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Eisbären
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Eishockey

Die Eisbären Regensburg im MZ-Check

Der Oberliga-Vierte ist im grünen Bereich, hat aber noch Potenzial. Der Knüller ist ein im Sommer noch belächelter Litauer.
von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Dauer-Strahlemann: Mit 17 Toren in zwölf Spielen ist der einmal gesperrte Arnoldas Bosas der beste Torschütze in der Eishockey-Oberliga. Foto; Nickl

Die Torhüter: Bisher nur wenige „Torhüterspiele“

Foto: Nickl

Eisbären-Geschäftsführer Stefan Liebergesell hält den Deutsch-Schweden Peter Holmgren (im Nickl-Bild) gemeinsam mit Lukas Steinhauer von DEL-2-Absteiger und Tabellenführer Rosenheim nach wie vor für den besten Mann auf dieser Position in der Liga – auch wenn der 30-Jährige in der freilich sehr bedingt aussagekräftigen Gegentor-Statistik mit einem Schnitt von 2,65 nach seinen bislang 634:52 Einsatzminuten nur an der siebten Stelle im Gesamt-Überblick der Eishockey-Oberliga Süd zu finden ist.

Allerdings: Bislang gab es auch – bis auf die Partien in Landshut zum Saisonstart (3:1) und in Weiden (4:1) vielleicht – eher wenige „Torhüterspiele“, in denen Holmgren seine Qualitäten auch für alle offensichtlich und gewinnbringend unter Beweis hätte stellen können, was gleichzeitig Zurückhaltung in der Bewertung erfordert.

Holmgrens Stellvertreter Jakob Urbisch (Gegentor-Schnitt 4,57) hatte bei seinen 144:26 Minuten auf dem Eis übrigens nicht immer Glück, aber durchaus bereits bewiesen, dass der Eindruck aus der Vorbereitung stimmt. Der neue Deutsch-Tscheche bekam von Trainer Beppi Heiß wie angekündigt seine Einsatzzeiten und bewies trotz der nicht vorzüglichen Zahlen, dass auf ihn Verlass sein kann.

Fazit: Der Umbau auf dieser Position ist geglückt. Das neue Gespann gibt keinen Anlass zur Sorge und kann noch der gewünschte Trumpf werden.

MZ-Bewertung: passt so (vier von sechs Punkten)


Die Abwehr: Noch am meisten Luft nach oben

Foto: Nickl

Schon die Zahl der Gegentore zeigt: In dieser Kategorie ist Steigerungspotenzial vorhanden – was aber an der Abwehrarbeit des Gesamtteams liegen mag. An den gedachten Leistungsträgern Sebastian Alt und Tomas Gulda entzündete sich bereits Fankritik. „Alts Aufbauspiel ist noch suboptimal“, weiß Stefan Liebergesell und glaubt, dass der zuletzt verletzt vom Eis gegangene Neuzugang (im Nickl-Bild) bald auf die Beine kommt. „Es wird besser. Das dauert – auch wenn jemand aus Bietigheim kommt, wo er zuletzt ja Stürmer gespielt hat. Er ist kein alter Hase und doch auch erst 24.“

Bei Gulda, der der Mann für die Schlagschüsse von der blauen Linie ist, findet der Geschäftsführer die Vorwürfe sogar „ein bissl unfair. Er spielt eben viel auf Risiko. Im Vorjahr hat er zwei Tore geschossen und jetzt schon fünf“. Begonnen hatte Trainer Beppi Heiß die Saison mit vier Verteidigerreihen und diese konsequent spielen lassen. Zuletzt halfen Philipp Vogel und Xaver Tippmann – mit durchaus ansprechenden Leistungen – im Sturm aus.

Kevin Schmitt ist wie gewohnt die Stabilität in Person – und kommt seinem Vorsatz weiter näher, sich stetig in den Offensivzahlen zu verbessern. Auch Sebastian Wolsch tritt anders als in Irwin-Tagen auf und bei Korbinian Schütz blitzt das vorhandene Potenzial zumindest stellenweise auf. Eine fundierte Beurteilung von Rückkehrer Alexander Eckl fällt noch schwer.

MZ-Bewertung: ausbaufähig (drei von sechs Punkten)


Der Angriff: Problem gelöst, Duo in der Kritik

Foto: Nickl

Vor einem Jahr war es die nie in den Griff bekommene Problemposition, heuer ist es der Glücksgriff: Mit dem kritisch beäugten Litauer Arnoldas Bosas hat ein Neuzugang mit 17 Toren in zwölf Spielen als bester Oberliga-Torschütze und Nebenmann von Nikola Gajovsky jeden Zweifel beseitigt. „Wir wussten, dass er gut ist, aber gleich so gut“, freut sich Stefan Liebergesell. „In meinen Augen haben wir damit das beste Ausländerduo der Liga.“

Auch Sorgenkinder aber gibt es jenseits der verletzten Leopold Tausch und Lukas Heger, die nach der Pause noch zwei bis vier Wochenenden fehlen werden – obwohl kein Team besser traf als die Eisbären. Am meisten im Fokus steht Jason Pinizzotto (im Nickl-Bild), von dem sich mancher wohl mehr erwartet hätte, obwohl er unter den Top-Ten-Skorern der Liga ist. „Was erwartet man von einem 37-Jährigen?“, fragt Liebergesell und stellt sich auch vor den aus Crimmitschau gekommenen Routinier. „Vergangenes Jahr hatten wir keinen wie ihn für die Rebounds oder um Schüsse abzufälschen. Jeder hat seine Qualitäten – und die 22 Skorerpunkte lügen nicht. Er kam außerdem mit Kniebeschwerden, wird aber langsam beschwerdefrei.“

Ebenfalls mehr erwartet wurde von Yannik Baier. „Klar hatten wir bei der dritten Reihe gehofft, dass sie produziert. In der Vorbereitung hat das geklappt. Aber einen Baier haben wir ja vor allem als Unterzahlspieler kommuniziert, der eher 30 Tore verhindert als 30 Tore schießt“, sagt Liebergesell.

Bewertung: gut (fünf von sechs Punkten)


Statistisches Allerlei nach 13 Spielen

  • Heim- und Auswärtsbilanz:

    Die Eisbären-Krux liegt in der Donau-Arena, wo vier der fünf Niederlagen des Tabellenvierten zustande kamen. Auswärts verlor das Heiß-Team von sechs Partien nur die bei Tabellenführer Rosenheim. „Die Heimniederlagen wurmen uns alle. Aber wir hätten keines dieser Spiele verlieren müssen“, sagt GmbH-Geschäftsführer Stefan Liebergesell.

  • Abwehr/Angriff:

    Mit 66 Toren haben die Eisbären die beste Offensive vor Deggendorf (65) und Peiting (53). In Sachen Gegentore sind Rosenheim (22), Deggendorf und Landshut (je 37), Selb (38) und Sonthofen (39) besser als der EVR, der wie Peiting bei 41 steht.

  • Zuschauer:

    Nur Rosenheim (Schnitt 2717) steht vor Regensburg (2225).

  • Die Spezialteams:

    In Überzahl haben die Eisbären als Liga-Zweiter hinter Peiting (37,50) mit 33,90 Prozent Erfolgsquote einen Topwert aufzuweisen. Das Unterzahlspiel ist dagegen stark verbesserungswürdig: Nur in 74,60 Prozent der Fälle wird ein Gegentor vermieden. Werte über der anzustrebenden Marke von 80 Prozent haben bisher nur die Top drei aus Rosenheim (90,60), Peiting (87,30) und Selb (81,00).

  • Torjäger und Skorer:

    Mit Arnoldas Bosas (1./17 Tore), Peter Flache (5./10), Nikola Gajovsky (7./10) stehen drei Regensburger unter den Top-neun-Torschützen. Der beste Liga-Vorlagengeber Gajovsky (33) und Bosas (29) führen die Skorerwertung an. Auch Flache und Jason Pinizzotto sind unter den Top neun.

Der Trainer: „Wir sind mit ihm total zufrieden“

Foto: Nickl

Eine Sache stört den Geschäftsführer zur Deutschland-Cup-Pause: „Mich ärgert, dass wir eine künstlich geführte Trainerdiskussion haben“, sagt Stefan Liebergesell. „Dabei sind wir mit Beppi Heiß (im Nickl-Bild) total zufrieden – sowohl fachlich als auch was die Menschenführung angeht. Er steht überhaupt nicht zur Debatte.“ Im Eisbären-Anhang dagegen wird eine Handschrift vermisst, obwohl die Regensburger als Tabellenvierter in erwarteten Tabellenregionen stehen. Liebergesell sieht das nicht so und strebt Gespräche über eine Vertragsverlängerung an. Eine umfassende Heiß-Beurteilung macht wenig Sinn. Der ehemalige Nationaltorwart wirkt ruhig und besonnen – eine echte Krise gab es bislang nicht. Die Unzufriedenheit könnte daher rühren, dass vier der sieben Heimspiele verloren gingen. „Unsere Auswärtsstärke dagegen (nur eine Niederlage in Rosenheim, d. Red.) ist fast unheimlich. Bei den Heimfahrten war die Stimmung im Bus immer gut“, sagt Stefan Liebergesell.

Bewertung: passt so (vier von sechs Punkten)


Das Umfeld: Liebergesell sieht das Team „im Soll“

Foto: Nickl

Vom Geschäftsführer über den Trainer und den Kapitän bis zum Eisbären-Comeback und Austausch des halben Kaders: Vieles war neu. Noch bei der Amtseinführung des 24-jährigen Stefan Liebergesell im April war nicht nur dessen Jugend ein Thema. Sieben Monate später gilt: Es wurden etliche Projekte angeschoben und die Akzeptanz von 2225 Zuschauern im Schnitt ist gut, auch wenn nicht nur Liebergesell nach wie vor ein Spiel mit einer Drei (oder mehr) vorne vermisst.

Für die elf neuen Spieler zieht der Eisbären-Geschäftsführer sein Fazit so: „Man kann nicht erwarten, dass jeder Neue sofort funktioniert. Einige sind noch verbesserungswürdig, aber einen Fehlgriff kann ich nicht erkennen.“ Liebergesell sieht das Team „nach 13 Spielen absolut im Soll. Ein Beppi Heiß ist hergekommen, um etwas aufzubauen. Wir wollten ja erst einmal ein gutes Gerüst haben.“ Dementsprechend macht sich Liebergesell mit dann wesentlich mehr Vorlauf als bei seinem Amtsantritt auch bereits erste Gedanken über das Team 2018/19.

Bewertung: passt so (vier von sechs Punkten)

Alle Bewertungen im Überblick:
Sechs Punkte: perfekt
Fünf Punkte: gut
Vier Punkte: passt so
Drei Punkte: ausbaufähig
Zwei Punkte: stark verbesserungsfähig
Ein Punkt: indiskutabel

Mehr Infos rund um die Eisbären aus Regensburg gibt es hier!

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