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Schlagen für die große Baseball-Zukunft

Max Kepler-Rozycki hat nach dem spektakulären Transfer nach Minnesota das erste Jahr hinter sich – und feilte in Regensburg an der Technik.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Schlagtraining in Regensburg für die große Baseball-Karriere in den USA: Max Kepler-Rozycki Foto: Lex

REGENSBURG. Max Kepler-Rozycki schlägt und schlägt und schlägt. 200, 300 Bälle am Tag, 2000 in einer Woche. In seiner ehemaligen Heimat, dem Sportinternat St. Emmeram in Regensburg, haben sie die Kapelle umfunktioniert: Hier steht jetzt ein Schlagkäfig für die Baseballer. Übung macht den Meister – und das Wintertraining. Martin Brunner und Martin Helmig, die Trainer des deutschen Meisters Buchbinder Legionäre aus Regensburg, kommen jeden Tag mit Spielern hierher: Sie werfen zu, sehen, korrigieren und demonstrieren.

Max Kepler-Rozycki macht in der Winterpause neben dem Familienbesuch in Berlin immer noch gerne Station in Regensburg, obwohl die Minnesota Twins in Übersee seine sportliche Heimat sind. Im vergangenen Jahr machte er Schlagzeilen: 800000 Dollar! Noch nie hatte eine Organisation einem Europäer so einen hohen Bonus gezahlt, damit er unterschreibt.

Und wie lief die erste Saison? „Ganz gut“, sagt Max Kepler, der Mann mit dem deutschen, amerikanischen und polnischen Pass, der drüben in den USA den Zusatz Rozycki zur Erleichterung der Aussprache gestrichen hat. „Welcher Name auf dem Trikot und in den Medien steht, ist mir egal.“

Wasserstandsmeldungen zum Stand der Karriere sind im Profigeschäft nicht üblich. „Komplimente habe ich nicht so viele gekriegt“, sagt Kepler-Rozycki. „Ich will ja auch einfach nur jeden Tag besser werden.“ Kommunikation gäbe es bei den Organisationen der Major League Baseball (MLB) nicht viel, erklärt auch Martin Brunner. „Aber die Trainer-Qualität ist hoch. Gecoacht wird nur positiv. Wird nichts gesagt, ist das nicht schlecht.“

Wie alle Jahre werden die Twins im Frühjahr wieder sichten. „Sie haben sechs Teams in den Minor Leagues“, sagt Brunner. „Es würde mich nicht überraschen, wenn Max das gleiche Programm noch einmal absolvieren würde. Er wird ja im Februar auch erst 18.“ Geduld ist im Baseball gefordert, vielleicht noch mehr als in anderen Sportarten. „Es wird darüber gestritten, wer Max entwickelt hat. Aber er ist noch gar nicht entwickelt. Das dauert zehn Jahre“, sagt Brunner, einer der Förderer. „Ich denke, dass er für 2016 eingeplant ist. Denn du spielst nur da oben, wenn du gewinnen hilfst.“

„Da oben“, in der legendären MLB ankommen, wo noch nie ein Deutscher geschlagen, gefangen oder geworfen hat, ist natürlich der Traum eines Max Kepler-Rozycki. „Aber die Leistungsdichte ist so extrem“, sagt Brunner. „Das ist nicht wie im Fußball, wo es die Profiligen in England, Spanien, Italien oder Deutschland gibt. Da sind 30 Mannschaften – und fertig.“

Die Auslese verläuft entsprechend hart. Sechsmal die Woche stehen Spiele an. „Vormittags intensives Training, nachmittags ein Spiel – das ist etwas Besonderes, überdurchschnittlich zu sein“, lobt Brunner das Talent. „Abends habe ich meistens keinen Bock mehr, irgendwas anderes zu machen“, sagt Kepler-Rozycki. „Da bin ich einfach nur müde.“

Dem deutschen Talent schlägt große Wertschätzung entgegen. Er wird unter die Top-Talente eingeordnet, könnte nach Meinung der Fachleute eines Tages sogar ein Allstar-Outfielder werden. Weil die Scouts bei ihm alle fünf Fähigkeiten (Kraft, Schlagen, Werfen, Feldspiel und Laufen) ausgeprägt erkennen, heißt es in einem Report, Minnesota solle „sehr vorsichtig mit ihm umgehen“.

Die Anpassung ans Leben in Nordamerika fiel Max Kepler-Rozycki nicht schwer. „Ich war ja auch fast jeden Sommer in Texas bei meiner Mutter.“ Allenfalls die Hitze („35 Grad, und vor allem die Luftfeuchtigkeit“) machte zu schaffen – und das Essen. „Das hat mir gar nicht gefallen. Alles ist viel zu fettig. Da wird nur gegessen, um satt zu werden.“ Dafür macht die bunt zusammengewürfelte Truppe, in der Max Kepler-Rozycki spielt, Spaß. „Man versteht sich. Mir ist das leichtgefallen“, sagt der noch 17-Jährige. Außer ihm gibt es nur noch „zwei andere Europäer“ im Team, „einen Tschechen und einen Franzosen, beide über 20. Der Rest sind Latinos und Amerikaner“.

Heuer trainierte Max Kepler-Rozycki unter anderem einige Zeit in Regensburg für seine große Baseball-Karriere. „Nächstes Jahr bin ich um diese Zeit über den Winter wohl in Australien“, haben ihm die Twins in Aussicht gestellt. Max Kepler-Rozycki ist es nur recht. „Wenn ich mal ein, zwei Tage gar nicht trainiere, kommt mir das vor wie ein halbes Jahr Pause.“

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