„Lausbub“ ist Olympia-Fünfter
Eltern und Großeltern zittern zu Hause in Saal mit dem Schützen Daniel Brodmeier mit. „Der spinnt doch!“, sagt der ältere Bruder.
london/saal. Marianne und Helmut Brodmeier schüttelten ungläubig den Kopf. „Für mich ist es immer noch unbegreiflich“, sagt die Mutter von Daniel Brodmeier, der am Freitag bei den Olympischen Spielen in London mit dem Kleinkaliber-Gewehr auf 50 Meter liegend sensationell auf dem fünften Rang landete. „Dass er als Jungspund jetzt da bei den ganz Großen dabei ist – unbegreiflich“, wiederholt die 47-Jährige, die als Mama sogleich fürsorglich denkt: „Ich hoffe, dass er das Wochenende gut übersteht. Er war letzte Woche noch krank.“ Am Montag hat der 24-Jährige seinen zweiten Einsatz – in seiner eigentlichen Paradedisziplin Dreistellungskampf.
Im Hause der Saaler Familie, wo auch die Großeltern leben, begann das Zittern bereits am Vormittag. Ihr Junior hatte sich mit acht weiteren Schützen hinter dem führenden Trio eingereiht. Brodmeier und seine Mitstreiter hatten jeweils 595 Ringe (60 Schuss) erzielt. Aus den neun punktgleichen Akteuren durften nur fünf ins Finale.
Es musste eine Entscheidung auf fünf Einzelschüsse her (mit Zehntelwertung). Der Nationalkaderathlet gewann dieses Ausscheidungsrennen vor Weltklassemännern und zog als Vierter in die Endrunde ein. „Er hat praktisch zwei Final-Konkurrenzen an einem Tag bestritten, gigantisch“, sagt Papa Helmut Brodmeier (50). Der 77-jährige Opa des Olympioniken hielt das Stechen um den Finaleinzug, das die Familie im Internet verfolgte, nicht aus und musste raus gehen.
Bei der Entscheidung um die Medaillen (10 Einzelschüsse auf Kommando) war der Mentor des jungen Mannes wieder im Zimmer, und endlich schaltete auch das Fernsehen live drauf. Von vorneherein war klar, dass der Saaler an den späteren Olympiasieger Sergei Martynov (600 Ringe!) aus Weißrussland und den Belgier Lionel Cox (599) nicht rankommen würde. Doch der Slowene Rajmond Debevec (596) lag in Reichweite. Brodmeier gab alles, setzte den Drittplatzierten unter Druck, aber beim sechsten Schuss sprang „nur“ eine 9,7 raus, beim neunten eine 9,6. Damit rutschte er einen Platz auf Rang fünf ab.
Der verpassten Medaille trauert die Familie zu Hause nicht nach. „Das ist mehr als ein riesen Erfolg. Er betreibt das Schießen neben seiner Arbeit als Hobby“, so die Mutter, die ihren Sohn als „Lausbuben“ beschreibt. „Das is’ er heute noch. Aber wenn’s um etwas geht, und sei’s eine Goaßmaß, hängt er sich sofort rein“, sagt sie stolz. Die Geschwister des Saalers, Andreas (28) und Christina (20), verfolgten das Geschehen in der Arbeit. „Der spinnt doch!“, rief der Bruder nach der Leistung des Olympia-Fünften aus.





