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Lehrstunde für Hoffenheim: „kopflos gespielt“

Die TSG Hoffenheim gehört doch noch nicht zur Elite der europäischen Clubs. Ein 2:4 in Liverpool hat dem Verein den Weg in die Champions League verbaut. Trainer Nagelsmann war sauer darüber, er machte auch Fehler - aber er will so schnell wie möglich eine zweite Chance.
Von Sebastian Stiekel, dpa

Hoffenheims Steven Zuber kniet in Liverpool auf dem Rasen und versucht die Niederlage zu verarbeiten. Foto: Dave Thompson

Liverpool.Am Ende des Abends fiel Julian Nagelsmann wieder ein, dass er sich noch nicht ganz von der europäischen Bühne verabschieden muss. Der AC Mailand, der FC Arsenal, oder Lazio Rom: Das sind alles große Namen, auf die 1899 Hoffenheim demnächst in der Europa League treffen könnte.

Diese Aussicht lässt ihn zwar das krachende Aus in der Champions-League-Qualifikation nicht vergessen. Ein zeitweise demütigendes 2:4 (1:3) beim FC Liverpool war so aber zumindest ein bisschen leichter zu ertragen.

„Wir sollten alle auch die Europa League positiv sehen“, sagte Nagelsmann nach dieser noch viel zu niedrig ausgefallenen Niederlage im zweiten Playoff-Spiel an der Anfield Road. „Das ist ein Wettbewerb, in dem wir international reifen können und in dem wir vielleicht auf Gegner treffen, die besser zu uns passen. Wir werden nicht bei der UEFA anrufen und sagen: Wir treten nicht an.“ An diesem Freitag werden in Monaco die Vorrunden-Gruppen ausgelost.

Abgesehen davon fiel dem 30 Jahre alten Shootingstar der Trainerwelt aber nichts Positives oder gar Versöhnliches zu dieser Lehrstunde in Liverpool ein. Im Gegenteil: Nagelsmann ging mit den Europacup- Debütanten der TSG hart ins Gericht. „Sehr, sehr kopflos“ hätte sein Team gegen Jürgen Klopps Vollgas-Fußballer agiert. „Wir hatten einige Spieler, die bis zur 30. Minute gar nicht auf dem Feld waren.“

Die Spieler selbst fühlten sich da durchaus angesprochen. „Ich kann es nicht verstehen. Wir haben ein Jahr lang hart für diese Chance gearbeitet. Es tut jetzt einfach weh, dass man sich diese Chance innerhalb von 20 Minuten so kaputt macht“, sagte Sandro Wagner.

Dessen Tor in der 79. Minute nutzte der TSG überhaupt nichts mehr, weil es nach den besagten 20 Minuten durch Tore von Emre Can (10./21.) und Mohamed Salah (18.) schon 0:3 stand. Der Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino (63.) traf auch noch gegen seinen früheren Verein. Mark Uth erzielte zwischendurch das 1:3 (29.).

Es wäre viel zu einfach, diese beiden Playoff-Spiele auf ein deutsches Trainerduell zwischen Klopp und Nagelsmann zu reduzieren und am Ende die Behauptung aufzustellen: Der Ältere hat den Jüngeren ausgecoacht. Dafür war der achtmalige Europacup-Sieger aus Liverpool als Gesamtkunstwerk vor allem im zweiten Spiel zu stark.

Und dennoch erlebte Nagelsmann an dem Mittwochabend die bislang schmerzhafteste und wohl auch lehrreichste Niederlage seiner noch jungen Trainerkarriere, die in den vergangenen anderthalb Jahren nur eine Richtung kannte: steil nach oben.

Der 30-Jährige führte die TSG vom 17. Platz der Fußball-Bundesliga zu ihrer ersten Europacup-Teilnahme. Er formte aus einer Mannschaft ohne taktische und personelle Identität ein junges, spielstarkes Team. In der Champions-League-Quali fand Nagelsmann jedoch in beiden Spielen kein Mittel gegen den Hochgeschwindigkeits-Angriff der „Reds“.

Keinen einzigen sprintstarken Verteidiger ins Abwehrzentrum zu stellen, war ein Wagnis. Auf eine zweite Absicherung im Mittelfeld zu verzichten, wohl auch. Havard Nordtveit war dagegen so überfordert, dass er in der 24. Minute ausgewechselt wurde. Da stand es schon 0:3.

Daran zeigt sich auch, dass es den Hoffenheimern noch nicht gelungen ist, die Verluste der beiden Nationalspieler Sebastian Rudy und Niklas Süle (zu Bayern München) aufzufangen. Die Abwehr hat dadurch an Qualität verloren. Und im defensiven Mittelfeld wurde bislang noch nicht einmal ein nomineller Ersatz für Rudy verpflichtet.

Klar wurde in Liverpool aber auch: Der Abend hat Nagelmanns Ehrgeiz noch weiter verstärkt. „Diesen Anspruch habe ich an meine Spieler und an mich“, sagte er. „Dass sie versuchen, sich so zu entwickeln, dass sie auch auf dieses Niveau kommen. Dass wir noch einmal die Chance haben, so ein Spiel zu spielen. Und dass wir es dann besser machen.“

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