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Eishockey

EVR-Boss fürchtet eher die treuen Fans

Ivo Stellmann-Zidek spricht über den neuen Druck und gibt zu: „Die letzte Saison hätte auch in die Hose gehen können.“
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Nach zwei Jubeljahren weht auch Vereins- und GmbH-Boss Ivo Stellmann-Zidek beim EV Regensburg mehr Wind ins Gesicht. Foto: Nickl

Regensburg.Kritiker haben Indizien ausgemacht, dass der EV Regensburg ja gar nicht aus der Oberliga in die DEL 2 aufsteigen wolle. Was sagt der Vorstand und Chef der GmbH dazu?

Ich verstehe diese Leute ehrlich gesagt nicht. Ich bekomme diese Kritik auch mit. Aber der Weg führt immer in die Sackgasse. Ist ja hier auch schon passiert. Man kann nicht ständig nur aufrüsten für ein Ziel und wenn es nicht klappt, pleite gehen.

Dieser Weg ist nicht Ihrer.

Ich höre oft als Vorwurf, dass man erst investieren muss, bevor man erntet. Aber ich kann nicht ständig mehr investieren als ich habe. Ich habe versprochen, dem Trugschluss möglichst nicht zu unterliegen, dass man glaubt, je mehr man in eine vermeintlich stärkere Mannschaft investiert desto mehr kommen die Zuschauer und Sponsoren und alles refinanziert sich. Das ist ein Trugschluss. Ich hatte mir auch nach den letzten drei jahren erwartet, dass das Sponsorenaufkommen spürbar ansteigt. Das ist nicht passiert. Wir steigern uns zwar, aber nicht wie ich es mir erträumt habe.

Wäre die DEL 2 überhaupt machbar?

Wenn wir so weit sind, wird sie machbar sein. Aber jetzt im Moment bin ich so weit wie vor einem Jahr und kann nicht locker sagen: Ja, das machen wir auf jeden Fall.

Die Pressekonferenz mit der Stadt Ende Mai, als es auch um die DEL-2-Ambitionen ging, war als Initialalzündung gedacht. Auch danach ist nicht viel passiert?

Außer Aufmerksamkeit gar nichts.

Es sieht fast so aus, als wäre der EVR eine Art Eishockey-Zwitter: Für die Oberliga fast überqualifiziert, gerade nach dem Umbau der Donau-Arena. Aber für die DEL 2 fehlt die Finanzkraft.

Nach der Ansicht der Fans sind wir wohl nicht zu gut für die Oberliga. Wir haben uns ja nicht dementsprechend verstärkt (lacht). Nein, es stimmt: Gerade war wieder ein Oberligatreffen und da werden wir vielen angesprochen, die uns alle in der zweiten Liga sehen. Da spricht vieles dafür, dass wir da reingehören.

Aber?

Da sind wir wieder bei den Bedingungen. Das ist eben der springende Punkt. Wir haben Bedingungen, die für die Oberliga zu teuer sind. Das spreche ich zwar immer wieder an, wird aber gerne vergessen. Das Geld für die Superbedingungen muss man erstmal einnehmen. Es fehlt dann, um noch mehr in die Mannschaft zu investieren. Wir brauchen viele Fans, um den Standard zu finanzieren. Wir haben eine Hallenmiete wie man sie anderswo nicht hat. Dazu kommt jetzt auch der Anbau. Das kann man ja gar nicht geschenkt bekommen. Durch die steigende Anzahl der Zuschauer erhöhen sich auch Abgaben und die Ausgaben für den Sicherheitsdienst. Die höheren Einnahmen fließen nicht zu 100 Prozent in den Verein. Das ist der Trugschluss, dem nicht nur Fans, auch andere Klubs unterliegen.

Inwiefern?

Wenn ich einem Finanzchef von Peiting vorrechne, was wir alles zahlen, wird dem übel und schwindelig. Die zahlen Pacht für ein Jahr, wir zahlen für jede Trainingseinheit. Deswegen funktioniert das dort auch mit ein paar hundert Zuschauern im Schnitt.

Nach zwei Jahren der Euphorie scheinen die Jubelzeiten vorbei.

Ich bin da gespalten. Bei den eingefleischten Eishockeyfans und eingefleischten Sponsoren trifft das zu. Ich verstehe, dass die hungrig sind nach mehr Erfolg und mehr Qualität nach den Jahren des Dahinsiechens. Aber ich würde mir gerade von dieser Klientel noch mehr Vertrauen und Geduld wünschen. Weil sie ja wissen, was in der Vergangenheit schief lief.

