Vorgabe: „Das alles Entscheidende ist, dass wir entspannt und ausgeruht ankommen.“ Und das scheint bislang immer gut geklappt zu haben. Von den Spielern sind jedenfalls keine Klagen über die Reisemittel des Jahn zu hören. Grüttner und sein Teamkollege Andy Geipl sagen beide unisono, dass es für sie grundsätzlich keine große Bedeutung habe, wie der Jahn unterwegs ist. Insbesondere nach dem Spiel sei er aber gerne im Zug unterwegs, meint Grüttner, „weil du dich dann bewegen kannst“. Geipl pflichtet ihm bei. Es sei schön, mal aufstehen zu können.

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Manchmal, da wollen die Spieler des Jahn aber gar nicht aufstehen, weil sie Tätigkeiten nachgehen, bei denen man sitzt – Kartenspielen zum Beispiel. Bei den Auswärtsreisen gehe da eigentlich immer was zusammen, erzählt Geipl. Er selbst zählt zur Schafkopf-Fraktion, wie auch Marvin Knoll, Uwe Hesse, Benedikt Saller oder Sebastian Freis. Knoll und Saller sind allerdings oft auch am Watter-Tisch zu finden. Die Platzhirschen hier sind Marco Grüttner und Philipp Pentke, die als eingespieltes Duo gelten. Gefahr, dass es böses Blut gibt, weil der eine oder andere starke finanzielle Verluste erleidet, gibt es bei den Kartenrunden übrigens nicht. Es werde ohne Geld gespielt, erzählt Geipl.

„Guter Schlaf ist das A und O“

Jede Fahrt ist aber auch mal zu Ende – und dann geht es ins Hotel. Bei der Auswahl der Unterkunft gibt es eine ganz wichtige Vorgabe, erzählt Frisch: „Guter Schlaf ist das A und O.“ Deswegen achte er darauf, dass das Hotel nicht in einer Gegend, in der es nachts laut zugeht, liegt. Zudem sei es unabdingbar, dass die Spieler – die immer in Zweiergruppen untergebracht werden – genügend Platz zum Schlafen haben. Er bestelle deswegen fast ausschließlich Zimmer mit auseinander liegenden Betten. Ein Doppelbett sei die absolute Ausnahme, erzählt Frisch.

Die Anforderungen an die Ausstattung der Zimmer im Hotel sind beim Jahn Frisch zufolge überschaubar: „Es soll guter Standard sein, einen Riesenfernseher braucht es aber nicht.“ Und besonders sensible Gemüter, die etwa gereizt reagieren, wenn der Zimmerkumpel mal einen Schnarcher von sich gibt, scheint es bei den Regensburgern auch nicht zu geben. Die Lösung, in Doppelzimmern untergebracht zu sein, würden die Spieler gut annehmen. „Deswegen behalten wir das auch bei.“ Ausnahmen gibt es nur, wenn ein Spieler krank ist. Dann bekomme er selbstverständlich ein Einzelzimmer, um Ansteckungen zu vermeiden.

„Es soll ein guter Standard bei den Zimmern sein, einen Riesenfernseher braucht es aber nicht.“ Johannes Frisch über die Vorgaben bei seiner Reiseplanung

Größere Aufreger gab es bei den Auswärtsreisen des SSV Jahn sowohl in den Hotels wie auch in Bus, Bahn oder Flugzeug übrigens bislang nicht. Ganz im Gegenteil sei die Mannschaft keineswegs als grölende Meute unterwegs, erzählen Geipl und Grüttner. Es sei meistens alles sogar sehr ruhig. Viele Spieler beschäftigen sich auf den Reisen still, schauen etwa Filme auf ihren Notebooks oder lesen etwas.

„Ganz normales Verhalten“

Trainer Beierlorzer bestätigt, dass es hier überhaupt keine Probleme gebe, dass er auch nicht groß für Ordnung sorgen muss. Es werde „ganz normales Verhalten“, bei dem Rücksicht auf den anderen genommen wird, vorausgesetzt – und daran halte sich jeder. Er nutzt die Fahrten gemeinsam mit seinem Trainerteam insbesondere für taktische Analysen. Manchmal gebe es da auch ein Gespräch mit einem Spieler. „Die ganz sensiblen Themen werden da aber nicht besprochen“, sagt Beierlorzer. Inmitten einer Reisegruppe sei da nicht der richtige Platz, findet er.

Das Problem, dass sich die Abreise verzögert, weil einer zu spät kommt, gab es bislang noch nicht. Und selbst dem Fall der Fälle sieht Beierlorzer gelassen entgegen, weil er sich um die Strafe gar nicht selbst kümmern müsste. Die Mannschaft regele das selbst, erzählt er: „Und das kostet richtig.“

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