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Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Eishockey

EVR: „Es gab von Anfang an Fehler“

Trainer Doug Irwin verlässt Regensburg und übt nach dem Playoff-Aus Kritik: „Eine Zusammenarbeit stelle ich mir anders vor.“
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Doug Irwin blickte zuletzt öfter mal ernst drein: Der EVR ist raus aus den Playoffs und der Trainer verlässt Regensburg nach drei Jahren. Foto: Nickl

Regensburg.Doug Irwin, wie tief sitzt nach dem Playoff-Aus in Sonthofen die Enttäuschung?

Es dauert noch. Ich bin sehr enttäuscht über das frühe Ausscheiden. Aber ich bin allgemein enttäuscht von der ganzen Saison.

Was hat gefehlt im entscheidenden Moment oder generell?

Ich habe das oft genug gesagt. Das Verletzungspech, das wir hatten, spielt eine große Rolle. Das glaube ich immer noch. Trotzdem waren da Fehler von Anfang an: in der Vorbereitung, in der Planung dieser Saison im Vergleich zu meinem ersten und zweiten Jahr in Regensburg. Das größte Problem ist, dass Martin Ancicka sich zurückgezogen hat. Er ist immer noch ab und zu Gesprächspartner für die Vorstandschaft oder mich. Aber er ist selten da und hat keine offizielle Funktion für die erste Mannschaft. Das ist ein Riesenloch in den letzten zwölf Monaten. Und das ist das Ergebnis, das dabei herausgekommen ist.

Das wirkt sich direkt aus, auf die Mannschaft, auf den Trainer, auf alles?

Auf alle Fälle. Unter Zusammenarbeit verstehe ich etwas ganz Anderes, besonders bei einem Verein, der Aufstiegspotenzial hat.

Es war der Eindruck von Anfang an, dass der Trainer nicht in alle Entscheidungen eingebunden war zum Beispiel in die Kooperation mit Riessersee.

Ja, das ist Tatsache, und das kann auch nicht sein. Ein Trainer spielt für solche Entscheidungen eine große Rolle und jede Entscheidung, die die erste Mannschaft betrifft.

Sie sagten, es gab mehr Kommunikation, als Sie in Kanada waren als letzten Sommer, als Sie in Deutschland waren.

Ich war seit 1. Juli da wegen der kranken Schwiegermutter. Trotzdem gab es wenig Kommunikation und es fielen Entscheidungen, ohne dass ich etwas wusste. Das spielt eine Rolle in meinen Gedanken, auch für meine Autorität bei der Mannschaft und in der Kabine. Das gefällt mir nicht.

Doug Irwin hat viel für den EVR geleistet, findet MZ-Experte Claus Wotruba in seinem Kommentar.

Kommentar

Einer für den Ehrenplatz

Der Trainerjob ist simpel definiert: Gewinnst du, bist du der Held, verlierst du, bist du der Sündenbock. Alles, was im Erfolg gut ist, ist im Misserfolg...

Würden Sie selbst irgendetwas anders machen in Bezug auf Entscheidungen, die Sie selbst in der Hand hatten?

Sicher, die Entscheidung mit Adam Stuart war voll meine und eine Fehlentscheidung. Da stehe ich dazu. Aber ich stand auch allein. Wir mussten etwas tun, es war fünf vor zwölf. Ich habe nach acht Vorbereitungsspielen gesehen, dass das nicht funktioniert. Das ist eine Schlüsselposition und das brachte Unruhe. Kurz vor den Punktspielen hat man Brandon Wong verpflichtet: Aber ganz ehrlich, das war auch nicht der Richtige. So schnelle Entscheidungen sind schwer und du musst Glück haben. Das, was wir an Glück hatten in den ersten zwei Jahren, hatten wir Pech in dieser Saison. Jede große Entscheidung ist eigentlich schiefgegangen.

Das betrifft auch Nikola Gajovsky?

Er hat auch keine gute Saison gespielt nach meiner Meinung. Wenn eine Mannschaft einen Titel gewinnen will, müssen ein Gajovsky oder Wong überragend sein – und das nicht für ein Spiel oder zwei, sondern alle 12, 13 oder 14 Playoff-Spiele. Die müssen kämpfen und arbeiten bis zum Umfallen. Ich habe das von den beiden fast nie gesehen. Die besten Spieler müssen die besten Spieler sein. Ich habe Gajovsky vier Spiele nicht gesehen und dann ist der Trainer der Depp? Wenn ich ihn nicht motivieren kann, muss die Vorstandschaft etwas tun: Entweder sie stehen zu mir oder sie entlassen mich. Auch ein Wong war kein Führungstyp. Wir dachten, wir hätten einen Riesenspieler. Aber er ist Durchschnitt in der Liga: Jeder, der etwas anderes denkt, hat keine Ahnung.

Hat sich das Verhältnis zur Mannschaft verändert? Darüber wird auch spekuliert.

Da muss man die Spieler fragen. Ich habe alles getan, was ich tun kann, um es zu drehen. Aber die Probleme habe ich die ganze Saison gesehen. Im Endeffekt war da zu wenig Wille und Charakter und Herz und Zusammenhalt.

Das war Sonthofens Plus?

