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Sport aus Bayern
Freitag, 24. November 2017 13° 2

Sicherheit

Die Fußball-Fans immer im Blick

Der Oberpfälzer Stefan Kaindl ist als Bereitschaftspolizist auch bei Fußballspielen im Einsatz. Wir durften ihn begleiten.

  • Stefan Kaindl (links) marschieren mit ihren Teamkollegen von der Einsatz-Hundertschaft der Bereitschaftspolizei durch die Münchner Fußgängerzone. Foto: Scharf
  • In der Augustiner-Bierhalle treffen die Beamten auf ausgelassen feiernde Arsenal-Fans. Foto: Scharf

München.Hier geht es rund. Die Fans des FC Arsenal sind am frühen Nachmittag bereits mächtig in Stimmung. Gleich mehrere Dutzend haben sich in der Augustiner-Bierhalle in der Münchner Fußgängerzone getroffen. Sie trinken, sie singen, sie skandieren – und sie lassen sich auch nicht aus dem Konzept bringen, als fünf Polizisten die Halle betreten. Die gehen kurz durch die Reihen, lassen ihre Blicke durch den Raum schweifen – bis ihr Gruppenführer urteilt: „Alles okay, alles im grünen Bereich.“ Die Fußball-Fans aus London bekommen das aber gar nicht mit. Sie skandieren einfach weiter in ohrenbetäubender Lautstärke: „Arsenal, Arsenal, Arsenal!“

Einer der fünf Beamten, die auf Tuchfühlung zu der Fußball-Party gehen, ist Polizeimeister Stefan Kaindl. .Der 28-Jährige ist seit dreieinhalb Jahren bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei Vor einem Jahr hat er seine Ausbildung beendet. Seitdem wird er in der Einsatz-Hunderschaft der „Bepo“ eingesetzt. Volksfeste, Staatsbesuche, Demonstrationen oder Fußballspiele: Kaindl und seine Kollegen sind da, wo etwas los ist. Wo viele Menschen zusammen kommen, wo es Probleme geben könnte. Heute betreiben sie „Voraufklärung“ in der Münchner Fußgängerzone. Am Abend steigt das Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Arsenal. „Wir beobachten die Lage, zeigen Präsenz und versuchen, bereits präventiv einzugreifen, wenn sich Konflikte anbahnen“, beschreibt Kaindl die Aufgabe seines Teams.

Einander vertrauen können

Kaindl kommt aus Köfering im Landkreis Regensburg. Irgendwann, das ist sein großes Ziel, will er wieder zurück in die Heimat, will in Regensburg eingesetzt werden. Momentan pendelt er aber zu seiner Dienstunterkunft nach München. Dort bereiten er und seine Kollegen sich auf die Einsätze in ganz Bayern vor. Mit einem knappen Dutzend weiterer Beamten bildet er ein festes Team. Dass sich die Polizisten gegenseitig gut kennen, ist bei ihrer Arbeit wichtig. Im Ernstfall müssen sie schnell Entscheidungen treffen und sich auf ihren Kollegen verlassen können, sonst kann es gefährlich werden.

Hier spricht Herbert Gröschel, Sprecher der Bayerischen Bereitschaftspolizei, über den Einsatz in München:

Herbert Gröschel von der Bundespolizei über die Ar

„Am Ende des Tages alle gesund heimbringen, das ist für mich das Wichtigste“, sagt Polizeioberrat Thomas Weninger. Er leitet die Einsatz-Hundertschaft, in der Kaindl eingesetzt wird. Seit 35 Jahren ist Weninger mit der Bereitschaftspolizei auf Achse. Er hat viel gesehen und erlebt. 2001 war er dabei, als es rund um das Fußballländerspiel in München zwischen Deutschland und England schwere Ausschreitungen gab. „Das war schlimm“, erinnert er sich. Wenn es kracht, zahle sich die intensive Ausbildung, die alle Teammitglieder hatten, aus. „Polizeibeamte müssen blitzschnell die Lage beurteilen können. Da ist keine Zeit, um mit einem Vorgesetzten Rücksprache zu halten, da sind sie auf sich allein gestellt“, erklärt Weninger

Kaindl und seine vier Kollegen marschieren die Neuhauserstraße hinab. Es ist viel los in der Fußgängerzone, in den Geschäften ist Hochbetrieb. Heute tauchen im Meer der Passanten immer wieder Fans des FC Arsenal, leicht zu erkennen an den Trikots, auf. Bayern-Fans sind dagegen kaum zu sehen. Das macht die Arbeit für die Polizisten leichter. „Schwierig wird es ja meistens dann, wenn verfeindete Fangruppen aufeinandertreffen“, erzählt Kaindls Teamkollege. Insbesondere bayerische Derbys, wenn Bayern etwa gegen den TSV 1860 München oder den 1. FC Nürnberg spielt, seien brisant.

