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Sport aus Amberg
Freitag, 15. Dezember 2017 5

Marathon

Anja Scherl läuft ganz vorn in der Elite

In Valencia endet die Leidenszeit der Ambergerin. Der Kampf um die EM-Tickets für Berlin 2018 verschärft sich dadurch.

In Amsterdam wurde im Sommer 2016 bei der EM der Traum von Anja Scherl (Mitte) wahr, das Nationaltrikot tragen zu dürfen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Amberg.Keine zwei Jahre ist es her, da war das Nationaltrikot das Größte für Anja Scherl. 2016 war die gebürtige Ambergerin beste Deutsche im Halbmarathon bei der EM, dann beste Deutsche bei Olympia in Rio. Nun ist die 31-Jährige, die für die LG Telis Finanz Regensburg läuft, in Nürnberg Vollzeit arbeitet und in Bayreuth wohnt, eine Fixgröße der Top-Läufer im Land. Mit Platz fünf beim Marathon in Valencia unterstrich Anja Scherl nach 15 Monaten Pause ihre Anwartschaft auf einen Platz im Aufgebot für die Heim-EM in Berlin von 6. bis 12. August 2018.

In 2:28:54 lieferte sie im fünften Marathon die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere. Eine knappe Minute schneller (2:27:50) war sie nur in Hamburg im April 2016, wo sie sich das Ticket für Brasilien holte. „Mit dem Valencia-Marathon wird mein Laufjahr gut. Der Weg war weit, das Kämpfen hat sich gelohnt“, kommentierte Anja Scherl via Facebook ihr Ergebnis erleichtert. „Mein großes Ziel, die Empfehlung für Berlin, habe ich doch noch erreicht.“

Marschplan der Afrikanerinnen

Sieben unter 2:35: Jetzt spitzt sich der Kampf um die Marathon-Tickets für Berlin zu. Mit Scherl hat am Sonntag bereits die vierte deutsche Läuferin seit Beginn des Nominierungszeitraums am 1. August die Norm von 2:32 Stunden unterboten. Nur drei Marathon-Läuferinnen können für die EM nominiert werden, darüber hinaus gibt es drei weitere Startplätze für das Europacup-Team – mit einer Norm von 2:35 Stunden, die nunmehr bereits sieben Läuferinnen in der Tasche haben, darunter mit Franzi Reng (2:34:57 Stunden) eine weitere Läuferin der LG Telis Finanz. Auch LG-Läufer Jonas Koller hat als Zweiter der deutschen Meisterschaften mit 2:16:03 Stunden den Richtwert für Berlin erfüllt.

„Hinten raus wurde es hart, aber es war knapp unter 2:29 Stunden“, berichtete Marco Scherl, Ehemann und Trainer der Regensburger Läuferin, schon kurz nach dem Zieleinlauf am Handy Telis-Teamchef Kurt Ring.

Die Olympiateilnehmerin von 2016 war ohne Tempomacher angereist und hatte versucht, den auf 2:27 Stunden angelegten Marschplan der Afrikanerinnen mitzugehen – angesichts der schwierigen Vorbereitungsphase und zudem noch einer zweimaligen Verschiebung des Herbststarts wegen hartnäckiger muskulärer Probleme durchaus ein mutiges Unterfangen.

Bundestrainerin hält viel von Anja

Es zahlte sich aber voll aus: Nun liegt Anja Scherl hinter Katharina Heinig, die als deutsche Meisterin 2017 trotz etwas schwächerer Zeit bereits gesetzt ist, und Anna Hahner (2:28:32 Stunden) an dritter Stelle der derzeitigen Rangliste für die EM in Berlin. Mit Sabrina Mockenhaupt und Lisa Hahner können noch zwei weitere namhafte Läuferinnen, die bereits unter 2:30 Stunden gelaufen sind, im Frühjahr 2018 noch nachlegen.

„Wenn Anja an der Startlinie steht, muss man immer mit einer guten Zeit rechnen“, war Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig im Statement gegenüber dem Internet-Portal leichtathletik.de wenig überrascht über den starken Auftritt der Telis-Läuferin.

Schnellste bangt um ihre Nominierung

  • Konsequenz

    Eine der Folgen der Leistung von Anja Scherl in Valencia ist, dass es für die derzeit beste Deutsche, Fate Tola Geleto, eng werden könnte. Sie weist zwar als persönliche Bestzeit 2:25:14 Stunden auf, ist aber bislang innerhalb des deutschen Nominierungszeitraumes nur eine Zeit von 2:30:12 Stunden gelaufen.

  • Gefahr

    Wenn aus der Youngster-Garde mit Fabienne Amrhein, Laura Hottenrott oder auch der Regensburgerin Franziska Reng nun eine Läuferin bei den Deutschen Meisterschaften am 29. April des nächsten Jahres in Düsseldorf den Meistertitel holt und obendrein auch noch unter der A-Norm von 2:32:00 Stunden bleibt, könnte das trotz einer dann schwächeren Zeit Fate Tola aus dem Team kegeln.

Ist der DM-Auftritt in Düsseldorf nötig? Bis 29. April ist bei den Damen für viel Spannung gesorgt. „Abwarten und Tee trinken, kann ich zu Anjas Position nur sagen. Im schlimmsten Fall muss sie bei der Deutschen Meisterschaft in Düsseldorf ran, sollten bis dahin alle fünf Unter-2:30-Kandidatinnen vor ihr liegen. Allein die jungen Wilden müsste sie dann in Schach halten“, sagt Telis-Teamchef Kurt Ring.

„Ein kleines Restrisiko bleibt dennoch: Wenn es bei einer dieser Drei wie bei Anja Scherl im Frühjahr 2016 eine Leistungsexplosion gibt, schaut’s wieder anders aus.“ Sicher ist nur: Für alle, die auch in Berlin sehr erfolgreich sein wollen, ist der späte Meisterschaftstermin im Hinblick auf eine saubere Europameisterschafts-Vorbereitung eher destruktiv. (orv/cw)

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