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Sport aus Cham
Samstag, 21. Oktober 2017 17° 1

Tour-Tagebuch

Über Klettersteige nach Samnaun

Etappe drei des Transalpine Runs (TAR) ist geschafft – Markus Mingo und Wolfgang Hochholzer haben Blasen und schwere Beine von der Hammerstrecke.

  • Max Hochholzer (li.) hat vor dem Supportbus sogar noch Blumen aufgestellt für seine beiden Trail-Läufer.
  • Downhill von der Doppelseescharte Foto: Trautmann

Cham. Etappe drei führt Wolfgang Hochholzer und Markus Mingo von St. Anton (AT) nach Samnaun (CH):

4.45 Uhr: Wir können es kaum glauben, dass die Nacht schon vorbei ist. Viel zu früh zwingen wir uns um 5 Uhr zum Frühstück, damit wir pünktlich um 7 Uhr die laut Veranstalter „schwierigste Etappe, die je beim TAR gelaufen wurde“, angehen können. 38 Kilometer und 3000 Höhenmeter stehen auf dem Programm. Lust haben wir heute beide keine.

Es liegt nicht an den schweren Beinen, sondern, dass wir seit Tagen extrem schlecht schlafen. Völlig übermüdet schleppen wir uns also zum Start, um noch ein paar sporadische Warmmach-Übungen zu absolvieren. Als es losgeht, sind wir allerdings hellwach und finden uns nach den ersten zwölf Kilometern unter den Top 20 wieder. Ab hier beginnt der Aufstieg zur Doppelseescharte (2786 m).

Streckenchef Wolfgang Pohl hat beim Briefing eindringlich vor dieser Stelle gewarnt und den Läufern ins Gewissen geredet, nur bei absoluter alpiner Erfahrung, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit an den Start zu gehen (vielleicht haben wir deshalb so schlecht geschlafen). Es liegt Neuschnee und wir müssen über Klettersteige und stark ausgesetztes Gelände über den Gipfel. Und das in Laufsachen. Die ersten paar hundert Meter im Abstieg sind mit Fixseilen gesichert. Wir laufen vorsichtig, immer eine Hand am Seil, da es rechts von uns wirklich sehr weit nach unten geht. Aber wir lieben diese technisch schwierigen Stellen und liegen gefühlsmäßig ganz gut im Teilnehmerfeld. Es geht 1400 Höhenmeter hinunter nach Ischgl (1335 m), wo unser Supportbus steht. Wir nehmen uns die zwei Minuten, wechseln die von den Schneefeldern nassen Socken und füllen die Trinkrucksäcke auf. Schließlich wartet ein zweiter langer Aufstieg, die Skipisten hoch, zum Viderjoch (2730 m). Gleich nach Ischgl geht es extrem steil hoch. Wir machen schnell Höhenmeter gut und gelangen ins offene alpine Gelände. Kurz vorm Viderjoch liefern wir uns einen „Kampf“ mit den extrem starken Gesamtführenden in der Damenwertung – Hut ab vor diesen Mädels. Selbst im Downhill nach Samnaun können wir die zwei nicht wirklich abschütteln. Kurz vor dem Ziel geht es zwei Kilometer hinauf ins Dorf. Die taten so richtig weh. Völlig erschöpft, aber total happy laufen wir nach 5 Stunden und 14 Minuten als 14. Team über die Ziellinie.

Klingt alles gut bis jetzt, aber die drei Tage haben uns schon sehr gezeichnet. Blaue Zehen vom Bergab-Laufen, Blasen an der Ferse und natürlich schwere Beine. Bleibt zu hoffen, dass die Wunden nicht größer werden und wir gesund durch die restlichen fünf Etappen kommen… (cgm)

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