Passieren kann immer was

In der Fußball-Bundesliga gab es vor zwei Wochen bei dem Spiel zwischen Dortmund und Leipzig schwere Ausschreitungen. Die Planung des heutigen Einsatzes der Bereitschaftspolizei in München hat dies aber nicht beeinflusst. Die Begegnung zwischen dem FC Bayern und Arsenal gilt nicht als besonders riskante Partie, schließlich ist keine ausgeprägte Rivalität beider Fan-Lager bekannt. Dementsprechend sind die Londoner Anhänger in der Fußgängerzone quasi unter sich. Weniger wachsam dürfen die Polizisten deswegen aber nicht sein – passieren kann immer was.

Ein blöder Spruch oder ein verschüttetes Bier: Gründe, dass eine Party-Stimmung blitzschnell in Aggression umschlagen kann, gibt es viele. Er habe das bei einem Eishockey-Spiel erlebt, erzählt Kaindl. Gerade noch hatten alle friedlich gefeiert und gesungen. Plötzlich, nur ein paar Sekunden später, gingen die Fans der beiden Vereine aber aufeinander los.

Körpersprache ist wichtig

In der Augustiner-Bierhalle ist alles friedlich. Kaindl und seine Kollegen werden von den feiernden Fans registriert, mehr nicht. Nur einer springt sofort auf und spricht Kaindl an. Er erzählt ihm, dass er das Treffen organisiert hat und Ansprechpartner wäre, wenn es Probleme geben würde. Kontakt haben, mit den Leuten reden, das sei bei diesem Einsatz ein wichtiger Teil seiner Aufgabe, erzählt Kaindl später. Und auch die Körpersprache ist wichtig. Bewusst ziehen die Beamten nicht mit grimmigen Gesichtern durch die Reihen der Londoner Fans, sondern entspannt und lächelnd. Wenn die Situation wie hier völlig friedlich wirke, sei es das Beste, diese Stimmung aufzunehmen, sagt Kaindls Kollege. Manchmal kommen auch Fans und wollen Erinnerungsfotos mit den Polizisten machen. „Das ist auch mal drin, wenn es schnell erledigt ist“, meint der Polizeiobermeister.

In unserem Video spricht Stefan Kaindl über seinen Einsatz in München rund um das Champions-League-Spiel:

Der heutige Arbeitstag der Einsatzhundertschaft dauert lange. Um 10.45 Uhr war in der Zentrale ihrer Bereitschaftpolizeiabteilung eine kurze Vorbesprechung. Seit der Mittagszeit streifen die Beamten nun durch die Münchner Fußgängerzone. Gegen sieben Uhr abends werden sie zum Stadion in Fröttmaning wechseln und dort mindestens bis eine Stunde nach Abpfiff präsent sein. Wenn alles friedlich bleibt, haben sie etwa um Mitternacht Feierabend. Wenn etwas passiert, dauert der Dienst noch länger. Schichten, die über zwölf Stunden gehen, gibt es immer wieder. „Es hängt von der Art des Einsatzes ab. Bei einem wie heute können wir natürlich nicht mittendrin gehen, das ist uns allen bewusst“, sagt Kaindl.

Jeder habe seine eigene Methode, um nach so einem Tag runterzukommen und zur Ruhe zu finden, erzählt er. Manchmal setzen sich die Kollegen in der Unterkunft noch zusammen und reden über den Tag, über die Erlebnisse im Dienst – oder auch über ganz was anderes, über Fußball zum Beispiel. Heute hätten sie dafür genügend Gesprächsstoff. Kaindl ist bekennender Bayern-Fan, sein Kollege hält es mit dem FC Arsenal. „Da wird auch viel gefrotzelt“, erzählt der. Jetzt haben er und Kaindl aber noch in der Münchner Fußgängerzone zu tun. Sie gehen mit ihrem Team zu einem Irish Pub. Dieses wird vor Fußballspielen gerne von englischen Fans zur Einstimmung genutzt. Noch sind aber fast keine da, erfährt er vom Türsteher. „Dann schauen wir erst nochmal die Straße runter“, sagt er zu seinen Kollegen – und dann marschieren sie los.

Vor der Partie sorgten die Arsenal-Fans für mächtig Stimmung:

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Stefan Kaindl über seinen Einsatz in München
Arsenal-Fans feiern in München

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