Links Oben 27.02.2012, 00:00 Uhr

Motto

Schön, wenn man sich nicht selbst den Kopf zerbrechen und nicht erst umständlich in der riesigen Schatztruhe der Zitate und Wortspiele herumkramen muss. Andreas Rettig hat sich diesbezüglich um den deutschen Sportjournalismus verdient gemacht. Augsburgs Manager hatte am Freitag im ZDF mit seinem forschen Satz „Wir haben natürlich eine Majestätsbeleidigung vor“ das passende Motto zum Spiel seines FCA gegen Hertha BSC und den neuen Trainer, „König Otto“ Rehhagel, vorgegeben.

Und so kam es dann ja auch. Fertig war die Schlagzeile, die man zur Not noch mit dem Adjektiv „ungeheuerliche“ (Majestätsbeleidigung) würzte. Und wer rüttelte so heftig am Thron des Berliner Regenten? Ein Augsburger Nobody namens Torsten Oehrl, Doppel-Torschütze am Samstagnachmittag und vermutlich von zutiefst anti-monarchistischer Gesinnung.

Zurück in der durch und durch republikanischen Hautpstadt ließ Otto der Gütige Milde walten und gewährte seinen Untertanen einen freien Montag, um nach der neuerlichen Pleite in sich zu gehen. Seine Majestät gedenkt ja schon in Bälde wieder abzudanken. Schlecht geschlafen habe er nach der Niederlage, berichtete Rehhagel. Falls böse Kritiker beim 73-Jährigen sogleich einen Fall von präseniler Bettflucht diagnostizieren sollten, ginge dies allerdings eindeutig zu weit.

Bester Mann in Reihen der Augsburger war übrigens nicht Torschütze Oehrl, sondern ein Südkoreaner namens Ja-Cheol Koo. Diesen hatte der Rehhagel-Kollege Felix Magath im Winter beim VfL Wolfsburg aussortiert. Von wegen glückliches Händchen!

Was Majestätsbeleidigung auf Südkoreanisch heißt, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

von Heinz Gläser, mz

 

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