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Motorsport

Hamilton: Potenzial der Formel 1 nicht ausgeschöpft

Die Testfahrten in Barcelona sind der erste Auftritt der Formel 1 nach der Entmachtung von Bernie Ecclestone. Die neuen Besitzer haben einen Wandel versprochen. Für den Masterplan aber wird es Zeit brauchen.
Von Christian Hollmann, dpa

Lewis Hamilton: „Ein neues Format wird wirklich gebraucht.“ Foto: Frank Augstein

Barcelona.Auf der Fahrt in eine neue Formel 1 kann es Lewis Hamilton gar nicht schnell genug gehen: „Das Potenzial der Formel 1 ist global betrachtet bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“

„Wir sind weit davon entfernt“, mahnte der Mercedes-Superstar bei den Testfahrten in Barcelona die neuen Besitzer der Rennserie zu entschlossenen Reformen. Die Probetage in Spanien markierten das erste Zusammentreffen der zehn verbliebenen Teams seit der Entmachtung von Bernie Ecclestone, dem jahrzehntelangen Herrscher der Königsklasse. Gespannt wartet das Fahrerlager auf den Masterplan des neuen Eigentümers Liberty Media für die Zukunft der Formel 1.

Der deutlich in die Jahre gekommene Circuit de Catalunya ist das passende Sinnbild für den dringenden Modernisierungsbedarf. Die Regeländerungen für die kommende Saison, die noch vor dem Besitzerwechsel beschlossen wurden, hält zumindest der dreimalige Weltmeister Hamilton für nicht ausreichend. „Hoffen wir mal, dass die Rennen fantastisch werden, aber ich würde nicht zuviel erwarten“, sagte der 31-Jährige. Schneller und ansehnlicher seien die neuen Autos zwar, die Show werde durch das womöglich noch einmal erschwerte Überholen aber nicht verbessert, orakelte der Brite.

Mehr Spektakel jedoch ist genau das Motto, mit dem die neue Formel-1-Führung angetreten ist. „Wir wollen unsere klassischen Fans nicht verlieren, sondern ihnen ein noch besseres Angebot machen. Und wir wollen neue Anhänger begeistern“, sagte der neue Formel-1-Sportchef Ross Brawn, der während der Barcelona-Tests in einem Eckbüro über der Boxengasse an frischen Ideen tüftelte.

Sein erster Vorschlag: Ein Rennen außer Konkurrenz pro Saison zum Test neuer Grand-Prix-Formate. „Wenn wir das Format der WM verändern, müssen wir sehr sicher sein, dass wir das Richtige tun. Denn während eines WM-Jahres kannst du es nicht mehr ändern“, erklärte der frühere Teamchef Brawn, der künftig bei Reformen viel mehr auf die Fans hören will als Ecclestone dies tat.

Als erstes Zeichen der neuen Offenheit ist es den Teams nun erlaubt, auch kurze Videoschnipsel aus dem Fahrerlager über die sozialen Netzwerke zu verbreiten. Ecclestone hatte dies immer untersagt, weil er für alle Bewegtbilder Geld haben wollte. Dagegen begreift Liberty die Clips als Chance, über die millionenfach genutzten Digitalangebote der Rennställe mehr Fans als bisher zu erreichen.

Die neuen Vermarktungsstrategien sollen möglichst bald auch frisches Geld in die Formel 1 spülen. „Wir würden gerne mehr Teams, mehr Sponsoren und mehr Rennstrecken an den richtigen Orten sehen“, sagte der neue Formel-1-Marketingchef Sean Bratches.

Vor allem auf seinen Heimatmarkt hat es das US-Unternehmen Liberty dabei abgesehen. In den USA hat die Formel 1 bislang nur wenig Strahlkraft, daran hat auch das Rennen in Austin kaum etwas verändert. Nun sind weitere Grand Prix in Los Angeles, Miami oder New York im Gespräch.

Der Wandel aber wird Zeit brauchen, zumal alle Beteiligten derzeit noch an einen bis 2020 laufenden Grundlagenvertrag gebunden sind. „Es geht nicht darum, was man in den nächsten zwölf Monaten erreichen kann, sondern darum, wo wir in drei bis fünf Jahren sind“, sagte der neuen Formel-1-Vorstandsboss Chase Carey dem Magazin „Motorsport Monday“. Lewis Hamilton wird seine Ungeduld noch zügeln müssen.

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