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Eishockey

EVR: Stefan Liebergesell braucht Geduld

Der neue Eishockey-Geschäftsführer verrät, wovon er ausgebremst wird und wie weit die Trainersuche in Regensburg ist.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Stefan Liebergesell spielte bisher zum Beispiel die Rolle des Moderators der Pressekonferenz. Seit zwei Wochen gestaltet er die Zukunft des EVR-Eishockeys als Geschäftsführer – und sucht u. a. einen neuen Trainer. Die beiden Herren auf dem Bild werden es definitiv nicht: John Sicinski (links) bleibt in Deggendorf und Doug Irwin verließ den EVR Richtung Duisburg.Foto: Nickl

Regensburg.Stefan Liebergesell, am Donnerstag sind es 14 Tage, dass Sie von neun neuen Gesellschaftern zum Geschäftsführer der EVR-GmbH bestellt wurden. Sie waren ja auch selbst überrascht von der Berufung: Haben Sie sich schon an die neue Position gewöhnt?

Ja, doch. Es sind viele Gespräche zu führen, ich habe viele Termine und lote alles aus. Du spürst halt: Du bist jetzt Entscheider und kannst gestalten. So schlecht finde ich das gar nicht (lacht).

Ist es nicht komisch, dass sich das Verhältnis zum ehemaligen Geschäftsführer und Vorgesetzten Ivo Stellmann-Zidek quasi umgekehrt hat?

Was heißt komisch: Es ist eben eine neue Situation. Es gab bisher noch nicht so viele Dinge zwischen uns, die hätten entschieden werden müssen. Das wird sich in naher Zukunft sicher ändern. Nur ein paar Dinge von Umgang zwischen Verein und GmbH haben wir abgestimmt – und da sind wir uns einig. Aber wir gehen einfach weiter normal miteinander um. Mein Verhältnis zu Ivo wird kein anderes sein.

Etwas ganz Anderes: Gibt es eigentlich Platz für Lieblingsklubs jenseits des EVR?

Eishockeytechnisch gab es immer nur einen Verein. Das ist wirklich so. Ich kam mit sechs zu meinem ersten Spiel in die Donau-Arena nach Regensburg und habe dieses EVR-Fieber gekriegt, wie manche sagen. Freilich gibt es Sympathien, aber wenn du andere Spiele siehst, merkst du, dass du nirgends anders so emotional dabei bist.

Es gibt auch keinen NHL-Klub?

Ich habe mal ein bisschen auf die Boston Bruins gesponnen. Aber das ist auch vorbei. Mir ist inzwischen ziemlich egal, wer den Stanley-Cup gewinnt. Aber dass Edmonton oder Toronto heuer in den Playoffs sind, solche Dinge freuen mich schon. Ich habe mir auch immer nicht nur in Deutschland die Sachen angeschaut, sondern auch in Skandinavien oder in den Nachbarländern. Was wo rumläuft und wie hoch das Niveau ist, das habe ich durchaus im Blick.

Beim EVR ist die Frage: Wie geht es weiter nach den Aufstiegsambitionen?

Wir haben gewisse Dinge in der Schublade, die fertig sind, mit denen wir mittelfristig nach außen gehen wollen. Aber es ist immer noch schwierig, ein genaues Budget zu beziffern. Die Osterferien bremsen uns ein bisschen aus. Am Ostermontag hat das Telefon nicht einmal geklingelt. Da war ich in Sonthofen und habe das Spiel gegen Bad Tölz angeschaut.

Und dem sportlichen Aufsteiger in die DEL 2 gratuliert? Gehen die Löwen rauf?

Die gehen definitiv hoch, was ich weiß. Schon allein, weil das Umfeld einen erneuten Verzicht nicht verzeihen würde.

Wann passiert beim EVR wieder etwas?

Am nächsten Montag gibt es noch mal eine Gesellschafterversammlung. Ich hoffe, dass wir dann wissen, wie die Bedingungen sind und wie viel an Sponsoring zur Verfügung steht. Denn noch ist es schwer, konkrete Aussagen zu machen.

