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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Eishockey

Ein Erdbeben bei den Eisbären

Stefan Liebergesell ist nicht mehr Geschäftsführer, Christian Sommerer übernimmt. Beppi Heiß sieht im Wirbel eine Chance.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Nach knapp acht Monaten ist die Amtszeit von Geschäftsführer Stefan Liebergesell bei den Eisbären schon wieder vorbei. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Jetzt ist es offiziell: Stefan Liebergesell ist nicht mehr Geschäftsführer der Eisbären-GmbH. Am vergangenen Freitag war der 24-Jährige beim 7:1 gegen Memmingen zum ersten Mal seit langem nicht bei einem Spiel des Eishockey-Oberligisten,danach schossen die Spekulationen ins Kraut. Am Montag ging um 10.12 Uhr eine Pressemitteilung der GmbH ein, dass Liebergesell „aus persönlichen Gründen“ um Entbindung von seinem Amt gebeten hätte. Liebergesell selbst wollte sich nicht über die offizielle Verlautbarung hinaus äußern. Die Nachfolge wird mit Christian Sommerer „übergangsweise“ aus dem Kreis der Gesellschafter geregelt.

Erst im April war Stefan Liebergesell, den sein Vorgänger Ivo Stellmann-Zidek als Stadion- und Pressesprecher bei seiner Amtsübernahme 2013 zum EV Regensburg geholt hatte, in einer neuen Gesellschafterstruktur mit insgesamt 14 Personen zum Geschäftsführer bestimmt worden. Liebergesell verpflichtete mit dem Ex- Nationaltorwart Beppi Heiß einen namhaften Trainer, sorgte bei elf Neuzugängen für einen sportlichen Umbruch im Team mit und organisierte die Geschäftsstelle neu. Nach 17 Spielen ist das erklärte Ziel Platz vier mit drei Punkten Rückstand zwar in Reichweite, doch Teile der Fans sind nicht erst seit der 4:5-Niederlage in Landshut, mit der das Eisbären-Team auf Rang sechs abrutschte, unzufrieden mit den Auftritten der Mannschaft.

Wie sehen die Machtverhältnisse bei der Eisbären GmbH aus? Ein aktualisierter Überblick

So kennt man Christian Sommerer auch im Stadion: Der interimsmäßige Liebergesell-Nachfolger ist Fan des NHL-Klubs New York Rangers. Foto: Archiv (Tino Lex)

„Die EVR Eisbären Regensburg Spielbetriebs GmbH und Stefan Liebergesell einigen sich auf eine Beendigung der Zusammenarbeit und gehen somit getrennte Wege. Der 24-jährige Liebergesell hatte seit April 2017 die Geschäftsführung inne und stellt sich nach getaner Basisarbeit nun aus persönlichen Gründen neuen Aufgaben“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. „Für seinen jahrelangen und leidenschaftlichen Einsatz rund um das Eishockey in Regensburg bedanken sich die Eisbären bei Stefan Liebergesell und wünschen ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute.“

Die Formulierungen der offiziellen Mitteilung lesen sich gemäßigt, dennoch ist es ein Erdbeben bei den Eisbären. Hinter den Entscheidungen steckt auch ein Machtkampf im Gesellschafterkreis, dem neuerdings auch Stefan Liebergesells Vater Thilo nicht mehr angehört, der auf der GmbH-Internetseite ebenso nicht mehr geführt wird wie Betreuer Thomas Holzer.

Im Sommer 2015 hatte Ivo Stellmann-Zidek die GmbH gegründet und war als Alleingesellschafter aufgetreten. Eine passende Gesellschafterstruktur zu entwickeln hatte der gleichzeitige Vereinsvorsitzende des EV Regensburg zwar auf dem Zettel, konnte diese aber nicht umsetzen.

Die Pressemitteilung der Eisbären im Wortlaut

Trainer Beppi Heiß reagierte auf die Nachricht auf Nachfrage unseres Medienhauses so: „Das ist auch nicht mein Bereich. Wir müssen unseren Job auf dem Eis machen. Aber Stefan war ewig mit dem Verein verbunden und kennt einige Spieler sehr persönlich. Deswegen steckt das natürlich in der Mannschaft drin.“ Der ehemalige Nationaltorwart spürte die Strömungen schon länger: „Man hört mal von der einen Seite etwas und mal von der anderen. Das ist ja nicht von heute auf morgen so gekommen. Ich hoffe nur, dass schnell wieder Ruhe reinkommt.“

Die neueste Eisbären-Entwicklung hemmt zunächst auch. „Am Dienstag gibt es ein offizielles Gespräch mit der Mannschaft“, sagt Beppi Heiß und wirft den Blick auch auf die neue Saison. „Wir haben einen guten Kern und da sollte man frühzeitig die Weichen stellen. Es hat sich schon einiges verschoben. Wenn man den nächsten Schritt machen will, muss man früh handeln und mit Leuten wie einem Arnoldas Bosas frühzeitig reden. Er würde sicher gerne eine Liga höher spielen – und ein paar andere auch.“

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Auf sich selbst sieht Beppi Heiß keine große Veränderung zukommen. „Ich sage immer offen meine Meinung: Egal, ob einer Person oder zehn Personen“, sagt Heiß. „Klar war Stefan Liebergesell mein erster Ansprechpartner hier. Aber ich bin ja nicht wegen ihm hergekommen, sondern wegen der Aufgabe. Ich wusste, dass Regensburg ein heißes Pflaster ist, das Umfeld schwierig ist und die Erwartungshaltung hoch. Aber wenn ich Angst gehabt hätte, hätte ich es sein lassen.“

„Das schweißt zusammen“

Der 54-Jährige sieht nach dem Wirbel sogar eine positive Entwicklungschance für das Team, das zudem derzeit stark dezimiert ist. Beim 4:5 in Landshut am Sonntag fehlten zuletzt fünf Stammspieler. „Wenn wir das jetzt schaffen, dann schweißt das zusammen. Wir können daraus lernen – auch wie man untereinander miteinander umgeht“, sagt Heiß und bilanziert. „Für unsere personelle Decke ist das Tabellenbild in Ordnung. Junge Spieler treffen eben bisweilen die falsche Entscheidung – und wenn ein Spieler statt zu passen die Scheibe vertändelt, ist das keine Frage der Taktik. Vorwerfen kann ich das niemandem.“

Beppi Heiß hofft auf eine Besserung der personellen Lage. „Wenn der eine oder andere zurückkommt, lässt sich die Last wieder besser verteilen. Unser Ziel sind die Playoffs, und da wollen wir fit sein.“ Positive Zeichen sah Beppi Heiß schon in Landshut. „Wir haben uns nach dem 2:5 noch einmal herangekämpft und machen mit ein bisschen Glück auch den Ausgleich.“

Der Facebook-Post, mit dem die Eisbären den Abschied von Stefan Liebergesell verkünden.

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