Skandaltipp
Wer teilt uns derzeit nicht alles mit, wie der nächste Europameister heißt und warum das so ist? Gestern erst meldeten sich zwei Titelträger von 1996, Jürgen Klinsmann und Thomas Helmer, zu Wort und erfreuten uns mit der Aussage: „Deutschland wird’s!“ Potenzial und spielerische Klasse sprächen für die Unseren, lautet Klinsmanns Ferndiagnose. Er ist gerade Nationaltrainer der USA und schaffte vorgestern in einem Qualifikationsspiel zur WM 2014 ein 1:1 gegen Guatemala. Helmer wiederum befand, im deutschen Aufgebot sei fast jeder gleichwertig zu ersetzen, ferner niemand verletzt. Also: Was soll schiefgehen?
Wenn es so leicht ist, den künftigen Champion zu erklären, dann versuche ich das auch. Mein erster Tipp ist Russland. Die haben das durchschnittlich älteste Team, also jede Menge Erfahrung. Ferner haben sie mit dem 4:1 gegen Tschechien bereits einen Ex-Europameister geschlagen. Nach dem Unentschieden gegen Gastgeber Polen werden sie am Samstag mit Griechenland den nächsten Ex-Europameister besiegen und dann im Viertelfinale zum Beispiel mit Dänemark noch einen. Wer lauter Ex-Europameister besiegt, wird am Ende Europameister. Klar, oder?
Einen Tipp trau ich mich noch: Italien! Wenn sie gut sein sollen, brauchen die Azzurri immer erst einen ordentlichen Skandal. Den haben sie hingekriegt und dabei sogar einen Spieler aus dem Kader geopfert. Criscito musste daheimbleiben, weil gegen ihn wegen Spielmanipulation ermittelt wird. Es fing mit dem 1:1 gegen Spanien ja gut an für die Italiener; ein moralischer Sieg. Damit vor dem heutigen Spiel gegen die gefährlichen Kroaten aber nichts anbrennt, hat Stürmerstar Cassano mit schwulenfeindlichen Äußerungen nachgelegt. Wieder ein Skandal, der die Mannschaft beflügelt. Wenn sie das noch zwei Wochen durchhalten, könnte es klappen. Criscito wird dann sicher an der Prämie beteiligt, und Cassano erhält die doppelte.

