Stets ein Liebling der Zuschauer – Irek Kotula (vorne) vereinte stets feinfühlige Ballbehandlung und Kampfgeist. Foto: Tschannerl
Von Jürgen Ziereis
Cham. Die Beobachter der Szene haben es längst vernommen, dass einer der bekanntesten Fußballer des Landkreises die Seiten gewechselt hat. Am berühmten Nagel hängen seine Schuhe zwar noch nicht, weil er sie als Spielertrainer weiter brauchen wird, neu ist für Irek Kotula aber die Funktion des Trainers. Seit dieser Saison lenkt der 38-Jährige die sportlichen Geschicke des Kreisklassisten SV Geiersthal im Nachbarlandkreis Regen.
„Ich wollte das schon immer, mal als Spielertrainer zu arbeiten“, sagt der Blondschopf, der zuletzt bei der SpVgg Lam die Fäden im Mittelfeld zog. Kontakte mit dem SV Geiersthal gebe es bereits seit drei Jahren, sagt Kotula. „Damals habe ich aber abgesagt. Das war für mich zu früh, ich wollte noch höherklassig spielen.“ Nun sei die Zeit reif für den Sprung ins Trainergeschäft. Es hätten sich etliche Klubs um seine Dienste bemüht, erzählt der langjährige Vilzinger, der sich nun in Lam niedergelassen hat. „Da war alles dabei: Spieler, Trainer und eben Spielertrainer. Bei den Gesprächen mit Geiersthal hatte ich schon beim ersten Gespräch ein gutes Gefühl, sie standen von Anfang an ganz oben auf meiner Liste. Meine Entscheidung ist deshalb auch ziemlich schnell gefallen.“
Auf eigenen Füßen stehen
Irek Kotula räumt ein, dass man es auch bei den „Osserbuam“ gern gesehen hätte, wenn er bei der Sportvereinigung geblieben wäre. Als Jugendtrainer oder Spieler in der zweiten Mannschaft. „Aber ich wollte mich auf eigene Füße stellen und habe für mich entschieden, gleich im Seniorenbereich als Trainer einzusteigen. Und ich glaube, es war die richtige Entscheidung.“ Am 2. September kehrt Irek Kotula allerdings zurück an den Fuß des Ossers, wenn auch nur für 90 Minuten: Dann muss der SV Geiersthal bei der Lamer Reserve ran. „Das wird ein hartes Stück Arbeit, Lam sehe ich in der Spitzengruppe. Aber ich freue mich auf das Spiel.“ Die Ziele des SV Geiersthal seien etwas bescheidener, sagt der neue Coach: „Unser Ziel ist der Nichtabstieg. Ganz vorne haben wir nichts zu suchen, zwischen Platz sieben und elf wäre super. Voriges Jahr ist die Mannschaft nur knapp am Abstieg vorbei geschrammt, das ist auch für mich Ansporn, mehr rauszuholen.“
Respekt und gute Trainingsarbeit
Vom jüngsten 7:0-Kantersieg gegen Schlusslicht SV Arnbruck lasse sich seine Truppe nicht blenden, sagt Kotula, die harten Nummern kämen schließlich erst. Doch habe seine Mannschaft „viel Potenzial“ und glänze auch mit hohem Trainingseifer. „Wir haben viele junge, hungrige Spieler in der Mannschaft, die sich verbessern möchten. Ich habe immer zwischen 16 und 20 Mann im Training, das war für mich ein wichtiger Punkt und das wurde mir vom Abteilungsleiter im Vorfeld auch versichert. Er hat sein Wort gehalten.“ Hat denn Irek Kotula den Eindruck, dass ihm seine Schützlinge angesichts seiner Vita mit besonders großem Respekt begegnen? „Ja, das merkt man schon. Aber das ist nur eine kurzfristige Erscheinung, du musst dir den Respekt auch auf längere Sicht erhalten. Das schaffst du nur mit guter Trainingsarbeit und in Einzelgesprächen.“
Beinahe jeden Tag, erzählt Irek Kotula, wälze er Ordner und hole sich daraus Anregungen für die Trainingsgestaltung. Seine Erfahrung aus vielen Jahren in der Höherklassigkeit helfe ihm zwar bei seiner neuen Aufgabe, aber das Trainergeschäft sei mit dem Dasein als Spieler nicht vergleichbar. Der zeitliche Aufwand eines Trainers sei enorm, dazu würden einem Fußballtrainer auch Fähigkeiten in Psychologie und Mannschaftsführung abverlangt. „Dabei kommt mir zu Gute, dass ich auch in der Arbeit Führungsaufgaben habe, wo ich für 80 Mitarbeiter verantwortlich bin.“ Wir haben Irek Kotula auch gefragt, von welchem der vielen Trainer in seiner langen Laufbahn er sich etwas hat abschauen können. „Der beste Trainer in meiner Karriere war der Sepp Beller. Ich habe beim ASV Cham zwar nur eine halbe Saison unter ihm gespielt, weil er im Winter entlassen worden ist, aber mit seinem fachlichen Wissen und wie er die Gespräche mit uns Spielern geführt hat, hat er mir imponiert. Er ist vielleicht schon eine Art Vorbild für mich.“
Von Miltach über Vilzing zu Lam
Begonnen hat Irek Kotula seinen sportlichen Weg nach oben einst beim damaligen Landesligisten FC Miltach, ehe er gemeinsam mit Thomas Bauer, der den damaligen Kreisligisten DJK Vilzing als Spielertrainer übernahm, zur Deutschen Jugend-Kraft wechselte. „Das war meine schönste Zeit, schließlich habe ich dort in zwölf Jahren über 400 Spiele gemacht und bin viermal aufgestiegen.“ Unterbrochen nur durch ein einjähriges Intermezzo beim ASV Cham. Anfangs habe er die Vilzinger Landesliga-Pläne als Scherz abgetan, schmunzelt Kotula, doch schnell wurde aus Spaß Ernst.
Und der quirlige Blondschopf, dessen Markenzeichen eine besonders feinfühlige Ballbehandlung war, sollte fortan eine der tragenden Säulen des Vilzinger Höhenfluges sein. Kotula hat viele Spieler kommen und gehen sehen, sich in all den Jahren trotz hochkarätiger Konkurrenz jedoch stets einen festen Platz im DJK-Ensemble sichern können. „Wir hatten damals eine tolle Kameradschaft, mit einem Mario Penzkofer, Bernhard Wiesmüller oder dem Bauer-Tom. Das hat sicher dazu beigetragen, dass wir jedes zweite Jahr aufgestiegen sind.“
Mit etlichen Vilzingern hat Irek Kotula auch heute noch zu tun – im Job und als Trainer der Zollner-Firmenmannschaft. „Im Oktober nehmen wir in Ungarn an einem Turnier mit vier Mannschaften teil. Wir sind immer wieder unterwegs.“