mz_logo

Sport aus Cham
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Schiedsrichter

Glück und Fürsprecher das Wichtigste

Der Chamer Top-Schiri Martin Speckner und der ständige Behauptungskampf auf oberster und unterster Ebene der Kicker-Szene

Wer sich in der Jugend-Bundesliga behauptet, für den ist die Kreisliga der Erwachsenen ein Kinderspiel: Schiri Martin Speckner hat alle Ebenen gern. Foto: Tschannerl

Runding.Martin Speckner, 22-jähriges Zugpferd der Chamer Schiri-Gruppe, hat sich nicht nur einen Kindheitstraum erfüllt, sondern auch die Bundesliga erklommen. Zwar „nur“ die Jugend-Bundesliga, aber die ist das Größte für ihn. „Das ist unglaublich toll“, freut sich der junge Mann aus Reihen der SG Schloßberg 09. In die „echte“ Bundesliga wird Speckner zwar nicht mehr kommen, doch allein schon die Erlebnisse in der Top-Nachwuchsliga der Republik sind alle Mühen wert. Der Erfahrungsschatz wird mit jedem Spiel größer und damit wertvoller für Herren-Spiele auf Kreisebene: Nur drei gelbe Karten (alle für die Gäste) brauchte Speckner im brisanten Duell der Zandter gegen Spitzenreiter Furth.

Gewisse Gelassenheit (aber nicht Arroganz) machen einen Spitzen-Schiri eben aus, fünf Partien in der A-Jugend-Bundesliga haben Speckner sicherlich weitergebracht. Wenn die Supertalente von RB Leipzig und Hertha BSC Berlin (0:3) aufeinander treffen, „läuft der Ball unglaublich schnell durch die Reihen“, würdigt der Referee die Ausbildung der Helden von morgen. Bei den Erwachsenen in der Bayernliga ist es meist ein härteres Brot: „Die Akzeptanz muss man sich erarbeiten.“ Das beste Mittel: „Wenn du von Beginn an durchgreifst, hast du den Spielern schnell den Schneid abgekauft, wirst akzeptiert.“ Doch: „Dass eine falsche Entscheidung verziehen wird, ist in der Bayernliga auf ein Minimum gesunken“, kennt Speckner die Spielertypen: „Mehr als bei einem älteren Schiri wird sofort versucht, bei einem jungen Schiedsrichter auszuloten, wie weit man gehen kann. Wenn man schnell die Grenzen aufzeigt, ist das aber gleich wieder vorbei.“

Martin Speckner wird natürlich gemessen von der Verbandsgewalt, dem Beobachter: „Nervös bin ich deswegen nicht mehr. In der Bayernliga werde ich bei acht, neun Spielen beobachtet, in der A-Jugend Bundesliga sind es zehn Spiele.“ Nach dem Schlusspfiff gibt es in der Kabine das Analysegespräch, das zwischen 15 und 30 Minuten dauert. „Da werden grundsätzliche Dinge angesprochen, wie Körpersprache, wie Entscheidungen getroffen und übermittelt wurden, welches Spielverständnis man gezeigt hat, Zusammenspiel mit den Assistenten“, ist Speckner da schon ein alter Hase.

Wie in der Leistungsgesellschaft ohne Fußball wachsen natürlich die Aufgaben: Im Gegensatz zur Kreisliga bei Zandt gegen Furth i. Wald verlangt die Jugend-Bundesliga das Headset für die Kommunikation mit den Assistenten: „Das ist ein großer Vorteil, weil man Organisatorisches wie Auswechslungen leichter abstimmen kann, der Kollege an der Linie Hinweise auf versteckte Fouls oder Handspiele geben kann, die man übersehen hat“. Oder der Schiri hat es besser gesehen als der Linienrichter – auch das gibt‘s, bestätigt Speckner.

In der Jugend-Bundesliga trifft Martin Speckner durchaus Prominenz: Herthas Youngster bei den Roten Bullen in Leipzig mit Palko Dardai (18), drei Tage zuvor noch in der Europaliga im Einsatz, der Sohn von Herthas Bundesliga-Coach Pal Dardai. So klein ist die Welt. „Dass die Spieler ganz anders ausgebildet sind als solche zum Beispiel in der Bayernliga“, hebt das Niveau ungemein. Dass Speckner sie pfeifen darf ist für ihn Qualitätsmerkmal. Über seine Zukunft als Schiri macht sich der 22-Jährige keinen Kopf: „Mir stehen alle Möglichkeiten offen, natürlich möchte ich den nächsten Schritt machen und in die Regionalliga aufsteigen.“ Das hätte zur Folge, dass Speckner als DFB-Schiri in der dritten Liga winken dürfte. Und das wäre noch ein Stückchen lukrativer als Jugend-Bundesliga. Doch noch ist das ein Traum, denn Speckner kennt auch die Unwägbarkeiten: „Dazu brauchst du ganz viel Glück, musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und alles muss passen. Doch das liegt nicht in meinen Händen“. Wie wahr, alle Kenner wissen, dass Schiri-Auf - und Abstiege auf allen Ebenen vom Wohl und Wehe „schmaler Schnittstellen“ abhängig sind.

Andererseits ist ein ambitionierter Schiri selbst seines Glückes Schmied: „Ein schlechtes Spiel kann schon bedeuten, dass die Arbeit einer ganzen Saison im Eimer ist.“ Doch solche Gefahr scheint Speckner nicht zu drohen. Nicht nur im Heimatkreis erntet er meist lobende Worte für die Leitung seiner Partien. Um den Stress zu minimieren, muss aber das Umfeld stimmen: „Wenn ich nicht die super Unterstützung von meiner Familie hätte und auch von meiner Freundin, die teilweise am Wochenende oft auf mich verzichten muss, könnte ich das gar nicht so machen.“ Jedes Wochenende zwischen Passau und Berlin. (rtn)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht