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Sonntag, 30. April 2017 13° 2

Eishockey

Der EVR steht vor der nächsten Zäsur

Dass Trainer Doug Irwin geht, ist nicht offiziell, aber klar. Nach dem Aus in Sonthofen beginnt die Zeit der Spekulationen.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Bei den Regensburgern um EVR-Torhüter Peter Holmgren (Mitte) herrschte große Enttäuschung. Foto: Melanie Feldmeier

REGENSBURG.Billy Trew schoss zwei Sekunden vor Schluss ein letztes Mal auf das Tor von Patrick Glatzel, einem der neuen, großen Helden in Sonthofen. Der Schuss war wie das letzte Spiel des EV Regensburg – nicht schlecht, aber längst nicht gut genug. Das 2:3 war vor 1369 Zuschauern der passende Playoff-Schlusspunkt einer EVR-Saison, in der von Beginn an nichts perfekt passte.

Draußen auf dem Eis jubelte der Bulls-Anhang jenem Team aus Youngstern und Routiniers, aus Fixgrößen und Förderlizenzspielern zu, das sich die Saison über Schritt entwickelt und im K.o.-Modus zu jener Einheit geworden war, wie es die Playoffs erfordern. Im Mittelpunkt der Fanfeier stand Trainer Heiko Vogler, der zu Tränen gerührt war und später gestand, dass im Saisonverlauf auch schon Tränen der Verzweiflung ob der Anfeindungen flossen, als sein Team Tabellenletzter gewesen war.

„Wir nehmen alles mit, was kommt“

All das ist seit Freitag vergessen: Nach einer Aufholjagd ohne Ende hatten Vogler und Co. auf den letzten Drücker die Meisterrunde als Achter erreicht, sich dort – quasi im Verborgenen – zu einem Topteam gemausert, sich auf Platz sechs nach vorne geschoben und ohne den Hauch von Druck als vorläufigem Höhepunkt den Tabellendritten EVR mit kalter Schnauze aus dem Wettbewerb bugsiert. „Wir nehmen alles mit, was kommt“, sagte Vogler zu den weiteren Aussichten, „auch das Halbfinale. Aber erst einmal genießen wir den Moment.“

Dass das Playoff-Aus mehr als eine Niederlage sein könnte, fürchtet MZ-Redakteur Claus Wotruba in seinem Kommentar.

Kommentar

Ein flaues EVR-Gefühl

Raus ohne Applaus – und zwar verdient. Ganz ehrlich: Dem EVR-Team fehlte der Meistermumm. An sich ist das nicht schlimm, denn Playoffs leben nun mal von...

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Drinnen saß eine bedröppelte EVR-Mannschaft, die zwar wollte, aber nie den Willen jenes Playoff-Feuers vermittelte, den Lukas Heger vor kurzem im lokalen Fernsehstudio noch so formulierte: „Wir kommen weiter, weil wir es mehr wollen.“ Auch das Publikum hatte sich die Playoff-Ekstase der vergangenen beiden Spielzeiten aufgehoben und auf entscheidendere Spiele gewartet – die nun nicht mehr kommen. Auch hier galt: Die rund 5000 Zuschauer in den beiden Heimspielen waren nicht schlecht, aber –- wie die Leistung der Mannschaft – auch nicht richtig gut.

Was bleibt, ist die Sicherheit, dass das Eishockey in Regensburg wieder eine Zäsur erwartet. Nach einem überraschend steilen Aufstieg aus den Trümmern von 2013 und mit Blick in die Zweitklassigkeit, stellt sich die Frage, ob der Verein sich leisten kann, wieder ein so hochwertiges Team auf die Beine zu stellen. EVR-Vorstand und GmbH-Chef Ivo Stellmann-Zidek hatte zwischen den Zeilen immer wieder mal durchblicken lassen, dass jene Mannschaft finanziell am oberen Ende des Machbaren beheimatet ist. Wie die Lage der Finanzmittel nach dieser Saison ist, ist eine der spannenden, zu klärenden Fragen. Es wird einen Umbruch geben, der Verein wird seine Ambitionen neu definieren – und sich ganz, ganz neu orientieren? Müssen?

Schon unmittelbar nach Spielschluss hatte Ivo Stellmann-Zidek reagiert und in einer Mail geschrieben: „Natürlich hatten wir alle Lust auf Mehr und uns größere Ziele gesetzt. Leider haben Playoffs im Eishockey ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sport birgt so manche Überraschungen“, formulierte der EVR-Boss. „Jetzt gilt es nach vorne zu blicken. Zusammen mit meinem Team werde ich in den nächsten Monaten die vergangene Spielzeit analysieren und ein Resümee für die EVR-Zukunft daraus ziehen. Unsere Energie richtet sich jetzt auf die Vorbereitungen für die neue Saison, mit denen wir ohnehin bereits begonnen haben. Sobald hier Ergebnisse vorliegen, werden wir uns an die Öffentlichkeit wenden.“ Nähere Auskünfte mag Stellmann-Zidek momentan nicht geben.

Drei haben noch Verträge

Fakt ist, dass Verträge von Barry Noe, Peter Flache und Sebastian Wolsch bekannt sind. Auch der spät dazu verpflichtete Torhüter Peter Holmgren, der im Entscheidungsspiel in Sonthofen nichts an der Niederlage ändern konnte, soll so einen Kontrakt haben. Bei den Fandiskussionen im Forum wurde der immer wieder überragende, aber in den Playoffs torlose Nikola Gajovsky nun schon mehrfach mit Landshut in Verbindung gebracht.

Nicht offiziell gemacht, aber Fakt ist auch, dass Doug Irwin nicht in ein viertes Trainerjahr beim EVR gehen wird. Teile von Volkes Stimme hätten den Mann, der den rasanten EVR-Aufstieg so mitgeprägt hatte und dafür gefeiert worden war, am liebsten schon das vierte Spiel nicht mehr erleben lassen und übergossen ihn mit Kritik. „Nach all dem, was war, bin ich stolz auf den dritten Platz“, sagte Irwin nach dem Playoff-Aus von Sonthofen noch einmal. „Aber mit sechs Toren in vier Spielen kannst du eine Serie nicht gewinnen.“ Und auch nicht mit Fehlern in so einem Moment, wie jener Strafzeit wegen Spielens mit sechs Mann, als eine Unaufmerksamkeit beim Wechsel nicht nur die größte EVR-Drangperiode des Spiels beendete, sondern auch noch das durchaus weichenstellende 0:2 nach sich zog.

Mit Bad Tölz nicht mehr geredet

Doug Irwin wird gehen und er sagt: „Ich habe bis zum Schluss alles gewollt und alles gegeben.“ Auch da wollen einige das sichere neue Ziel kennen, das Irwin leugnet: „Ja, im Januar habe ich mit Bad Tölz geredet, aber seither nicht mehr.“ Und für den EVR fiel als Irwin-Nachfolger im Fanforum im Netz ebenfalls schon öfter der Name eines EVR-Ehemaligen: David Cermak. EVR-Boss Stellmann-Zidek hatte vor der Sonthofen-Partie nichts in Richtung derartiger Gedanken bestätigen wollen, jetzt aber gilt es auch diese Sache als eine der ersten Personalien zu klären.

Nach der Saison ist es im Eishockey stets genauso spannend wie während der Saison. Diese Zeit beginnt früher als gedacht. Zumindest beim EVR.

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