Unter anderem mit zwei Konkursen 1992 und 2008.

Man kann über meinen GmbH-Geschäftsführer-Vorgänger aus Eisbären-Zeiten (Markus Schrör, d. Red.) denken, was man mag. Ich habe ihn nicht kennengelernt. Ich erfahre sehr viel aus verschiedensten Seiten. Ich habe auch gehört, dass er damals von den Gesellschaftern stark unter Erfolgsdruck gesetzt wurde, sprich, man muss mehr investieren, man will ja aufsteigen. Ich glaube mittlerweile stark, dass dieser Druck da war.

Das heißt, Sie spüren ihn jetzt auch?

Ich spüre den auch. Ich habe nur den Vorteil, dass ich keinen Gesellschaftern verantwortlich bin und mich keiner unter Druck setzen kann, weil ich quasi mein eigener Chef bin.

Fürchten Sie den Druck?

Ich habe vergangene Saison viel investiert. Ich kann das jetzt mal offen sagen: Es hätte auch in die Hose gehen können. Wir haben eine Supermannschaft aufs Eis gestellt, sind souverän Meister geworden und in den Playoffs hat es doch nicht geklappt. Wer garantiert mir denn, dass es klappt, wenn ich noch mehr ausgebe?

Es gibt ja immer mehrere Kandidaten, die nach oben wollen.

Siehe Bayreuth: Die hatten das defintiv nicht geplant und haben das geschafft. Und nur, weil wir es letztes Jahr nicht geschafft haben, heißt das nicht, das wir es nicht dieses Jahr mit dieser Mannschaft schaffen können. Ich habe ganz klar die Vorgabe gemacht, dass wir das Budget der letzten Saison nicht überschreiten. Daran halte ich mich strikt. Das hat nichts mit Wollen oder Nicht-Wollen zu tun, sondern mit dem Budget.

Nicht alle wollen das akzeptieren, oder?

Da sind eben diese eingefleischten Eishockeyleute, die Druck machen und sehr hohe Erwartungen haben. Ich kriege aber auch viel Input von Leuten, die nicht jede Nachricht mit Argusaugen verfolgen und sich freuen, dass es eine tolle Eishockeymannschaft gibt, denen das Event und die Stimmung gefällt. Ich behaupte ein bisschen provokativ: Die treue Fraktion ist für einen Klub gefährlicher als alles andere. Der Eindruck drängt sich mir auf. Wenn ich mal aufhöre, dann nicht wegen der Eventfans, sondern wegen den druckmachenden Fans. Auch wenn ich nicht behaupten will, dass da alle so denken.

Wie wichtig ist der Erfolg heuer für die wirtschaftliche Seite?

Der ist immer wichtig. Diese Mannschaft ist nicht billig. Die muss ich finanzieren, die Unkosten steigen. Wir müssen den Zuschauerschnitt vom letzten Jahr erreichen und zwei, drei Runden in den Playoffs spielen, damit es wirtschaftlich stabil bleibt.

Wobei der Zuschauerschnitt vergangene Saison mit rund 2800 ja exorbitant hoch war für Oberliga-Verhältnisse.

Aber der hat das ausgeglichen, was ich letztes Jahr riskiert habe. Das muss man offen so sagen. Die Mannschaft war eigentlich zu teuer. Wenn ich ganz streng bin, dann habe ich letztes Jahr meinen Vorsatz, nicht mehr auszugebe als ich habe, schon gebrochen. Da habe ich mich in die Zone gewagt. Aber das habe ich bei dem Oberligatreffen auch gesehen: Eigentlich lebt jeder Klub so, dass er bissl über die Grenze geht. Die Frage ist, wo ist die Grenze, wo es dich zerreißt? Der Ligenleiter warnt immer wieder. Die Schuld für die Situation in der Oberliga geht also an die Vereine. Wenn immer wieder welche pleite gehen. Das ist genau diesem Irrglauben geschuldet.

Gibt es Wünsche für die neue Saison?

Ein oder zwei sehr große Sponsoren – und den Aufstieg wünsche ich mir schon, wenn die Zustimmung der Zuschauer da ist. Und ansonsten einfach eine spannende Spielzeit.

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