Deutsche Volleyballer - «Angekommen in der Weltspitze»
Von Michael Fox, dpa
London. Deutschlands Schmetterkünstler genossen ihr schönstes Training, Verbandschef Werner von Moltke bejubelte den historischen Coup noch fern der Spiele via Internet.
«Das ist ein außergewöhnlicher Erfolg, mit dem niemand gerechnet hat. Darauf können wir stolz sein», frohlockte der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) von Frankfurt/Main aus nach dem Einzug seiner Männer in London ins olympische Viertelfinale. Da störte selbst das 0:3 (21:25, 22:25, 19:25) zum Abschluss der Vorrunde gegen Weltmeister Brasilien nicht.
Erstmals seit 1972, als die Auswahl der DDR in München Silber holte, stehen deutsche Volleyballer bei Olympia dank russischer Schützenhilfe wieder unter den besten Acht. Der Medaillenanwärter hatte Deutschlands Konkurrent Serbien beim klaren 3:0 keine Chance gelassen und damit schon vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Brasilien den Sprung des DVV-Teams in das Viertelfinale perfekt gemacht. Und da soll gegen Dauer-Widersacher Bulgarien noch längst nicht Schluss sein.
«Geile Sache», jubelte Kapitän Björn Andrae, der mit seinen Teamkollegen das Serbien-Spiel nicht live im Londoner Volleyball-Tempel Earls Court verfolgt hatte, sondern trainierte. «Damit haben wir unser erstes Ziel erreicht. Jetzt kann es weiter gehen.» Im Viertelfinale am Mittwoch rechnet sich auch von Moltke, der erst am Montagabend nach London reiste, einiges aus. «Jetzt ist alles möglich», sagte der nach den Olympischen Spielen scheidende DVV-Präsident. «Wir haben die ja schon geschlagen in diesem Jahr.»
Als Türöffner für das Viertelfinale erwies sich der Hammer-Sieg gegen Europameister Serbien. Mit 0:2-Sätzen hatten Top-Angreifer Georg Grozer und Co. am Donnerstag schon zurückgelegen. Doch mit einem unglaublichen Kraftakt drehten die Schützlinge von Bundestrainer Vital Heynen die Partie und gewannen am Ende in fünf Sätzen. Es war der entscheidende Coup für die Runde der letzten Acht.
«Wir hatten schon Befürchtungen, dass die Russen nicht richtig spielen. Man hat ja schon so viel im Sport gesehen», gestand von Moltke, der die russische Schützenhilfe per Live-Stream bei einer Besprechung in der Frankfurter Verbandszentrale verfolgt hatte. «Wir saßen hier, das Ding lief - und wir haben alle paar Minuten wieder reingeschaut. Und es wurde immer schöner.»
Und wie. Nie ließ der Medaillenanwärter aus Russland einen Zweifel an seinem Sieg aufkommen und zerschmetterte damit alle Befürchtungen um eine mögliche Mauschelei mit einer beeindruckenden Vorstellung. «Die haben wirklich durchgespielt und 3:0 gewonnen. Super!», schickte von Moltke einen freudigen Gruß an das Team von Trainer Wladimir Alekno. Auch «Hammer-Schorsch» Grozer durfte sich freuen: «Ich möchte hier noch weitermachen - so weit wie möglich», hatte er schon am Wochenende betont.
«Ganz ehrlich: Wer hätte uns das zugetraut?», sagte von Moltke und freute sich auf seinen Trip nach London. Am Mittwoch will er seine Jungs gegen die Bulgaren endlich live in der Halle anfeuern. Vielleicht geht ja sogar noch mehr im total verrückten olympischen Turnier. Eines steht für den Verbandschef jetzt schon fest: «Wir sind angekommen in der Weltspitze. Vielleicht noch nicht ganz oben, aber bestimmt auch nur noch 20 Meter unter dem Gipfel.»
Das zeigte sich auch gegen Brasilien. Lange hielt das deutsche Team, bei dem Bundestrainer Heynen seinem Top-Angreifer Grozer eine Verschnaufpause gönnte, gut mit. Am Ende setzten sich aber die von ihren Fans frenetisch angefeuerten brasilianischen Ballzauberer durch.