Ja. Talent hin oder her: Aber Herz und Charakter müssen dabei sein, sonst reißt du in den Playoffs nichts. Wenn jeder so hart gearbeitet hätte in diesem Verein wie ich in den letzten zwölf Monaten, dann spielen wir bis Ende April. Da können die Leute sagen, was sie wollen. Ich bin stolz auf die drei Jahre. Als ich kam, war der Verein kurz vor dem Ende.

Das war ein persönliches Risiko.

Klar. Martin Ancicka hat mich damals überredet, dass hier etwas möglich ist und Riesenpotenzial da ist.

Es hieß damals, eine Spitzenmannschaft müsse langsam aufgebaut werden. Ein paar Monate später wart ihr es.

Da brauchst du viel Glück dazu. Das hatten wir mit einem Stieler und einem Oakley. Alles hat gepasst. Das Team vor zwei Jahren hatte weniger Talent als diese heuer – und weniger Erfahrung. Wir haben in der zweiten Saison Leute dazu bekommen, der Kader war tiefer, besser. Deswegen hatten wir eine Riesensaison. Heuer hat das von Anfang an nicht funktioniert. Ich habe versucht, es zu ändern. Ich kann ruhig in den Spiegel schauen und sagen, ich habe mein Bestes für den EV Regensburg gegeben. Wenn jeder das sagen kann, wäre ich überrascht.

Auch im Team?

Die Einstellung in dieser Kabine hatte nicht Meisterqualität. Dazu stehe ich. Negative Leute bringen die Stimmung runter. Du brauchst positive Menschen, um etwas vorwärtszubringen. Das war immer meine Philosophie. Und ich hatte zu wenig dieser Leute in meiner Kabine. Deswegen hat ein Stiefenhofer so gefehlt, nicht wegen der 15 oder 20 Tore, die er schießt.

Sie mussten oft auf die Zähne beißen?

Ja. Und meinen Mund halten.

Es war aber auch persönlich eine schwierige Saison mit Ihrer Operation und der später gestorbenen Schwiegermutter: Hatte das Einfluss auf Ihre Arbeit als Trainer?

Ich hoffe und glaube es nicht. Aber natürlich spielt das Privatleben eines Menschen eine Rolle. Übrigens: Ein Fan ist auf mich losgegangen, ich sollte mit vier Reihen spielen.

Jetzt in Sonthofen?

Ja. Da ist kein Trainer der Welt, der in so einem Spiel mit vier Reihen spielt. Wir haben kein einziges Spiel von 46 Spielen mit vier Reihen durchgespielt: Wir hatten meistens zehn Stürmer, oft neun, selten zwölf. Ich hatte zwei DNL-Spieler und Svatopluk Merka, Sonthofen hatte drei Mittelstürmer mit Erfahrung: Die hätten die schwindlig gespielt. Diese Diskussion ist ein Beispiel von dem, was jetzt rauskommt.

Was denken Sie: Welche Perspektiven hat der EVR jetzt?

Das ist nicht mehr meine Sache. Beim EVR gibt es viele schwere Entscheidungen, nicht nur die Trainerfrage. Natürlich hat das Ausscheiden ein Loch in Sachen Geld gerissen. Ich möchte im Guten gehen, auch wenn das in der Situation vielleicht schwer ist. Aber ich danke der Vorstandschaft für die Chance, hier zur arbeiten. Ich danke den Fans für eine tolle Zeit trotz des Misserfolgs zum Schluss. Wir waren zweimal im Halbfinale, haben vor ausverkauftem Stadion gespielt. Das war toll für einen Trainer. An diese Momente will ich mich erinnern.

Wieder stellt sich die Frage, warum Profisport in Regensburg nicht funktioniert.

Weil das Umfeld nicht stimmt. Jetzt wird geschimpft, dabei musst du hinter den Leuten stehen und ihnen Vertrauen geben. Wo war Ivo (Vorstand Stellmann-Zidek, d. Red.) die ganze Saison? Er versteckt sich.

Wie sind Ihre Pläne als Trainer?

Das weiß ich nicht. Ich hatte Gespräche mit ein paar Vereinen. Aber jeder wartet, bis die Saison aus ist. Wenn Leute schimpfen, meine Gedanken wären bei diesem oder jenem Verein gewesen, muss ich sagen, dass ich nirgends konkret verhandelt habe.

Es gibt keinen Favoriten?

Nein. Ich will in der bestmöglichen Situation arbeiten, mit sportlicher Perspektive, wo ich meinen Weg gehen kann mit meiner Philosophie. Deswegen hatte ich mich damals für Regensburg entschieden.

Muss die nächste Station zwangsläufig in der Oberliga Süd sein?

Nein, auf keinen Fall. Das muss nicht in Deutschland sein. Es kann auch sein, dass ich in Kanada bleibe.

Was bleibt von Regensburg sonst?

Da sind viele im Stadion, vor denen ich viel Respekt habe. Ich war an vielen Orten, meistens zwei, drei, fünf Jahre. Das Schönste an meinem Beruf sind die Leute, die du unterwegs kennenlernst. Ich habe in Regensburg viele kennengelernt, die lebenslang für Sabine und mich Freunde sind.

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