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Sport
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Europameisterschaft

Tolle Harmonie im Frauen-Nationalteam

Nach deutschen Erfolgen im Confed-Cup und bei der U21-EM sagt Sara Däbritz aus Ebermannsdorf: „Jetzt kommen halt wir noch!“
Von Andreas Allacher

Sara Däbritz (Mitte) – hier mit Anja Mittag und Melanie Leupolz – ist inzwischen eine feste Größe in der Frauennationalmannschaft. Die Mittelfeldspielerin aus der Oberpfalz erzielte acht Tore in 42 Länderspielen. Foto: dpa

Regensburg. Ein Jahr nach dem Sieg bei den Olympischen Spielen in Rio steht das nächste Großereignis für die deutsche Frauennationalmannschaft an. Lebt der Erfolg in Sara Däbritz noch nach und wie ist es in der Zwischenzeit gelaufen?

Natürlich ist der Olympiasieg unvergessen. Es war ein geiles Erlebnis. In meinem Verein, beim FC Bayern München, haben wir gerade zum Saisonfinale, als der Druck groß war, super Leistungen gebracht, sind noch deutscher Vizemeister geworden und haben damit sichergestellt, auch in der nächsten Saison wieder international zu spielen. In der Champions League sind wir soweit wie noch nie gekommen, ehe uns das Aus im Viertelfinale gegen Paris ereilte.

In der Nationalmannschaft hat es nach dem olympischen Gold einen Führungswechsel gegeben. Was macht Steffi Jones als Bundestrainerin anders als ihre sehr erfolgreiche Vorgängerin Silvia Neid?

Das werde ich oft gefragt, aber solch ein Vergleich ist schwierig, da jeder Mensch anders ist und eine andere Herangehensweise an die Dinge hat. Deshalb macht es keinen Sinn, Vergleiche mit der Vergangenheit anzustellen, sondern ich will das Jetzt sehen. Und das ist klasse. Wir haben eine tolle Harmonie in der Mannschaft – auf und außerhalb des Platzes – genauso wie zu den Trainern und Betreuern.

In den Testländerspielen – unter anderem in Regensburg gegen Österreich – hat Bundestrainerin Steffi Jones viel ausprobiert?

Ja, ich finde das super. So hat sie vielen Spielerinnen internationale Erfahrung ermöglicht. Auch etablierte Spielerinnen wurden einmal auf anderen Positionen eingesetzt. Das ist wichtig, mit dem Ziel, das Beste für die Mannschaft und für die einzelnen Spielerinnen zu erreichen. Wir haben einen sehr, sehr guten EM-Kader und können in der Aufstellung variieren, was positiv ist. Wenn wir wechseln, bringt das keinen Qualitätsverlust – im Gegenteil: Die neue Spielerin bringt neuen Schwung.

Macht auch die Breite im Kader Deutschland zum Favoriten dieser Europameisterschaft in den Niederlanden?

Sicherlich sind wir Mitfavorit, auch weil wir schon viele Titel gesammelt haben. Aber da sind auch noch Frankreich, England, Schweden und die Gastgeber aus den Niederlanden: Viele Teams haben das Potenzial dazu. Aber natürlich wollen wir wieder Europameister werden.

Im ersten Vorrundenspiel gibt es ja gleich das Wiedersehen mit Schweden, dem Gegner aus dem olympischen Finale, der damals mit 2:1 besiegt wurde...

Ja, das war ein enges Spiel. Aber auch Italien und Russland sind nicht zu unterschätzen und schwierig zu spielen. Unser Ziel ist freilich der Gruppensieg.

Wie ist die Vorbereitung auf das Endrundenturnier der Europameisterschaft gelaufen?

Super. Jede Spielerin hatte bereits im Vorfeld der drei Vorbereitungslehrgänge einen individuellen Trainingsplan, so dass wir alle topfit zur ersten gemeinsamen Maßnahme angereist sind. So konnten wir von Anfang an hervorragend miteinander trainieren, haben uns viel gemeinsam erarbeitet und sind als Team zusammengewachsen. Der 3:1-Erfolg gegen Brasilien zuletzt in Sandhausen war auch eine Bestätigung für die geleistete Arbeit und hat nach den vielen Trainingseinheiten wieder den Spaß am Fußballspielen gezeigt.

Was sind denn die Stärken der deutschen Frauennationalmannschaft?

In erster Linie unser Teamgeist. Es ist immer wieder eine Freude, zur Nationalmannschaft zu fahren, die Mädels wiederzusehen und mit der Mannschaft und dem Team um das Team Zeit zu verbringen. Andererseits haben wir gute Individualisten, die in schwierigen Situationen das Heft in die Hand nehmen und ein Spiel entscheiden können. Zudem spielen wir hervorragende Kombinationen und können so jeden Gegner in Verlegenheit bringen.

Für die zweite Oberpfälzerin im Nationalteam, Ihre Münchner Mannschaftskollegin Simone Laudehr, hat es nach ihrer erneut schweren Verletzung im letzten Vorbereitungsspiel des FC Bayern München nach der Winterpause nicht mehr in den deutschen Europameisterschaftskader gereicht?

Ich bin überzeugt, dass Simone zu Beginn der neuen Bundesligasaison beim FC Bayern München wieder voll angreifen wird.

Wie schaut der persönliche Fahrplan für die letzten Tage vor der Europameisterschaft aus?

Ich freue mich auf ein super Turnier. Zwischen dem letzten Vorbereitungslehrgang und der gemeinsamen Anreise am 12. Juli waren noch ein paar Tage Ausspannen bei Familie und Freunden angesagt. Das tut immer mal gut. Das Turnier startet am 16. Juli, wir stehen zum ersten Mal am 17. Juli gegen Schweden am Platz.

Sie spielen mit der Nummer 13 wie Thomas Müller in der Herrennationalmannschaft und seit Gerd Müller. Abergläubisch?

Nein, aber die 13 ist meine Lieblingsnummer.

Sie haben im Alter von 22 Jahren bereits 42 Länderspiele mit der Frauennationalmannschaft absolviert und dabei acht Tore. Was ist Ihr persönliches Ziel für diese Europameisterschaft?

Ich möchte guten Leistungen bringen und mich möglichst gut in die Mannschaft einbringen, um gemeinsam die Europameisterschaft in den Niederlanden zu gewinnen und wieder den Titel zu holen.

Sind die großen und teilweise überraschenden Erfolge der A-Nationalmannschaft der Herren beim Confed-Cup in Russland und der U21 bei der Europameisterschaft in Polen dazu ein zusätzlicher Ansporn?

Ja, es ist unglaublich, was beide Mannschaften geleistet haben. Ich habe die Spiele, wenn es möglich war, verfolgt und mich mit den Jungs gefreut. Jetzt kommen halt wir noch!

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