Top-News 03.05.2012, 12:57 Uhr

Vettels Taktik-Kniff: Spitzenreiter als Aufholjäger

Von Christian Hollmann, dpa

In Mugello macht Sebastian Vettel im Red Bull Fortschritte. Foto: Carlo Ferraro

In Mugello macht Sebastian Vettel im Red Bull Fortschritte. Foto: Carlo Ferraro

Mugello. Mit einem ungewöhnlichen Taktik-Kniff will Sebastian Vettel sein Red-Bull-Team zurück zur Formel-1-Dominanz treiben. Der WM-Spitzenreiter erklärt sich zum Start der Europa-Saison kurzerhand zum Jäger.

«Wir haben immer noch viel aufzuholen», sagte der Doppel-Weltmeister vor dem Test-Finale in Mugello. Trotz der Führung in beiden WM-Wertungen macht der Titelverteidiger seiner Crew Druck. «Wir sind zufrieden mit dem Stand der Dinge, aber wir wollen mehr», versicherte Vettel.

Und der Hesse geht mit gutem Beispiel voran. Während Rivalen wie die Ex-Champions Lewis Hamilton, Jenson Button oder Kimi Räikkönen die Probefahrten in der Toskana schwänzten, zählt für Vettel jede Minute für die Entwicklung des RB8. Schon am Montagabend traf der 24-Jährige in Mugello ein, obwohl er erst am Mittwochmittag ins Auto steigen sollte. Zuvor umkurvte er zur Erkundung mit dem Fahrrad die Strecke und beobachtete stundenlang aus der Box die Runden seines Teamkollegen Mark Webber.

«Wir arbeiten hart an neuen Teilen, die die Leistung des Autos verbessern», sagte Vettel. Mehr verriet er nicht. Dem Weltmeister ist es ernst, nachdem sich sein neues Auto mit dem Kosenamen «Abbey» im ersten Saisonfünftel bisweilen als unberechenbare Zicke erwies.

«Es ist eng und wir sind nicht so selbstbewusst, wie wir mal waren», bekannte Vettel nach dem erlösenden ersten Saisonsieg jüngst in Bahrain. Bestes Zeichen für die anhaltende Unsicherheit: Zum Test nach Mugello schickte Red Bull fast die doppelte Zahl von Mechanikern und Ingenieuren als gewöhnlich. Rund 120 000 Euro ließ sich der Rennstall die drei Tage im Ferrari-Land kosten. «Wir hatten tonnenweise Arbeit», sagte der WM-Dritte Webber.

Zumindest beim Blick auf die Zeitentabelle lohnte sich der Aufwand. An allen drei Tagen fuhren die Red-Bull-Piloten um die Spitze mit. Unklar blieb aber, wie groß der Entwicklungsschritt tatsächlich war. «Die Charakteristik ist anders als auf den Strecken, auf denen wir Rennen fahren. Deshalb ist es schwer zu sagen, ob es in die richtige Richtung geht», erklärte Vettel.

Noch «viel entscheidender» als die Tage von Mugello sei ohnehin die Woche vor dem Großen Preis von Spanien am 13. Mai. Nun gelte es, die richtigen Schlüsse aus den Tests zu ziehen. «Wir werden auch in Barcelona hart an den Feinheiten der Abstimmung des Autos arbeiten müssen, um das Paket wirklich stärker zu machen», sagte Vettel.

Mit einer Rückkehr zur Überlegenheit des Vorjahres, als der Deutsche elf der 19 Grand Prix gewann, rechnet angesichts der Turbulenzen der ersten vier Rennen vorerst niemand bei Red Bull. «Diese Saison wird ein Auf und Ab», urteilte Teamchef Christian Horner. «Wir müssen konstant in den Rennen sein, in denen wir nicht gewinnen können - und abliefern, wenn wir siegfähig sind», forderte der Brite. Vettel formulierte es so: «Dominanz ist nie einfach.»

 

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