Sie hatten auch davon gesprochen, sich Anfang vergangene Woche mit dem Wunschkandidaten für die Trainerposition treffen zu wollen. Ergebnis?

Auch da geht es nicht so schnell wie geglaubt. Jeden Tag bewirbt sich ein anderer. Ich habe gerade wieder gesagt: Ich lerne gerade, was Geduld heißt.

Ist der Wunschkandidat noch im Rennen?

Ich weiß nicht, ob wir in den nächsten drei oder erst in zehn Tagen zu einem Ergebnis kommen.

Und Sie sagten auch, dass es einen größeren Umbruch im Team geben wird.

Ja, ja, aber wir können noch nichts Konkretes sagen. Deswegen mache ich noch keine schriftlichen Angebote. Wir haben aber auch schon zu Spielern gesagt, dass der gemeinsame Weg hier zu Ende ist. Sieben bis zehn neue Spieler werden wir schon haben. Wir brauchen ja zum Beispiel Ersatz für Stiefenhofer und Noe, zwei starke Verteidiger. Da gibt es ja bestimmt ganz viele in dieser Qualität, die alle nach Regensburg wollen, und alle für bezahlbares Geld (lacht). Auch im Sturm rechne ich mit vier, fünf neuen Spielern. Und wir brauchen einen neuen Back-up-Torwart. Da kommt einiges zusammen.

Peter Holmgren wurde als Torwart bei Ihrer Vorstellung präsentiert. Verteidiger Sebastian Wolsch und Stürmer Peter Flache haben Verträge, oder?

Ja, sie haben gültige Verträge und wir lösen auch keinen mehr auf (lacht nochmal, in Anspielung an den Abgang von Barry Noe, d. Red.). Alle Trainer, mit denen ich gesprochen habe, sind mit diesen Spielern auch einverstanden. Inoffiziell sind wir noch mit dem einen oder anderen einig – und ein paar habe ich auch noch im Kopf.

Nach zwei Jahren der Begeisterung feierte beim EVR diese Saison die Skepsis ein Comeback. Wie wichtig ist es denn, das Feuer neu zu entfachen?

Das ist jedem aufgefallen. Jeder hat gemerkt, dass dieses Jahr nicht so war wie das davor. Man kann lange diskutieren und Fehler suchen. Meine Meinung ist, dass der Kader vielleicht doch größere Veränderungen gebraucht hätte. Andererseits heißt es ja immer: Never change a winning team. Wir waren ja auch so lange vorne dabei, hatten 30 Siege in Folge erzielt und haben es dann jedoch einfach nicht geschafft, die richtigen Stellschrauben zu drehen. Aber es ist schon richtig: Ziel muss es sein, dass die Spieler wieder enger sind und sagen: „Wir brennen für Regensburg.“ Wir wollen Jungs, die hier etwas erreichen wollen, und vielleicht auch zwei, drei, vier Jahre lang etwas bewegen wollen.

Das ist auch wichtig fürs Publikum.

Der Fan ist und bleibt der größte Sponsor. Ich hoffe schon, dass uns Vertrauen entgegengebracht wird in Sachen Dauerkartenverkäufe etc. Ich mache das ja nicht für meinen Lebenslauf, sondern will wie jeder Fan in jedem Spiel drei Punkte und am besten am Ende der Saison das letzte Spiel gewinnen. Aber wir werden Geduld haben müssen. Der erste Moment, in dem es nicht läuft, wird kommen.

Wie lang will ein Stefan Liebergesell das Ganze machen? Zehn, fünf, drei Jahre?

Mein Ziel war es immer, im sportlich administrativen Bereich etwas zu machen. Das ist mir gelungen. Ich habe auch kein Problem, das zehn und 20 Jahre zu machen, wenn es funktioniert und das Vertrauen gegenüber meiner Person da ist. Ich bin aus Regensburg, wohne hier und habe mein privates Umfeld hier. Ich werde einen Teufel tun und einen Plan machen, dass ich in zwei Jahren in Berlin sein will – nur um irgendein Beispiel zu nennen. Wenn ich etwas mache, soll es langfristigen Charakter haben. Und ich will auch keinen jedes Jahr wechselnden Trainer.

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