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Europameisterschaft

Trotz des Umbruchs in der Favoritenrolle

Bundestrainerin Steffi Jones ist vor ihrer Turnierpremiere nicht bange. Sie sagt selbstbewusst: „Wir wollen den Titel!“
Von Ulli Brünger und Michael Brehme, dpa

Sara Däbritz (re.) – hier mit Alexandra Popp – will auch bei der EM wieder jubeln. Foto: Guido Kirchner/dpa

Regensburg.Die deutschen Fußballerinnen reden nicht lange um den heißen Brei herum. „Wir sind achtmal Europameister. Natürlich ist unser Ziel, den Titel erfolgreich zu verteidigen“, sagt Bundestrainerin Steffi Jones selbstbewusst vor dem Start des EM-Turniers in den Niederlanden. Dass der neunte Erfolg bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August keine Selbstverständlichkeit ist, weiß die 44-Jährige bei ihrer Turnierpremiere als Chefin auf der Bank natürlich. „Die anderen Nationen haben aufgeholt und wollen uns den Titel streitig machen.“

Seit gut zehn Monaten steht die ehemalige Nationalspielerin als Trainerin an der Spitze der erfolgreichsten Frauenfußballnation der Welt. Obwohl ihr der Job als WM-OK-Präsidentin und DFB-Direktorin auch viel Spaß machte, hat Jones den Wechsel vom Schreibtisch zurück auf den Rasen keinen Tag bereut. „Das wird auch so bleiben“, betonte sie.

Zunächst konnte Jones sich ein Jahr lang als Assistentin von Silvia Neid akklimatisieren und dabei alle Abläufe kennenlernen. Nach dem Abschied der dreimaligen Welttrainerin, die ihre Karriere mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Rio krönte und in Regensburg vor dem Länderspiel gegen Österreich im Oktober verabschiedet wurde, übernahm Jones das Zepter. Mit ihrer Art kommt sie bei den Spielerinnen gut an. „Sie macht es sehr gut. Sie kommuniziert viel und ist sehr positiv“, lobte nicht nur die für den FC Bayern München spielende Sara Däbritz.

Laudehr, Popp und Leupolz verletzt

Die nach den Rücktritten von Saskia Bartusiak und Annike Krahn zur Abwehrchefin aufgestiegene Babett Peter vom deutschen Meister VfL Wolfsburg hob hervor, dass Jones allen das Gefühl gebe, wirklich dazuzugehören und wichtig für das Team zu sein. „Steffi setzt großes Vertrauen in mich. Das tut wahnsinnig gut, zu wissen, dass die Trainerin hinter einem steht“, schwärmte Peter, hinter Stürmerin Anja Mittag (154 Länderspiele) mit 107 Einsätzen die erfahrenste Akteurin im verjüngten 23er-Kader. Mittag bezeichnete Jones als „sehr offen, auch für Feedback, und harmoniebedürftig“.

Sportlich hat das DFB-Team nach dem Gold-Triumph von Rio im vorigen August kaum Qualität eingebüßt, auch wenn in Routinier Melanie Behringer (DFB-Karriereende), den verletzten Simone Laudehr und Melanie Leupolz sowie Alexandra Popp, die in der vergangenen Woche ihren EM-Traum wegen einer im Trainingslager erlittenen Knieverletzung begraben musste, weitere Stammkräfte verloren gingen. Neulinge wie die 22 Jahre alten Lina Magull (Wolfsburg) und Linda Dallmann (Essen), Stürmerin Hasret Kayikci (25/Freiburg) oder die Neu-Münchnerin Kristin Demann (24) bringen frischen Wind und schüren den Konkurrenzkampf. Sie sei vom „guten Mix“ ihrer Auswahl „total überzeugt“, meinte Steffi Jones: „Wir haben sehr hohe Qualität im Kader. Alle verstehen sich prima. Der Teamgeist ist super. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir Europameister werden können.“

Sechs EM-Titel in Folge geholt

Selbst wenn es erstmals seit 1995 – Deutschland gewann den EM-Titel seitdem sechsmal in Serie – nicht zum EM-Triumph reichen würde, wäre es kein Beinbruch. Jones ist sicher, auch in diesem Fall die Unterstützung der DFB-Oberen nicht zu verlieren. Denn: „Eigentlich kommt diese EM zu früh! Unser Prozess ist nicht abgeschlossen, und wir sind spielerisch noch nicht da, wo wir einmal hinwollen.“ Schon im Auftaktmatch der Gruppe B am 17. Juli (20.45 Uhr/ARD) in Breda gegen den Dauerrivalen und Olympia-Zweiten Schweden wird es ernst. „Schweden ist für mich EM-Mitfavorit. Ich freue mich, dass wir mit so einem Spiel ins Turnier starten, da muss man gleich voll da sein“, befand Peter.

„Leider ist sie nach ihrer schweren Verletzung nicht rechtzeitig fit geworden. Sie hat nun aber die Zeit, wieder ganz zu alter Stärke zurückzufinden,“ sagt Bundestrainerin Steffi Jones zur Nicht-Nominierung der Tegernheimerin Simone Laudehr. Foto: dpa

Die umstrukturierte deutsche Mannschaft bringt wenig EM-Erfahrung mit. Nur zwei Spielerinnen aus dem aktuellen 23er-Kader haben schon Europameisterschaftstore erzielt. Als einzige Spielerin hat Stürmerin Anja Mittag schon drei kontinentale Titelkämpfe absolviert. Sie ist mit 32 Jahren auch die älteste Spielerin im Kader, hat die meisten Länderspiele (154) und die meisten Tore (50) geschossen. Das Durchschnittsalter der aktuellen DFB-Auswahl beträgt fast exakt 26 Jahre. Aus dem aktuellen Aufgebot war bei der EM 2005 in England nur Anja Mittag (5 Spiele/1 Tor) dabei. Schon bei der Europameisterschaft 2009 in Finnland gehörten Babett Peter (6/0), Anja Mittag (2/1) und Lisa Weiß (0/0) dem deutschen Kader an. Und bei der EM 2013 in Schweden trugen Dzsenifer Marozsan (6/1), Anja Mittag (6/1), Leonie Maier (6/0), Lena Goeßling (5/0), Sara Däbritz (2/0), Svenja Huth (0/0), Laura Benkarth (0/0) und Almuth Schult (0/0) das deutsche Trikot.

Auch Steffi Jones wurde als deutsche Nationalspielerin dreimal Europameisterin – dazu im Jahr 2003 Weltmeisterin. Die jetzt 44 Jahre alte Fußball-Lehrerin wurde im Frankfurter Stadtteil Bonames als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaden geboren, der die Familie früh verließ und in die USA zurückkehrte. Von 1991 bis 2007 spielte sie in der Bundesliga und absolvierte 111 Länderspiele (1993 bis 2007). Neben ihrer Nationalmannschaftskarriere sammelte sie zahlreiche Titel mit ihren Clubmannschaften.

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